Herr Schmidt, vom 20. bis 28. Juni findet in Hannover die IdeenExpo statt, Europas größtes Jugendevent für Technik und Naturwissenschaften. Wenn ein junger Mensch die Veranstaltung besucht und in zehn Jahren ins Berufsleben eintritt: In welcher Welt wird er arbeiten?
Die Arbeitswelt wird dynamischer und weniger berechenbar sein. Jugendliche spüren das bereits: Laut Allensbach erwarten mehr als 80 Prozent der 15- bis 25-Jährigen, dass sich Jobs stark verändern. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Sicherheit. Die IdeenExpo kann keine festen Berufsbilder vorzeichnen – aber Orientierung geben und das wichtige Gefühl, gebraucht zu werden.
Was heißt Orientierung?
Viele Jugendliche kennen heute ihre beruflichen Optionen kaum. Auf der IdeenExpo zeigen Firmen ihnen Perspektiven, oft kommen sie hier erstmals wirklich in Berührung mit der Arbeitswelt.
Die IdeenExpo findet zum zehnten Mal statt. Was hat sie bewirkt?
Idealerweise hat sie Hunderttausenden Jugendlichen geholfen, ihren Horizont aus eigenen Fähigkeiten und beruflichen Chancen zu erweitern. Für Unternehmen, die Nachwuchstalente suchen, ist sie eine Institution: Mehr als 90 Prozent der Besucher sind zufrieden, 99 Prozent der Aussteller kommen wieder. Etliche Firmen berichten, dass Bewerber gezielt über die Veranstaltung den Kontakt zu ihnen gesucht haben, sie ist oft der Berufseinstieg.
Trotzdem fehlen Fachkräfte. Wo liegt das Problem?
Zwar sehen mehr als 70 Prozent der Jugendlichen MINT-Berufe als entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands an, aber nur ein Bruchteil kann sich vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten. Ein Grund ist das Bildungssystem – fehlt Praxisbezug, bleibt Begeisterung aus.
Erreicht die Schule viele nicht mehr?
Nicht ausreichend. Lehrpläne halten mit der Dynamik der Arbeitswelt nur bedingt Schritt. Auf der IdeenExpo erleben Jugendliche Technik unmittelbar.
Und so entsteht Interesse?
Ja, oft durch einen einfachen Moment: Jemand merkt „Das kann ich ja“. Viele entdecken Fähigkeiten an sich, die im Schulalltag verborgen bleiben. Solche Erfahrungen wirken stärker als Theorie.
Was sollten junge Menschen heute unbedingt mitbringen?
Solides technologisches Grundverständnis, Datenkompetenz und die Fähigkeit, über Fachgrenzen hinweg zu denken. Außerdem Empathie, Kreativität und die Bereitschaft, sich immer wieder neu einzuarbeiten.
Welche Rolle spielt dabei KI?
Sie wird viele Routinetätigkeiten verändern oder ersetzen. Gleichzeitig werden Arbeiten nah am Menschen wichtiger – im Handwerk, in der Medizin oder im sozialen Bereich.
Zusammengefasst: Wo müsste Deutschland ansetzen?
Vor allem in der Schule. Mehr Praxis, bessere Ausstattung, weniger Bürokratie. Und wir brauchen Vorbilder, um insbesondere junge Frauen für technische Berufe zu gewinnen.
Wie sieht die Zukunft der IdeenExpo aus?
Wir entwickeln sie weiter zur bundesweiten Plattform für MINT. Neben der Veranstaltung wollen wir dauerhaft unmittelbare Verbindungen herstellen – zwischen Firmen und jungen Menschen, die ihren Weg erst noch finden.
ideenexpo.de