Am Ball bleiben

Dezember 2019 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Am Ball bleiben

Energieeffizienz lohnt sich, besonders für mittelständische Unternehmen. Doch um das volle Potenzial heben zu können, müssen sich die Rahmenbedingungen verbessern.

Illustration: Josephine Warfelmann
Lars Klaaßen / Redaktion

Der Wille ist da. An Kraftanstrengung mangelt es auch nicht. Doch es geht nicht so flott voran, wie die Akteure sich das erhoffen. Dies lässt sich am Energieeffizienz-Index (EEI) ablesen, der zum Sommer 2019 gefallen ist. Der aktuelle Stand besagt, dass deutsche Unternehmen zwar so viel wie noch nie seit Beginn der Erhebung investieren, die Steigerungsrate der Energieproduktivität und die Bedeutung der Energieeffizienz aber insgesamt gesunken sind. Seit 2013 erhebt das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart halbjährlich aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz. Alexander Sauer, Leiter des EEP der Universität Stuttgart, sieht anhand der Erhebung: „Die Unternehmen bereiten sich auf höhere Anstrengungen vor.“ Nur sechs Prozent hielten Energieeffizienz für wenig oder gar nicht wichtig. „Das ist eine gute Nachricht für die Energieeffizienz, sie ist in der Industrie die erste Priorität und sollte noch stärker unterstützt werden als bisher.“

Bei der Planung der Energiestrategie beziehen über 80 Prozent der Unternehmen den eigenen Fuhrpark ein. Vor allem wollen sie Kraftstoffkosten sparen, gleichermaßen ist ihnen aber auch die Steigerung ihrer Energieeffizienz wichtig. Bereits 16 Prozent beabsichtigen, ihr Flexibilisierungspotenzial zu erhöhen, indem sie den Fuhrpark kritisch unter die Lupe nehmen. Ursachen für nicht realisierte Energieeffizienzmaßnahmen sind vor allem eine zu geringe Priorisierung im Investitionsbudget sowie fehlende fachliche und zeitliche Ressourcen. Für nur zwölf Prozent der befragten Unternehmen ist die Umsetzung zu komplex.

„Steigende Investitionen bei nahezu konstantem Effizienzfortschritt bedeuten höhere Kosten pro eingesparter Kilowattstunde“, mahnt Sauer. „Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sollte die aktuelle Investitionsbereitschaft mit entsprechenden Rahmenbedingungen in seiner geplanten Energieeffizienzstrategie unbedingt unterstützen und auch das Finanzministerium in die Pflicht nehmen. Unbürokratischer Zugang zu umfangreichen Fördermöglichkeiten werde immer wichtiger. Hierzu zählt laut Sauer „in Zeiten hoher Unternehmensgewinne explizit auch eine degressive Abschreibung“.

Immerhin, Potenziale können in großem Umfang genutzt werden. So produziert nahezu jedes Unternehmen zusätzlich zum Tagesgeschäft auch Heizwärme, und vor allem in Gewerbe und Industrie fällt häufig Prozesswärme an: Beide können beim Energiesparen helfen. Abwärme, vor allem bei industriellen Prozessen, bietet großes, ungenutztes Potenzial zur Energieeffizienz und rückt daher immer mehr in den Fokus bei der Effizienzplanung. Rückgewinnung von warmer Gebäudeluft etwa kann die Heizkosten um bis zu 30 Prozent senken.

Kleine und mittlere Unternehmen, die sich über Energiesparpotenziale beraten lassen wollen, können hierfür beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eine Förderung beantragen. Das Bafa bezuschusst zudem konkrete Maßnahmen: hocheffiziente Technologien, Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien, Soft- und Hardware für Energie- oder Umweltmanagementsysteme, energiebezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen. Ab einer Einsparung des Energieverbrauchs von zehn Prozent winkt auch eine KfW-Förderung: Durch niedrige Zinsen und großzügige Tilgungszuschüsse kann diese bis zu 55 Prozent der Kosten betragen. Es lohnt sich also, am Ball zu bleiben – dann sieht der EEI bald hoffentlich auch wieder besser aus.