Forderungsmanagement 2.0

April 2019 | Wirtschaftswoche | Risikomanagement

Forderungsmanagement 2.0

Die Lowell Gruppe setzt beim Forderungsmanagement stark auf neue, innovative Technologien – ohne jedoch den Faktor Mensch aus den Augen zu lassen.

Dr. Marcus Siegl, Mitglied des DACH Executive Committee und Group Director UK & DACH
Lowell Group / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Siegl, Lowell ist das zweitgrößte Unternehmen seiner Branche in Europa. Wachstum bedeutet auch stetige Veränderung. Wie stellt sich diese Veränderung bei Ihnen dar?
Die Lowell-Gesellschaften in Deutschland haben teilweise eine lange Historie und sind seit über 65 Jahren als Dienstleister für Unternehmen der kreditgebenden Wirtschaft tätig. In der Tat befinden wir uns in der Transformation zu einem modernen Finanzdienstleister mit dem Schwerpunkt Forderungsmanagement. Beispielsweise haben wir dazu vor drei Jahren ein eigenes Vorstandsressort „Decision Science“ etabliert, welches seitdem innovative Ansätze im Zusammenhang mit Predictive Analytics und Data Sourcing realisiert.

 

Was für innovative Ansätze sind das?
Wir nutzen unter anderem neuronale Netze zur Unterstützung bei der Entscheidung über kostenintensive Prozessschritte in UK und testen fortlaufend Möglichkeiten zur Verbesserung der Kommunikation mit Konsumenten in Deutschland. Ungeachtet der Region hat jede Person, mit der wir es zu tun haben, eine eigene Geschichte. Unser Ziel ist stets, eine verbindliche Lösung zu entwickeln, welche in die individuelle Lebenssituation des Konsumenten passt.

 

Dazu müssen Sie die Konsumenten sehr gut kennen.
Korrekt. Wir verfügen dazu über ein umfassendes Daten-Potenzial: In Deutschland haben wir in den vergangenen Jahren offene Forderungen gegenüber einem von fünf Erwachsenen bearbeitet. Die Verbindung von Erfahrungen etwa zum Zahlungsverhalten aus der Vergangenheit mit Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung bildet eine wichtige Grundlage für unsere Spezialisten im Bereich Decision Science. Sie entwickeln und optimieren bei uns statistische Modelle zur Verbesserung von Geschäftsprozessen.

 

Wie genau profitieren Ihre Kunden davon?
Das vorrangige Ziel unserer Auftraggeber ist die Begleichung offener Forderungen. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass diejenigen Konsumenten identifiziert werden, mit denen – bei vertretbarem Risiko – weiterhin Umsatz generiert werden kann. Es ist deshalb sehr genau zwischen Indikatoren im Zusammenhang mit der Zahlungswillig- und -fähigkeit von Konsumenten zu differenzieren. Wir verfolgen dazu verschiedene Segmentierungsansätze und arbeiten an der Umsetzung unserer Omnichannel-Strategie, um auf Konsumenten individueller eingehen und kosteneffizienter agieren zu können. Zudem haben wir mit der Deutschen Multiauskunftei eine auf die Datenbeschaffung spezialisierte Einheit in der Gruppe. Denn innovative Methoden wie etwa zur Optimierung der Konsumentenansprache benötigen vor allem eines: Daten.

 

Obwohl Sie ein Experte für Data Analytics sind, betonen Sie auch immer wieder die Wichtigkeit des Faktors Mensch. Wie lässt sich das am besten verbinden?
Sicherlich bieten Ansätze im Bereich Machine Learning weiteres Verbesserungspotenzial für unsere Gruppe. Das gilt vor allem auch in Kombination mit der Digitalisierung beziehungsweise Automatisierung von bestimmten Prozessen – beispielsweise in Bezug auf die Optimierung von Ratenzahlungshöhen, oder Chat-Lösungen, um stets erreichbar zu sein. Bei Lowell sind es aber immer noch die Menschen, die Lösungen entwickeln, welche in die jeweilige Lebenssituation der Konsumenten passen. Unserer Erfahrung nach ist es die Kombination von innovativer Technologie und Empathie unserer mehr als 4.400 Kolleginnen und Kollegen europaweit, die es uns ermöglicht, für unsere Kunden erfolgreich tätig zu sein.

 

www.lowellgroup.de