Europa braucht Nord Stream 2

Juni 2019 | Handelsblatt | Zukunft Energie

Europa braucht Nord Stream 2

Verbesserte Versorgungssicherheit, zunehmender Wettbewerb und sinkende Erdgaspreise in der EU für mehr Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie auf den internationalen Märkten.

ULRICH LISSEK, Head of Communications and Governmental Relations, Nord Stream 2 AG
Nord Stream 2 AG / Unternehmensbeitrag

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt deutlich, dass die sichere Versorgung mit zusätzlichen Erdgasmengen für Europa, dem größten Energieimporteur weltweit, immer wichtiger wird. Die prognostizierte Versorgungs-lücke wird rund 120 Milliarden Kubikmeter betragen, was einem Viertel der momentan benötigten Gasmengen in Europa entspricht. So geht die heimische Produktion in Europa deutlich stärker und schneller zurück, als noch vor einigen Jahren angenommen. Die Versorgung aus den Niederlanden beispielsweise, die besonders in Deutschland eine zentrale Rolle spielt, wird in absehbarer Zeit auf nur 1,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sinken. Das deckt lediglich einen Bruchteil des Bedarfs hierzulande. Gleichzeitig kommt Erdgas eine immer größere Bedeutung in der Energieversorgung zu, wenn Europa auf dem Weg zu den Klimazielen die Stromerzeugung aus Kohle zurückfahren will.

In den vergangenen Jahren stieg der Erdgasverbrauch in den EU-Mitgliedstaaten jährlich an, auch weil mehr Gaskraftwerke liefen, um Kohlekraftwerke zu ersetzen. Als größter CO2-Emittent der EU bemüht sich etwa Deutschland den Energiemix nachhaltiger zu gestalten und plant nach dem Atomausstieg nun auch den Ausstieg aus der Kohle. Dadurch wird der Erdgasbedarf in Deutschland schon bis 2023 voraussichtlich um vier bis sieben Milliarden Kubikmeter steigen.
 

Um den zusätzlichen Bedarf abzudecken, braucht Europa auch mehr Gasinfrastruktur


Die EU hat die Diversifizierung des Binnenmarktes dafür bereits sehr erfolgreich vorangetrieben, sodass importierte Gasmengen unabhängig von der Quelle alle Mitgliedstaaten erreichen können. Weitere, von der EU finanziell geförderte Infrastrukturprojekte sind darüber hinaus noch geplant oder im Bau, wie beispielsweise die geplante Baltic Pipe durch die Ostsee von Dänemark nach Polen und der Baltic Connector zwischen Estland und Finnland. Für den Import von zusätzlichem LNG nach Europa werden dank großzügiger EU-Förderung derweil neue Terminals in Griechenland, Kroatien, Polen und Spanien errichtet oder erweitert.


Gleichzeitig wird die Nord Stream 2-Pipeline eine direkte Verbindung zu den weltweit größten Reserven in Russland darstellen. Das zusätzlich von Nord Stream 2 transportierte Erdgas wird dazu beitragen, dass der Wettbewerb zunimmt und die Erdgaspreise in Europa sinken. Studien zufolge müsste die europäische Wirtschaft mit Mehrkosten in Höhe von bis zu 24 Milliarden Euro im Jahr rechnen, falls Nord Stream 2 nicht verfügbar sein sollte. In Deutschland allein könnten die Energieversorgungskosten der Industrie um 30 Prozent steigen. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Unternehmen auf den internationalen Märkten deutlich verschlechtern.

 

Diese Überlegungen zeigen, dass einseitig politisch motivierte Verzögerungstaktiken und mutwillig rechtlich veränderte Rahmenbedingungen hohe wirtschaftliche und ökologische Risiken in Europa schaffen. Wer sichere und bezahlbare Energie fordert, die außerdem ein Beitrag zur ökologischen Energiewende leisten kann, und die Wirtschaft in Zeiten von weltweitem Protektionismus vor Kostenexplosionen schützen will, kann auf Nord Stream 2 als einen Teil der Lösung unserer Energieprobleme nicht verzichten. Dies ist leider nur einem Teil politischer Entscheidungsträger in Europa bewusst.

 

www.nord-stream2.com