Innovativ im Netzwerk

März 2019 | Wirtschaftswoche | Technologien der Zukunft

Innovativ im Netzwerk

Wo sich Hochschulen und Hochtechnologiefirmen ansiedeln, folgen bald andere nach. Im Cluster sind sie erfolgreicher.

Illustration: Agata Sasiuk
J.W. Heidtmann / Redaktion

Die Freude war groß, als im vergangenen Herbst die Nachricht über den Standort des neuen Max-Planck-Insti-tuts für Cyber-Security and Privacy verkündet wurde: Bochum sollte es werden. Dies sei eine „grandiose Nachricht“, so die Westdeutsche Zeitung: für die Universitäten, die Stadt und das ganze Bundesland.

Vorangegangen war ein Bewerbungslauf par Excellence: Der Delegation des Max-Planck-Instituts, die im Sommer 2017 in die Stadt kam, wurde Bochum von seiner besten Seite gezeigt: das neue Musikforum, das Schauspielhaus. Anschließend gab es Vorträge von Universitätsdirektoren, die ihre Region in höchsten Tönen lobten. Der wenige Tage zuvor erst gewählte Ministerpräsident Armin Laschet kam persönlich und warb für die Ansiedlung des neuen Instituts im Herzen des Reviers.

Nun wurden die Anstrengungen von Erfolg gekrönt: Das neue Max-Planck-Institut werde ein „wissenschaftlicher Leuchtturm, der in die gesamte Region ausstrahlt“, so die Zeitung. 200 bis 250 international anerkannte Wissenschaftler werden dort tätig sein und zahlreiche Nachwuchsforscher einziehen. Gefeiert wurde hier nicht nur die Ansiedlung eines wissenschaftlichen Instituts, sondern vielmehr der Effekt, den sie auf das regionale Cluster haben würde, wie der Ministerpräsident Armin Laschet betonte: „Die Neuansiedlung ist ein weiterer Baustein, um Bochum zum bundesweit beachteten Standort für IT-Sicherheit zu entwickeln.“

Nicht erst seit dem Erfolg des Silicon Valleys gilt Clusterbildung gerade im Hochtechnologiebereich als Königsweg zu Innovation und wirtschaftlichem Aufschwung. Cluster, ein englisches Wort für „Traube“ oder „Bündel“, bezeichnet in der Wirtschaft eine Zusammenballung von Betrieben mit ähnlichen Merkmalen oder einer Branche in einer Region. Die Idee dahinter ist, dass sich die Ressourcen der Betriebe gegenseitig ergänzen, sowohl informell als auch produktionstechnisch.

Die Erfolge von Clusterstrategien sind für zahlreiche Regionen nachgewiesen. Die „Route 66“ und das „Silicon Valley“ in den USA gelten als Vorbilder einer erfolgreichen Clusterstrategie. Aber nicht nur in den USA sind erfolgreiche Cluster identifizierbar. Auch in Deutschland kommt der Clusterbildung wie etwa dem Finanzcluster Frankfurt am Main eine hohe wirtschaftliche Bedeutung zu. Der Begriff kam 1990 über den Wirtschaftswissenschaftler Michael E. Porter auf. Er hatte Cluster als Chance bezeichnet, die „Schlagkraft“ regionaler Akteure zu stärken, indem sie zum einen intensiver zusammenarbeiten und zugleich gegeneinander konkurrieren. In Clustern werden also neue Formen der Kooperation mit neuen Formen des Wettbewerbs verbunden.

In einem groß angelegten Vergleich von Innovations- und Unternehmensclustern in ihren Mitgliedsstaaten hatte die OECD 2009 nachgewiesen, dass Cluster eine wichtige Quelle für Innovation sind. Arbeitskräftemobilität, Wissenserzeugung, Technologietransfer und Wettbewerb haben positive Effekte auf die Innovationsaktivität. Ein Grund für die hohe Innovationskraft ist der hohe Wettbewerbsdruck innerhalb des Clusters und dem daraus resultierenden Antrieb für Unternehmen des Clusters, innovativer zu sein.

Trotz der Beliebtheit des Konzepts und einer großen Verbreitung der Clusterpolitik gab es lange kaum Antworten auf die Frage, ob Clusterpolitik wirklich einen positiven Einfluss auf die Innovationsaktivitäten in Regionen hat und welche Ansätze überhaupt für eine Unterstützung von Clustern genutzt werden sollten. Hier konnte 2015 eine Studie der Universität Bremen nachweisen, dass Clusterpolitik einen positiven Effekt auf die Innovationskraft, Netzwerk- und Beschäftigungsentwicklung der geförderten Regionen oder Unternehmen hat. Cluster sind also nicht nur das Ergebnis einer evolutionären Marktentwicklung, sondern sie lassen sich durch gezielte innovationspolitische Maßnahmen aufbauen.

Bleibt die Frage, wie Cluster nachhaltig gestaltet werden können. Dazu gehört eine intelligente Verknüpfung aller Politikbereiche von Wirtschaft, Bildung, Kultur und Infrastruktur. Ziel muss es sein, die Attraktivität einer Region für das humane Wissenskapital zu optimieren – alles andere läuft dann fast wie von selbst. Beobachtungen zeigen, dass Cluster selbstverstärkende Effekte haben. Wo sich Hochschulen und Unternehmen bereits angesiedelt haben, folgen bald andere nach.

Dass Max-Planck sich für Bochum entschieden hatte, lag nicht nur an der verkehrsgünstigen Lage im schönen Ruhrgebiet, sondern an den dort bereits vorhandenen Institutionen. An der Ruhr-Universität ist das europaweit anerkannte Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit ansässig, das viele erfolgreiche Start-ups hervorgebracht. Mit 200 Wissenschaftlern und 1.200 Studierenden ist das Institut die größte Ausbildungsstätte auf diesem Gebiet in Europa. Auch das Institut für angewandte Internetforschung befindet sich in Bochum. Nun hat auch die Bosch-Tochter Escrypt, ebenfalls ein Spezialist für Datensicherheit, angekündigt, 2022 die Unternehmenszentrale in Bochum aufzubauen. Außerdem entsteht im benachbarten Dortmund ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz. So geht effiziente Clusterpolitik.