Wertvolles Wasser

Wasserknappheit wird zunehmend zum Problem – selbst in Deutschland. Dabei kann jeder aktiv werden und Wasser sparen. Schon einfache Tipps zeigen große Wirkung, vor allem auf Dauer.

Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi
Klaus Lüber Redaktion

Obwohl Deutschland zu den wasserreichsten Ländern Europas gehört, wird auch hier das Wasser knapper. Vor allem die langen Trockenperioden der letzten Jahre haben die Böden ausgedörrt und die Grundwasserspiegel sinken lassen. Laut einer Umfrage des Magazins „Kommunal“ in Kooperation mit dem ARD-Politikmagazin „report München“ berichten insgesamt 57 Prozent der Kommunen von einem nicht ausreichenden Zugang zum kostbaren Gut. 16 Prozent müssen mit konkreten Maßnahmen gegensteuern – etwa, indem Pools, Autowaschen oder die Gartenbewässerung verboten werden.

Besonders betroffen ist etwa die Region im Südosten Berlins. Dort liegt auch die Giga-Factory des Elektroauto-Herstellers Tesla. Der zuständige Wasserverband hat den Wasserverbrauch für Neukunden gedrosselt. Nur noch 105 Liter dürfen pro Person und Tag verbraucht werden. Nach aktuellen Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft wären demnach schon zwei Toilettenbesuche, fünf Minuten Duschen und eine Maschine Wäsche zu viel – der Wasserverbrauch würde das Budget übersteigen.

Die Wasserknappheit in Deutschland hat mehrere Ursachen. Zum einen spielt der Klimawandel eine Rolle: Durch die Erderwärmung kommt es zu häufigeren und längeren Dürreperioden, primär im Osten und Norden des Landes. Die Niederschläge reichen nicht aus, um die Böden ausreichend zu befeuchten und das Grundwasser aufzufüllen. Das Grundwasser ist die wichtigste Quelle für Trinkwasser in Deutschland: Rund 70 Prozent des Trinkwassers stammen aus dem Untergrund.

Zum anderen steigt der Wasserbedarf durch Bevölkerungswachstum, Landwirtschaft und Industrie. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser im Jahr 2019 bei 123 Litern pro Tag. Davon entfielen rund 36 Prozent auf die Körperpflege, 27 Prozent auf die Toilettenspülung, 12 Prozent auf das Wäschewaschen und 10 Prozent auf das Geschirrspülen. Hinzu kommt der sogenannte virtuelle Wasserverbrauch: Das ist das Wasser, das für die Herstellung von Lebensmitteln oder Produkten benötigt wird. Zum Beispiel verbraucht ein Kilogramm Rindfleisch rund 15.000 Liter Wasser.

Um die Wasserknappheit zu bekämpfen oder zumindest abzumildern, sind verschiedene Ansätze möglich. Einerseits geht es darum, das vorhandene Wasser besser zu nutzen und zu verteilen. Dazu gehören etwa der Ausbau von Fernwasserversorgungssystemen: Dabei wird Wasser aus wasserreichen Gebieten über lange Leitungen in wasserarme Regionen transportiert. Mehr als ein Viertel aller Haushalte in Deutschland erhalten bereits ihr Trinkwasser aus Fernleitungen. Allerdings sind diese Systeme teuer im Bau und im Unterhalt und können ökologische Probleme verursachen.

Ebenso wichtig ist die Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen. Sowohl die natürlichen als auch die künstlichen Wasserressourcen sollten geschützt und regeneriert werden. Dies kann durch den Erhalt von Feuchtgebieten und Wäldern erreicht werden, die als natürliche Speicher und Filter für Wasser dienen. Aber auch durch den Bau von Regenwasserrückhaltebecken oder künstlichen Grundwasseranreicherungsanlagen, die das überschüssige Niederschlagswasser sammeln und speichern können.

Und nicht zuletzt können wir alle durch einfache Maßnahmen zu einer Reduzierung des Wasserverbrauchs beitragen. Etwa indem wir öfter duschen statt baden – eine Dusche verbraucht nur etwa ein Drittel so viel Wasser wie eine Badewanne. Oder durch die schnelle Reparatur tropfender Wasserhähne – ein solcher kann zu einem Verlust von bis zu 15 Litern am Tag führen. Ähnlich verhält es sich mit fließendem Wasser beim Zähneputzen, Händewaschen oder Rasieren. Hier kann man bis zu 12 Liter Wasser pro Minute sparen, wenn man den Hahn zwischendurch zudreht.

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