Lungenkrebs: Mehr Lebensqualität durch neue Therapien

Dezember 2021 | stern | Meine Gesundheit

Lungenkrebs: Mehr Lebensqualität durch neue Therapien

Große Fachzentren wie die Asklepios Lungenfachklinik in München bieten Lungenkrebspatienten neue Behandlungsmethoden, die die Lebensdauer deutlich verlängern können.

PD Dr. Niels Reinmuth, Chefarzt für Thorakale Onkologie der Asklepios Fachkliniken München-Gauting
Asklepios Fachkliniken München-Gauting / Beitrag

Herr Dr. Reinmuth, jedes Jahr erhalten rund 55.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Lungenkrebs. Wie wird der Tumor erkannt?
Die Mehrheit der Lungenkarzinome werden nach unspezifischen Symptomen wie Husten oder Abgeschlagenheit entdeckt. Oft fallen Veränderungen der Lunge auch bei einer Untersuchung anderer Fachbereiche auf. Die Diagnostik bei Lungenkrebs findet mit Hilfe von Röntgenaufnahmen und CTs statt, die aber aufgrund der Strahlenbelastung nicht für alle als Vorsorgeuntersuchungen geeignet sind. Viele Untersuchungsmethoden sind zu ungenau: Bei manchen werden zu viele bösartige Lungentumoren übersehen. Andere Verfahren sind wiederum zu empfindlich: Sie lösen zu oft einen unbegründeten Krebsverdacht aus, was zu unnötigen und für die Betroffenen belastenden Folgeuntersuchungen oder Behandlungen führt. Für Risikogruppen, meist langjährige Raucher, gibt es jedoch Screening-Verfahren wie die Niedrig-Dosis-Computertomographie (low-dose-CT), die vielversprechend sind und gute Ergebnisse in Studien zeigen. In Deutschland ist das Screening noch nicht zugelassen, in den Asklepios-Kliniken Gauting machen wir uns aber jetzt schon Gedanken, wie wir es sofort nach der Zulassung umsetzen können.

 

Wie sehen die aktuellen Therapieformen aus?
Vielversprechend sind derzeit vor allem Neuerungen in Bereichen der Gen-, und Immuntherapie. Bei 15 bis 20 Prozent der Lungenkrebspatienten – unter den Nie-Rauchern sogar 50 Prozent – wurden molekulare Veränderungen entdeckt, die eine Therapie mit Tabletten oder auch Antikörper-Infusionen möglich machen. Die Therapie ist enorm erfolgreich, wirksamer als eine Chemotherapie und meist wesentlich besser verträglich. Eine weitere Revolution ist die Immuntherapie, die gerade auch bei Rauchern funktioniert. Dabei wird nicht der Tumor, sondern das Immunsystem behandelt. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass die neuen Therapien den Tarnmechanismus der Tumorzelle „Immunsystem, ich bin dein Freund, deshalb bekämpfst du mich nicht“ ausschalten. Das Ergebnis ist, dass die Zellen des Immunsystems den Tumor wieder bekämpfen.

 

Können diese neuen Therapien die Patienten also heilen?
Eine Heilung ist im späten Tumorstadium aktuell leider noch unrealistisch. Aber: Mit den Tablettentherapien kann ein Patient mit nicht kleinzelligem Lungenkarzinom und Metastasen eine Lebenserwartung von weit über fünf Jahren haben. Mit alleiniger Chemotherapie liegt sie bei zehn bis 14 Monaten. Wir sind sehr froh, dass wir einigen Patienten eine deutliche Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität schon heute bieten und hoffen, dass wir diesen Anteil in Zukunft noch steigern können. Der Weg dahin führt über die klinische Forschung, also dem Durchführen klinischer Studien weltweit.

 

Wie häufig wenden Sie die neuen Therapien in der Asklepios Lungenfachklinik in Gauting an?
Gerade im letzten Jahr gab es zahlreiche Neuerungen in den Standardtherapien, sodass heute die ganz überwiegende Mehrzahl von Patienten bereits mit diesen neuen Therapien behandelt werden. Es hängt aber ganz vom individuellen Tumor ab, welche neuen Therapien zum Einsatz kommen können. Durch das Angebot möglichst vieler klinischer Studien versuchen wir zudem, unseren Patienten schon heute neue Therapieverfahren anzubieten, die möglicherweise dann die Standardtherapie der Zukunft werden. Unsere Patienten haben idealerweise die Auswahl: Zwischen dem besten Standard von heute und den hoffnungsvollen Therapien der Zukunft.

 

www.asklepios.com/gauting