»Nicht jede Brustkrebspatientin benötigt eine Chemotherapie«

Oktober 2021 | stern | Leben mit Krebs

»Nicht jede Brustkrebspatientin benötigt eine Chemotherapie«

Prof. Ulrike Nitz, Chefärztin Brustzentrum Niederrhein in Mönchengladbach
Exact Sciences / Beitrag

Die Behandlungsoptionen für Brustkrebs werden immer besser, auch weil die Therapien präziser auf die Patientinnen abgestimmt werden können. Prof. Ulrike Nitz, Chefärztin am Brustzentrum Niederrhein in Mönchengladbach, erklärt, wie Patientinnen von der Individualisierung der Behandlungsoptionen profitieren.

 

Frau Prof. Nitz, warum ist es wichtig, Brustkrebs individuell zu behandeln?

 

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es ist wichtig, möglichst viel über die Eigenschaften des individuellen Tumors zu wissen, um der Patientin die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen und ihr unnötige Belastungen zu ersparen.

 

Haben Sie dafür ein Beispiel?


Wir wissen, dass 85 % der Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven und HER2/neu negativen Mammakarzinom nicht von einer Chemotherapie profitieren. Lange haben uns die nötigen Entscheidungskriterien gefehlt, um solche Frauen zu identifizieren, die dringend einer Chemotherapie bedürfen und solche, bei deren Tumoren auf eine ebensolche verzichtet werden kann. Seit 2020 wird in Deutschland der Oncotype DX Breast Recurrence Score® Test erstattet. Mit ihm können wir das individuelle Rückfallrisiko einer Brustkrebspatientin bestimmen und feststellen, ob sie aufgrund der Beschaffenheit ihres Tumors von einer Chemotherapie profitiert oder nicht.

 

Warum ist das so wichtig?


Von allen Therapiemöglichkeiten, wie Operation, Strahlentherapie, Antihormonund Immmuntherapie ist die Chemotherapie wegen der Nebenwirkungen am meisten gefürchtet. Viele Patientinnen trifft die Ungewissheit direkt nach Diagnosestellung – wenn das Ausmaß der Erkrankung noch unklar ist – am härtesten. Deswegen sollten Frauen die Möglichkeiten kennen, über die wir bei der Diagnosestellung verfügen, damit sie diese im Fall der Fälle gegenüber ihrem Arzt auch ansprechen können.

 

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