Was machen Privatanleger falsch?

März 2017 | Die Welt | Geld

Was machen Privatanleger falsch?

Professor Weber erklärt, welche psychologischen Fallstricke es bei der Geldanlage gibt und wie man sie vermeidet.

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber ist Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft, insbesondere Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim und Entwickler des ARERO-Konzepts als Berater der Prof. Weber GmbH.
ARERO / Unternehmensbeitrag

Herr Professor Weber, was wissen wir über die Performance von Privatinvestoren?
Die Forschung ist hier ziemlich eindeutig. Zahlreiche Studien, welche anonymisierte Portfolios von Privatanlegern bis ins Detail untersuchen, kommen fast einhellig zu demselben Schluss: Der typische Investor hinkt dem Gesamtmarkt deutlich hinterher. Das heißt, er erwirtschaftet risikoadjustiert und nach Kosten eine deutlich geringere Rendite.

Woran liegt das?
Wir kennen eine ganze Reihe von psychologischen Fallstricken. Anleger streuen zum Beispiel Risiken viel zu wenig, sie handeln viel zu viel, und sie glauben irrtümlicherweise, den Markt schlagen zu können.

Können Sie das genauer beschreiben?
Nehmen Sie das Beispiel der zu geringen Diversifikation. Wenn ein typischer Privatinvestor sein Geld überhaupt aus dem Sparstrumpf nimmt, hält er meist Aktien von nur wenigen Firmen in seinem Portfolio. Oft stammen diese Firmen dann auch noch aus der gleichen Industrie und aus dem Heimatland des Anlegers. Im Endeffekt entsteht so ein großes Klumpenrisiko. Wenn die Wirtschaft etwa in Deutschland schlecht läuft, brummt sie vielleicht in den Schwellenländern oder anderen Teilen der Welt, aber der typische Privatanleger partizipiert nicht daran. Und selbst wenn die globalen Aktienmärkte fallen, können vielleicht Staatsanleihen einen gewissen Sicherheitspuffer bieten. Doch nur wenige Investoren sind in mehrere Anlageklassen gleichzeitig investiert. Im Ergebnis halten sie sehr schwankungsanfällige Portfolios, ohne dafür mit einem Mehr an Rendite entschädigt zu werden.

Und die anderen Fehler?
Die Forschung zeigt klar: Je mehr Privatinvestoren handeln, desto geringer ist die Rendite nach Kosten. Das liegt daran, dass man allzu oft zu wissen glaubt, wie die Märkte sich entwickeln oder welche Aktie morgen durch die Decke geht. Die Realität sieht leider anders aus. Der Kurs von morgen ist unsicher und nicht vorhersagbar. Die Kosten hingegen sind sicher – und handeln verursacht nun einmal hohe Kosten. Unterm Strich ist häufiges Handeln, Umschichten oder Spekulieren damit meist ein Minusgeschäft, auch wenn man das Gefühl hat, unbedingt ‚etwas tun zu müssen’. Niemand hat eine Glaskugel, selbst die Profis nicht. Märkte sind nicht prognostizierbar.

Wie sollte ich mich dann verhalten?
An nahezu allen Universitäten ist die Lehrmeinung, dass man – je nach Risikoneigung – in eine Kombination aus einer sicheren und einer optimal diversifizierten, riskanten Anlage investieren sollte. Erstere könnte beispielsweise Tagesgeld oder Festgeld sein, letztere besteht aus einem Portfolio aus mehreren Anlageklassen. Neben Aktien gehören auch Renten und Rohstoffe, je nach Geschmack vielleicht auch Immobilien oder andere Anlageklassen dazu. Die relative Gewichtung dieser Anlageklassen sollte regelmäßig zurückgesetzt, das heißt rebalanciert, werden, damit nichts aus dem Ruder läuft. Wenn man einmal bestimmt hat, wie riskant man anlegen möchte, teilt man sein Portfolio auf diese beiden Komponenten auf und hält es in der Regel so lange, bis man das Geld braucht. Zwischendrin kann man die Flut der Börsennews getrost ignorieren. Gemeint ist also die sogenannte ‚passive’ Anlagephilosophie.

Und wie genau lässt sich diese Anlagestrategie umsetzen?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. In jedem Falle sollte man auf niedrige Kosten achten, denn deren negativer Einfluss ist durch den Zinseszins-Effekt speziell bei langen Anlagezeiträumen viel höher als man gemeinhin annimmt. Man kann eine passive Anlagestrategie selber implementieren, indem man eine Reihe von ETFs kauft, und selber für das Rebalancing sorgt, was aber natürlich wieder Handelskosten und Aufwand verursacht. Oder man schaut sich unsere Webseite www.arero.de
genauer an.

Was steckt dahinter?
ARERO ist ein Akronym für „Aktien, REnten, ROhstoffe“. ARERO ist ein Indexfonds, der die Wertentwicklung von weltweiten Aktien, Euro-Staatsanleihen und Rohstoffen in einem erprobten Mischverhältnis vereint. Dabei verfolgen wir eine klare, aus Forschungserkenntnissen abgeleitete Linie: möglichst breite Diversifikation, möglichst niedrige Kosten, also eine ‚perfekt passive’ Anlagephilosophie. Das heißt, wir versuchen nicht, die Markentwicklungen vorherzusagen, sondern einfach bestmöglich an den rauchenden Schornsteinen der Welt teilzuhaben.

Was sind die Vorteile für den Anleger?
Die strikte, wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise hilft uns, die teuren psychologischen Fallen zu überwinden. Als Anleger erhält man mit nur einem Produkt eine Komplettlösung, eine solide Basisanlage. Das Rebalancing und andere Anpassungen der Indexbestandteile werden vollautomatisch vorgenommen. Das heißt, Sie müssen sich als Anleger keine Gedanken mehr darum machen und können so auch den Drang zu handeln überwinden. Ein weiterer Vorteil ist, dass man auch schon mit geringeren Beträgen und zu günstigen Konditionen einen Sparplan auf ARERO abschließen kann. Damit profitiert man nicht nur vom Zinseszinseffekt, sondern automatisch ausgeführt kann ein Sparplan auch ein sehr wirkungsvolles Mittel der Selbstbindung sein. Auch so kann man die Anlage-
Psychologie austricksen.

Und das ARERO-Konzept funktioniert in der Praxis?
Erfreulicherweise hat der Fonds die Bewährungsprobe am Markt bislang sehr gut bestanden. Umgesetzt wird der Fonds durch DWS Investments, welche für das Publikumsfondsgeschäft der Deutsche Asset Management in Deutschland steht. Die Auflage erfolgte im Oktober 2008, als die Finanzkrise noch nicht ausgestanden war. Die jährliche Wertentwicklung liegt seitdem bei mehr als 7,5 Prozent (Stand: Ende Februar 2017), und das bei moderaten Schwankungen von ungefähr der Hälfte des DAX. Das Diversifikationskonzept hat sich bislang also ganz gut ausgezahlt.

Was raten Sie zusammenfassend?
Anleger sollten einfache Weisheiten beherzigen: ‚Man kann nicht erwarten, den Markt zu schlagen’, ‚Diversification is the only free lunch in investment’, ‚Hin und her, Taschen leer’. Insofern sollte man sich einfach zurücklehnen und die Märkte für sich arbeiten lassen. Damit ist man auf jeden Fall ganz gut dabei.