Effizienter Einkauf

Juli 2015 | Wirtschaftswoche | Innovation!

Effizienter Einkauf

Im Zuge der Globalisierung werden Märkte, und damit auch Lieferketten, zunehmend komplexer. Damit steigt die Bedeutung innovativer Lösungen im Bereich der Beschaffungsorganisation.

Illustration: Adrian Bauer
Axel Novak / Redaktion

D er 3D-Druck ist der Traum jedes Ingenieurs“, schwärmt Rainer Rauh, Global Innovation Manager im Corporate Technical Office von Airbus. „Man hat eine Idee, druckt über Nacht und hat schon am nächsten Morgen ein neues Teil in der Hand.“ Airbus setzt schon heute gedruckte Bauteile ein – und erfüllt damit nicht nur die Träume des Ingenieurs, sondern auch des Einkäufers. Denn es ist schneller und unkomplizierter, Daten für eine digitale Produktion als E-Mail in ferne Länder zu versenden, als komplexe Beschaffungsprozesse in Gang zu setzen und eingekaufte Teile anschließend durch die Welt zu transportieren.


Doch noch ist der 3D-Druck tatsächlich nur ein Traum. In der Zwischenzeit müssen Unternehmen den weltweiten Einkauf und Transport von Gütern aller Art auf ganz klassische Art und Weise realisieren. Weil die Weltmärkte und die Lieferketten zunehmend komplexer werden, müssen die Unternehmen ihre Supply Chains konstant optimieren und Kosten senken. Digitale Kommissionierung, softwareunterstützte Lagerung und Robotereinsätze im Warehouse beschleunigen schon heute die Prozesse in der Logistik. Nun setzen die Strategen in den Unternehmen ihren Fokus immer stärker auf eine neue strategische Ausrichtung des Einkaufs.


Hierbei lassen sich drei wichtige Trends erkennen: Die Einkäufer von Unternehmen setzen immer stärker auf eine ganzheitliche Kostenbetrachtung, statt allein auf den Einkaufspreis: Total Cost of Ownership (TCO) nennt sich das und beinhaltet neben dem Einkaufspreis auch die Folgekosten von Investitionen. So fließen zum Beispiel künftige Energiepreisprognosen oder verlängerte Wartungsintervalle in die TCO-Kalkulation ein und sorgen so dafür, dass sich ein ursprünglich teures Gut im Laufe der Jahre als wesentlich günstiger herausstellt. Dieser Trend hat zur Folge, dass die Einkäufer die Wert- und Kostenanalyse in den Unternehmen stetig ausbauen, so der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.


Einen zweiten Trend stellt die zunehmende Standardisierung und Digitalisierung der Einkaufsprozesse dar. So führt eine durchgehende Digitalisierung – nicht nur der Einkaufsprozesse, sondern auch vieler anderer Bereich des Unternehmens – dazu, dass eine ganzheitliche Betrachtung und TCO-Kalkulation von Investitionen überhaupt erst möglich wird. Andererseits sorgen Einkaufsstandards dafür, dass Prozesse wiederum stärker digitalisiert und damit effizienter gestaltet werden können.


Doch auch die Nachhaltigkeit bleibt weiterhin ein bestimmender Trend. Verantwortungsbewusster Einkauf ist im vergangenen Jahr zu den drei Prioritäten von Unternehmen aufgestiegen, so der „Sourcing Monitor“ der Unternehmensberatung BearingPoint. „Durch ein nachhaltiges Management des Lieferantennetzwerks können Einkaufsleiter ihr Unternehmen heute entscheidend weiterentwickeln“, sagt Matthias Loebich, Partner bei BearingPoint und Segmentleiter Supply Chain Management.