Die Hitze nimmt immer mehr zu, die Sorgen werden größer und dann ist da noch der Supermond oder der Gang zur Toilette: Guter Schlaf wird immer seltener. Wer einen Oura Ring oder eine Smartwatch trägt, sieht es jeden Morgen schwarz auf weiß: Wir schlafen zu wenig. Laut der Schlafstudie der Pronova BKK von 2024 schlafen sechs von zehn Deutschen unter der Woche weniger, als sie es bräuchten. 87 Prozent wachen nachts auf, jeder Fünfte mindestens dreimal. Nach dem Gang zur Toilette sind Sorgen und Stress mit 22 Prozent die zweithäufigste Ursache für Schlafunterbrechungen. Ebenso häufig wie Frieren oder Schwitzen. Hier klafft die Sleep-Gap: Im ResMed Global Sleep Survey 2026 nennen 59 Prozent der Deutschen guten Schlaf als wichtigsten Gesundheitsfaktor – noch vor Ernährung und Bewegung. Trotzdem wacht nur jeder Zweite erholt auf. Schlafforscher Prof. Dr. Hans-Günter Weeß vom Schlafzentrum am Pfalzklinikum macht dennoch Mut: „Ich trainiere Menschen, ihre eigene Schlaftablette zu werden.“ Erholung ist also etwas, das wir selbst anstoßen können. Was helfen könnte, verraten wir hier:
1. BILDSCHIRM AUS, MELATONIN AN
Der letzte Blick aufs Handy ist der heimliche Schlafräuber. Grelles Display-Licht signalisiert dem Körper Tag und bremst genau das Hormon, das müde macht: Melatonin bildet sich nur bei Dunkelheit. Wer abends scrollt, hält den Kopf im Wachmodus. Der Rat der Schlafmedizin: Handy und Laptop eine Stunde vor dem Zubettgehen weglegen und auf warmes, gedämpftes Licht umschalten, statt zu doomscrollen. Das bringt ohnehin meist nichts außer Zerstreuung.
2. NATURMATERIALIEN, GUTE MATRATZE, GUTES KISSEN
Gerade bei Hitze entscheidet, was auf der Haut liegt. Leinen, Baumwolle und feine Merinowolle sind atmungsaktiv und bleiben kühl. Synthetik dagegen staut die Wärme. Nicht ohne Grund nennt in der Pronova-Studie fast jeder Vierte ein zu warmes oder zu kaltes Bett als Grund fürs nächtliche Aufwachen. Dazu eine körpergerechte Matratze, die den Rücken stützt, und ein gutes Kissen, das den Nacken in einer Linie mit der Wirbelsäule hält. Für Extra-Hotelfeeling macht ein Topper Spaß.
3. FARBE, DUFT UND EIN RITUAL ZUM RUNTERKOMMEN
Das Schlafzimmer darf Rückzugsort sein, kein Abstellraum. Gedeckte Töne wie Salbeigrün, Sand oder sanftes Blaugrau beruhigen das Auge. Accessoires aus Leinen oder Baumwolle wirken wohnlicher. Klingt nur so lange seltsam, bis man es selbst ausprobiert hat: Ätherische Öle wie Lavendel und dazu ein paar Minuten Meditation helfen, Körper und Kopf besser abzuschalten. Auch das Klima zählt: Schlafmediziner empfehlen 16 bis 18 Grad, Dunkelheit und Ruhe.
4. AUS DER FORSCHUNG: DAS PERFEKTE SCHLAF-FENSTER
Zum Schluss eine Erkenntnis mit Neuigkeitswert. Eine im Mai 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie verglich die Schlafdauer mit 23 biologischen „Alterungsuhren“ – von Bildgebung bis Stoffwechsel. Das Ergebnis: Am günstigsten waren rund 6,4 bis 7,8 Stunden Schlaf. Wer dauerhaft weniger als sechs oder mehr als acht Stunden schlief, lag häufiger in Bereichen mit erhöhtem Krankheitsrisiko. Mehr Schlaf ist also nicht automatisch besser.