Blühende Felder statt brennender Regenwälder

Dezember 2018 | Handelsblatt | Perspektiven 2019

Blühende Felder statt brennender Regenwälder

Das Erreichen der globalen und nationalen Klimaschutzziele ist eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Diese Aufgabe ist außerordentlich komplex und eines ist heute schon klar: Die eine große Lösung des Problems gibt es nicht.

Bild: UFOP
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. / Unternehmensbeitrag

Nur das Zusammenspiel vieler verschiedener Maßnahmen, die alle Aspekte der Nachhaltigkeit in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht berücksichtigen, wird Erfolg haben. Erfüllen Klimaschutzmaßnahmen diese Kriterien nicht, muss man auf sie verzichten, auch wenn sie zur Klimagasreduktion grundsätzlich beitragen können. Der Einsatz von innovativen Biokraftstoffen trägt erwiesenermaßen zur Einsparung von CO2-Emissionen bei. Wird für ihre Produktion jedoch Regenwald gerodet, kann von Nachhaltigkeit nicht mehr die Rede sein. Stammen die Rohstoffe hingegen aus einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten heimischen Landwirtschaft, sollte ihr Klimaschutzbeitrag unbedingt genutzt werden. Denn anders als bei der E-Mobilität sind Biokraftstoffe bereits heute flächendeckend verfügbar und es muss nicht erst auf den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur gewartet werden.

 

lnnovative Mobilität

 

Nachhaltig zertifizierter und treibhausgasoptimierter Biodiesel aus Raps bietet schon heute einen marktreifen Einstieg in eine dekarbonisierte Mobilität. Er ist flächendeckend verfügbar, beispielsweise für Fahrzeugflotten, als Kraftstoffkomponente für Hybridfahrzeuge, im Schwerlastverkehr, in der Landwirtschaft und im Schiffsverkehr. Die heute in Deutschland hergestellten Biokraftstoffe stellen ebenso viel Energie bereit wie 10.700 Windkraftanlagen durchschnittlicher Energieleistung; dies entspricht 38 Prozent aller installierten Anlagen. Würde man diesen Biokraftstoffanteil vollständig durch Elektromobilität ersetzen, würden somit 38 Prozent des deutschen Windstroms für den Verkehrsbereich aufgewendet werden müssen. Ein weiterer Ausbau der Biokraftstoffanteile ist technisch möglich und klimapolitisch sowie wirtschaftlich absolut sinnvoll. Biokraftstoffe haben 2017 bereits 7,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart – ein Potenzial, das noch um ein Vielfaches angehoben werden kann. Die Anforderungen an die Nachhaltigkeit schließen soziale Aspekte mit ein. So ist es zwingend erforderlich, dass die Verwendung von Agrarrohstoffen für eine energetische Nutzung nicht zulasten der Nahrungsmittelverwendung geht. Ein Blick auf die internationalen Märkte zeigt, dass die weltweite Versorgungssituation dank der guten Ernten mehr als ausreichend ist. Rein rechnerisch müsste weltweit niemand hungern.

 

Dennoch gibt es eine kritische Ernährungssituation in viele dafür verantwortlichen Unterschiede in der Verfügbarkeit von Agrarrohstoffen sind in erster Linie die Folge einer Verteilungsproblematik, nicht die einer globalen Unterversorgung aufgrund konkurrierender Verwendungen für Kraftstoffe und Futtermittel. Die Überproduktion in Asien sowie in Nord- und Südamerika ist so groß, dass der Preis für Getreide wie Weizen, Mais, Reis und Raps auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau liegt. Dadurch steckt die Landwirtschaft in einem eigentlich untragbaren Dilemma: Rein ökonomisch betrachtet, müsste der Landwirt sein Getreide ins Heizkraftwerk statt zur Getreidemühle bringen. Die Agrarexportnationen reagieren auf den Preisverfall und schaffen regionale Absatzmärkte über Biokraftstoffquoten. Somit ist der landwirtschaftliche Sektor weltweit ein wichtiger Garant für die Erreichung der globalen Klimaziele im Verkehrssektor geworden. Durch den Einsatz von Biokraftstoffen kann bereits eine Einsparung an Treibhausgasen von über 80 Prozent im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen erreicht werden. Weltweit werden auf einer Fläche von über 1,7 Milliarden Hektar Kulturpflanzen angebaut. Mit vier Prozent wird aber nur ein Bruchteil der Anbaufläche für die Biokraftstoffproduktion genutzt. Der global stetig steigende Bedarf an  Eiweißfuttermitteln, insbesondere nach Sojaschrot, bestimmt die Anbauentwicklung. In Südostasien lassen veränderte Essgewohnheiten und eine steigende Nachfrage nach Speisefetten die Nachfrage nach Palmöl steigen. Problematisch ist deshalb die Diskussion, zu welchem Endverwendungszweck schlimmstenfalls Urwald gerodet wird. Strenge Vorschriften und internationale Abkommen müssen das Problem der Urwaldrodung lösen. Hier steht die Politik in der Verantwortung! 2017 wurden in Deutschland 9,3 Millionen Tonnen Rapssaat verarbeitet, davon 61 Prozent aus dem Ausland. Die Ölmühlen stellten rund 4,1 Millionen Tonnen Rapsöl und 5,3 Millionen Tonnen Rapsschrot bereit. Sie sicherten damit einerseits die Biokraftstoffbeimischung und das Angebot von Deutschlands beliebtestem Speiseöl, andererseits lieferten sie wertvolles gentechnikfreies Rapsschrot für die heimische Milchviehfütterung. Im Jahr 2015 wurde in der Bundesrepublik erstmals mehr Raps- als Sojaschrot verfüttert. So verringert Raps die Abhängigkeit von gentechnisch verändertem Soja in der Tierfütterung. Zudem können die Milchprodukte mit dem Hinweis „ohne Gentechnik“ vermarktet werden.

 

Gentechnikfreies Eiweiß

 

Die Bereitstellung von Rapseiweißfutter ist unmittelbar an die Biodieselproduktion gekoppelt. Verbrauchertanken Biodiesel als Bestandteil von B7-Diesel. Sollte zukünftig kein Raps- Biodiesel mehr im Tank gewünscht sein, wie es Pläne der EU vorsehen, müssten 60 Prozent der hierzulande verwendeten Rapsschrotmenge in der Tierernährung durch weitere Importe von gentechnisch modifiziertem Sojaschrot ersetzt werden. Diese Sojaimporte würden eine Million Hektar mehr Anbaufläche in Südamerika notwendig machen – oft auf ehemaligen Waldflächen oder durch Umnutzung von Ackerflächen. Damit würde sich der Trend, einheimische gentechnikfreie Eiweißträger zu fördern, nicht nur umkehren, sondern es würde auch der Rodung weiterer Regenwaldflächen Vorschub geleistet.

 

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