Kampf gegen Krebs

Impfungen gegen Krebs, Proteinanalysen oder molekulare Mikroskopie – die Krebsforschung hat eine Reihe bahnbrechender Erfolge vorzuweisen.

Illustration: Noemi Fabra
Illustration: Noemi Fabra
Dr. Ulrike Schupp Redaktion

Messenger Ribonucleic Acid (mRNA)-Impfstoffe könnten in wenigen Jahren vielleicht das Entstehen einiger Krebsformen verhindern. Bekannt geworden sind mRNA-Impfstoffe als Wirkstoff gegen SARS-Cov-19. Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet seit über zehn Jahren auch an einem entsprechenden Impfstoff gegen Krebs und prüft dessen Wirksamkeit zurzeit in einer Studie zu schwarzem Hautkrebs.

Die Hoffnung auf künftige Behandlungserfolge ist groß. Der Körper soll lernen, den Krebs mithilfe seiner Immunabwehr zu bekämpfen. Dazu muss das Immunsystem so trainiert werden, dass es Krebszellen erkennt, was es häufig eben nicht tut. Typisch für Krebszellen sind Antigene, bestimmte Proteine, die an der Oberfläche der Zellen gehäuft auftreten. Durch die Impfung wird das Immunsystem mit diesen Proteinen konfrontiert. Zuerst werden für den Impfstoff die Krebszellen untersucht. Man muss die Erbinformationen finden, die den Bauplan für die Eiweiße an ihre Oberfläche liefern. Diese Gene werden in Boten-RNA verpackt, über den Impfstoff verabreicht und vom Körper nachgebaut. Das Immunsystem lernt über diesen Umweg, die Eiweiße an der Oberfläche der Tumorzellen ebenfalls wahrzunehmen und sie dann zu bekämpfen. Die Impfungen schonen das Körpergewebe und haben weniger Nebenwirkungen als Strahlen- oder Chemotherapie.

Ein neues molekular mikroskopisches Verfahren zeigt bislang unbekannte Details dazu, wie sich Brustkrebs ausbreitet. Nicht nur genetische Veränderungen von Krebszellen, sondern auch die Interaktion des Tumors mit dem Immunsystem seiner Gewebeumgebung werden durch molekulare Sonden sichtbar gemacht. „Das Spannende an unserer neuen Technik ist, dass wir zum ersten Mal buchstäblich sehen können, wie die Gewebeumgebung die Krebsentwicklung beeinflusst. Wir sehen, welche Krebsklone sich weiterentwickeln und aggressiver werden – aber gleichzeitig auch, welche Klone das nicht tun. Daraus können wir ableiten, welches die wichtigsten Schritte beim Tumorwachstum sind und wie wir die Krankheit möglicherweise eindämmen oder verhindern können“, sagt Moritz Gerstung vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Als Gamechanger könnte sich außerdem eine weitere Entdeckung erweisen. Proteine sogenannter „MYC-Gene“, die das Wachstum von Tumorzellen fördern und gleichzeitig das Immunsystem täuschen, spielen bei vielen Krebserkrankungen eine wichtige Rolle. Ein Forschungsteam vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg fand kürzlich heraus, dass sich Tausende dieser Proteine zu Hohlkugeln aneinanderlagern können, die empfindliche Stellen des Erbguts der Krebszellen schützen. Zerstört man die Kugeln, sterben die Krebszellen. Eine der entscheidenden Fragen sei nun, ob man Medikamente entwickeln könne, die die Bildung der Hohlkugeln gezielt verhindern.

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