»Wir leben in Zeiten rasanter Veränderungen in einer stark vernetzten Welt.«

November 2019 | Die Welt | Arbeitswelt der Zukunft
Standort Deutschland
Die Redaktion befragt Akteure zur Arbeitswelt der Zukunft.
November 2019 | Die Welt | Arbeitswelt der Zukunft

»Wir leben in Zeiten rasanter Veränderungen in einer stark vernetzten Welt.«

Stephan Dirschl / Pressesprecher Charta der Vielfalt e.V.

Wir müssen heute wieder lernen, für Vielfalt und Offenheit laut zu werden und Flagge zu zeigen! Wir leben in einer stark individualisierten Gesellschaft, in der die traditionellen verbindenden Elemente wegbrechen und wir neue finden müssen. Gleichzeitig leben wir in Zeiten rasanter Veränderungen in einer stark vernetzten Welt, in der Kreisläufe nicht mehr ohne weiteres zu durchschauen sind und unser Handeln oft schwer absehbare Folgen hat. Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen müssen in Angriff genommen werden – rechtspopulistische Tendenzen und Zukunftsängste in der Gesellschaft, Digitalisierung, demografischer Wandel und das Miteinander vieler Generationen mit unterschiedlichen Werten in der Arbeitswelt.


Die Arbeitswelt, die einen erheblichen Teil der Gesellschaft abbildet, trägt eine besondere Rolle, um diese Herausforderungen anzugehen. Als größtes Diversity-Netzwerk von Unternehmen und Institutionen in ganz Deutschland ist der Charta der Vielfalt e.V. Botschafter einer wertschätzenden und vorurteilsfreien Arbeitswelt und setzt sich für eine offene und friedliche Gesellschaft ein. Das Ziel der UnterzeichnerInnen die Charta der Vielfalt ist das Etablieren einer Organisationskultur, die alle Mitarbeitenden wertschätzt, unabhängig von den individuellen Eigenschaften, die sie mitbringen. Dies geschieht durch aktives Diversity Management, beispielsweise durch das Einsetzen gemischter Teams. Diese garantieren innovative und kreative Lösungen und ermächtigen jeden einzelnen, seine Talente einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.


Bislang haben über 3.300 Organisationen die Charta der Vielfalt unterzeichnet und positionieren sich damit klar für Vielfalt als Chance – gerade für die jüngeren Talente ein entscheidendes Merkmal bei der Jobwahl. Werden auch Sie Teil dieser Bewegung!

 

www.charta-der-vielfalt.de

November 2019 | Die Welt | Arbeitswelt der Zukunft

»Junge Menschen brauchen Unterstützung bei der Lebensfindung.«

Torsten Brandt / Leiter Arbeitsgruppe Schülermarketing bei Queb Bundesverband für Employer Branding Personalmarketing und Recruiting e.V.

Schüler haben heute allzu oft das Gefühl, ihr Werdegang sei vorbestimmt. Die Abweichung von der Norm bringe nur Probleme. „Du hast Realschulabschluss? Dann mach Dein Abi!“, „Abi geschafft? Dann geh studieren!“ Und das möglichst mit lückenlosem Lebenslauf. Es wird kein Gedanke daran verschwendet, was man eigentlich möchte. Dabei gibt es so viele Richtungen, die man einschlagen kann. Durch gesellschaftlichen Druck wird aber erst mal mit dem Strom geschwommen.


„Unter Azubi-Marketing stellen sich die Meisten einen Flöte spielenden Rattenfänger vor, der Schüler rekrutiert“, sagt Torsten Brandt, bei Bayer für das Schülermarketing verantwortlich. „Dabei sind wir eher Street-Worker, die bei der Lebensfindung helfen. Denn genau dabei brauchen junge Menschen Unterstützung.“


Daher geht dieser Appel auch ganz bewusst an die Schüler selbst. Und manchmal braucht es Mut und Durchsetzungsvermögen, wie Brandt bei einem Gespräch am Bayer-Messestand lernen musste: Mutter (zu mir): „Mein Sohn möchte sich über Studienmöglichkeiten bei Ihnen informieren.“ Sohn (zur Mutter): „Ma, ich wollte mich über den Elektroniker-Beruf informieren.“ Mutter (zu mir): „Haben Sie da etwas? Er ist wirklich ein guter Schüler und ich bin sicher, dass er das auch aufs Studium überträgt.“ Sohn (zur Mutter): „Das Praktikum war super, mir macht das Spaß. Studieren kann ich nach der Ausbildung immer noch!“


Sie würdigt ihn keines Blickes. Der Sohn bekommt von einem unserer Azubis am Messestand einen Flyer zum Elektroniker für Automatisierungstechnik in die Hand gedrückt. Er zieht den Sohn lächelnd von seiner Mutter weg. Die Mutter schaut ihm kurz nach, atmet resigniert aus und sagt zu mir: „Naja, ich würde trotzdem gerne noch ein paar Infos für die Studienmöglichkeiten mitnehmen!“

 

www.queb.org

November 2019 | Die Welt | Arbeitswelt der Zukunft

»Es liegt an uns, hochqualifizierte Fachkräfte für Deutschland zu begeistern.«

Dr. Volker Kefer / Präsident VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Ingenieure sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit gefragter denn je. Die Digitale Transformation erfordert, dass Ingenieure nicht nur durch reines Technik-Know-how Innovationen hervorbringen, sondern dass sie interdisziplinär agieren und digitale Geschäftsmodelle erdenken und umsetzen. Nach aktuellen Zahlen unseres VDI-/IW-Ingenieurmonitors sind derzeit rund 130.00 Stellen unbesetzt – und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Knapp ein Drittel aller offenen Stellen fallen allein auf den Informatikbereich.


Damit Deutschland jedoch seine Spitzenposition als Technologie- und Innovationsstandort nicht verliert, braucht es vor allem weiterhin sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Daher begrüßt der VDI das jüngst von der Bundesregierung beschlossene Fachkräfteeinwanderungsgesetz als einen Baustein, um die hohe Nachfragesituation zu bewältigen und dringend benötigte Fachkräfte zu mobilisieren. Es liegt nun an uns, hochqualifizierte Fachkräfte für Deutschland zu begeistern und das Augenmerk dabei klar auf die Integration zu legen.


Wenn wir darüber hinaus unseren Technologiestandort langfristig sichern wollen, braucht es natürlich weiterhin eine Ingenieurausbildung auf exzellentem Niveau. Eine aktuelle VDI-Studie „Ingenieurausbildung für die Digitale Transformation“ zeigt jedoch, dass sich Studierende und Berufseinsteiger nicht ausreichend auf den Wandel vorbereitet fühlen. Digitale Lehrinhalte müssen sich daher vor allem stärker in den Modulen der Ingenieurwissenschaften niederschlagen. Wir brauchen agile, leicht anpassbare Studiengänge, die es ermöglichen, neue Themen rasch zu integrieren. Außerdem sehen wir eine große Chance darin, Unternehmen und Hochschulen mehr miteinander zu verzahnen. Im Sinne des lebenslangen Lernens sollten Unternehmen zusätzlich verstärkt mit Hochschulen kooperieren.

 

www.vdi.de