Die Megatrends der Zukunft

September 2021 | Handelsblatt | Zukunft Deutschland

Die Megatrends der Zukunft

Schon bald wird die heranwachsende Generation das alte, von Materialismus und Engstirnigkeit geprägte Wertesystem verändern. Der neue Altruismus stellt globale Probleme vor die eigenen. Eine Prognose aus dem Frankfurter Zukunftsinstitut.

Lena Papasabbas ist Kulturanthropologin und befasst sich mit dem Wandel der Wissensgesellschaft und den Wechselwirkungen zwischen Technologie und Gesellschaft. Das Zukunftsinstitut wurde 1998 von Matthias Horx gegründet
Lena Papasabbas / Redaktion

Wertewandel lässt sich gut an veränderten Statussymbolen ablesen. Junge Menschen haben oft ein ganz anderes Statusdenken als Ältere: Finanzieller Reichtum führt nicht mehr zwingend zu hohem Ansehen. Alte Statussymbole, etwa dicke Autos, sind für die umweltbewusste Generation geradezu vulgär. Immer mehr junge Städter steigen um: vom Auto auf das neue Statussymbol Fahrrad. Besaß Mitte der 1990er-Jahre noch rund die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen ein eigenes Auto, ist es heute nur noch grob ein Viertel. Für viele hat Fair Trade einen höheren Stellenwert als Louis Vuitton, die Weltreise ist wichtiger als die Karriere. Von einem sinnvollen Job erzählen zu können, beeindruckt mehr als eine hohe Position im Konzern.


Junge Menschen lösen sich von einem materialistischen Denken, in dem teure Dinge einen bestimmten sozialen Status garantierten. Umso empfänglicher ist sie für Sharing-Angebote – die Jungen tauschen, teilen und leihen was das Zeug hält: Ridesharing, Foodswapping, Vinted oder Couchsurfing werden genauso selbstverständlich genutzt wie Car2Go, Airbnb oder Uber. Die junge Generation ist somit auch Träger und Treiber der Sharing Economy: egal ob Zelt oder Bohrmaschine, Gartengeräte oder Spiele – die Liste der Dinge, die man nicht mehr länger kaufen muss, sondern leihen, tauschen, geschenkt bekommen kann, wird immer länger.


Geteilt werden selbstverständlich auch die Sorgen. Globale Probleme wie soziale Ungerechtigkeit und Klimawandel bereiten Jugendlichen inzwischen mehr Kopfzerbrechen als ihre persönlichen Probleme. Doch es bleibt nicht beim passiven Weltschmerz. Jugendbewegungen wie Fridays for Future sind größer, globaler und haben mehr Impact als je zuvor. Globalisierung und Konnektivität machten aus #FFF, #Metoo und #BLM weltweite Protestbewegungen, die die Welt verändert zurücklassen werden.


Die junge Generation spürt eine Handlungsmacht, die Welt zum Positiven verändern zu können. Und auch zu müssen. Junge Menschen sind heute wie keine Generation vorher geprägt von Krisen. 9/11, Fukushima, Finanzkrise, Terror, Klimakrise und in jüngster Zeit die Pandemie – diese Ereignisse gelten als prägend und schweißen die sonst heterogene Generation zusammen. Ein Gefühl von Unsicherheit verbindet sie. Aber auch ein hoher Gestaltungswille.