Schlechte Zahlungsmoral: Investitionsbremse Europas

September 2017 | Wirtschaftswoche | Risikomanagement

Schlechte Zahlungsmoral: Investitionsbremse Europas

Ausfallende oder verzögerte Zahlungen können zu Liquiditätsproblemen in Unternehmen führen und wichtige Investitionen verhindern. Professionelles Inkasso sichert finanzielle Mittel

Klaus Engberding; Vorsitzender der Geschäftsführung; EOS Gruppe
EOS Gruppe / Unternehmensbeitrag

19 Prozent der europäischen Kunden zahlen ihre Rechnungen verspätet, drei Prozent begleichen sie überhaupt nicht – das sind Ergebnisse der repräsentativen EOS Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ 2017. Kantar TNS (ehemals TNS Infratest) interviewte dafür Entscheider aus dem Bereich Forderungsmanagement in 3.200 Unternehmen und 16 Ländern.

Die Folgen schlechter Zahlungsmoral für die Firmen sind gravierend, offenbart die Studie: Knapp die Hälfte aller Unternehmen verzeichnet Gewinneinbußen (46 Prozent). Weitere Folgeerscheinungen, mit denen sie zu kämpfen haben, sind unter anderem Liquiditätsengpässe (39 Prozent) und höhere Zinskosten (34 Prozent). Den Unternehmen fehlt Geld, um zu wachsen. Europaweit schränkt daher jede vierte Firma (25 Prozent) ihre Investitionen ein. Viele Unternehmen müssen aufgrund der fehlenden Zahlungseingänge sogar um ihre Existenz kämpfen (17 Prozent). Allerdings treten vor allem Unternehmen aus Osteuropa auf die Investitionsbremse. Auch in Großbritannien, Spanien und Belgien gaben 34, respektive 33 und 28 Prozent der Befragten an, ihr Investitionsvolumen aufgrund ausfallender oder verzögerter Zahlungen zurückzuschrauben. Besser stehen deutsche Unternehmen laut der EOS Studie dar: Hier gaben nur sieben Prozent der Befragten an, weniger zu investieren.

Dennoch steht für den Vorsitzenden der Geschäftsführung der EOS Gruppe, Klaus Engberding, fest, dass die Zusammenarbeit mit Inkassounternehmen eine wichtige Maßnahme ist, dem Investitionsstopp entgegenzuwirken: „Fehlende Kundenzahlungen sind besonders für kleine und mittlere Unternehmen sehr schmerzlich, da oftmals keine finanzstarken Anteilseigner im Hintergrund stehen. Doch auch sie können gegen Zahlungsverzug und -ausfall eine Menge tun.“ Laut Studie sicherten allein im vergangenen Jahr Inkassodienstleister europaweit acht Prozent der Unternehmensumsätze. Daher ist Inkasso aus Sicht von Engberding eine lohnende Wirtschaftsleistung: „Ausbleibende Zahlungen sind ein unternehmerisches Risiko. Firmen sollten frühzeitig mit Inkassospezialisten zusammenarbeiten. So können sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während ihre Liquidität durch professionelles Forderungsmanagement gesichert wird.“

Tatsächlich arbeiten laut der Studienergebnisse bereits 41 Prozent der europäischen Unternehmen regelmäßig mit Inkassounternehmen zusammen. In Westeuropa genießen vor allem deutsche Unternehmen die Vorteile der Dienstleister. Hier beträgt der durch Inkasso zurückgeführte Umsatzanteil acht Prozent.

Die Kooperation mit den Forderungsspezialisten ermöglicht Reinvestition: 58 Prozent der befragten Unternehmen nutzen eingehende Zahlungen, um selbst offene Rechnungen zu begleichen. 44 Prozent investieren in neue Arbeitsplätze. Inkassodienstleistungen tragen damit zur Arbeitsmarktstabilität bei. Darüber hinaus fließen die zurückgewonnen Mittel in die Expansion von Geschäftsfeldern (37 Prozent), Forschung und Entwicklung (28 Prozent) sowie als Anlageinvestitionen in den Finanzmarkt (25 Prozent).
 

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