Regelmäßig eingezahlt ist halb gewonnen

Mai 2019 | Die Welt | Geld

Regelmäßig eingezahlt ist halb gewonnen

Auf die gesetzliche Rente allein mag heute fast keiner mehr bauen – aus gutem Grund. Die anhaltenden Niedrigzinsen machen jedoch auch klassische Sparmodelle unattraktiv. Was bleibt an Alternativen?

Illustration: Luisa Jung by Masha Heyer
Juliane Moghimi / Redaktion

Nur 1.188 Euro: So viel – oder besser: so wenig – gesetzliche Rente würde laut dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) ein heute Vierzigjähriger mit einem aktuellen Nettoverdienst von 2.400 Euro an gesetzlicher Rente bekommen, wenn er bis 67 arbeitet. Eine Wohnung, die 800 oder 900 Euro kostet, was in vielen deutschen Städten mittlerweile als moderat gelten dürfte, wäre damit kaum noch zu halten.


An der privaten Altersvorsorge führt deshalb kein Weg vorbei. Das Problem: Die klassischen Modelle der privaten Renten- oder Kapitallebensversicherung lohnen sich aufgrund der niedrigen Zinsen kaum noch. Zwar gibt es nach wie vor den gesetzlichen Garantiezins, der allerdings längst staatlich gedeckelt wurde und sich ohnehin nur auf den Sparanteil der Beiträge bezieht. Nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten, so hat die Ratingagentur Assekurata vor Kurzem bei einem Vergleich von 30 Versicherern berechnet, bleiben von derzeit maximal 0,9 Prozent Garantiezins bei der klassischen Rentenversicherung gerade einmal 0,14 Prozent übrig – nicht gerade üppig. Auch die Überschussbeteiligungen können das nicht auffangen: Die laufende Verzinsung der klassischen Renten- und Lebensversicherungen ist seit Jahren rückläufig und lag laut Assekurata im Februar 2019 bei 2,47 Prozent.
 

EIN BLICK ZUM KAPITALMARKT

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen lohnt sich unbedingt der Blick in Richtung Kapitalmärkte. Denn obwohl viele Anleger den Handel mit Wertpapieren eher mit kurz- bis mittelfristigen Strategien in Verbindung bringen, gibt es Assets, die sich sogar in besonderer Weise für die langfristige Kapitalbildung eignen.


Die Rede ist von Fonds, die bei entsprechender Durchmischung und der Beachtung einiger Regeln durchaus als probates Mittel der Altersvorsorge gelten dürften. Mittels eines Sparplans kann hier monatlich eine individuell festlegbare Summe investiert werden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen den aktiv gemanagten Fonds einerseits und den Indexfonds oder ETFs andererseits.


Gerade ETFs eignen sich gut für die Altersvorsorge, weil sie nicht aktiv gemanagt werden müssen und daher nur geringe Kosten verursachen. Der legendäre Investor Warren Buffett weist schon seit 15 Jahren immer wieder darauf hin. Er rät privaten Anlegern dazu, mithilfe eines Sparplans in einen kostengünstigen ETF zu investieren. Der Multimilliardär soll sogar in seinem Testament verfügt haben, dass seine Frau das Erbe zu 90 Prozent in einen Indexfonds auf den S&P 500 anlegen muss.


FONDSPAREN: WAS ANLEGER BEACHTEN SOLLTEN
 

Diversifikation: Grundsätzlich sind auch bei Investitionen in Fonds Verluste möglich. Um diese zu vermeiden, sollten Anleger unbedingt auf eine breite Risikostreuung achten. Auch hier bieten ETFs Vorteile, denn die großen Indizes weisen von Natur aus eine größere Vielfalt auf.


Langfristigkeit: Auch das Sparen am Kapitalmarkt muss langfristig ausgelegt sein. Wichtig ist, bei sinkenden Kursen die Nerven zu behalten und weiter regelmäßig einzuzahlen. Denn nur dann profitiert der Anleger im Falle eines folgenden Kursanstiegs entsprechend.
Gebühren: Für die Verwaltung des Fonds fallen Gebühren an, die je nach Art und Zusammensetzung stark variieren können. Grundsätzlich sind die passiven ETFs günstiger zu haben als aktiv gemanagte Fonds. Zudem können Ausgabeaufschläge anfallen, bei manchen Anbietern gar auf jede Sparrate. Hier gilt es, sorgfältig auszuwählen.


Wenn es um Fondssparpläne geht, ist immer wieder vom sogenannten Cost Averaging Effect (CAE) die Rede. Die Verfechter dieser Theorie glauben, dass jemand, der über einen langen Zeitraum regelmäßig eine feste Summe einzahlt, die Anteile mal mehr und mal weniger günstig erwirbt. Unterm Strich, so das Argument, ließe sich deshalb mithilfe eines Sparplans eine bessere Rendite erzielen als mit einer Einmalzahlung.


Das ist jedoch nicht zwangsläufig so, denn der CAE hat keine unmittelbare Auswirkung auf den Vermögensendwert und damit die Rendite der Anlage. Dieser Umstand spricht nicht gegen die Fondssparpläne, nur sollten sich Anleger nicht aus diesem Grund dafür entscheiden.


Richtig ist: Sparpläne eignen sich zum langfristigen Vermögensaufbau, und zwar auch für Anleger, die nicht auf einen Schlag eine große Summe investieren können oder wollen. Die monatliche Einzahlung erfolgt ähnlich wie bei anderen Vorsorgeprodukten – aber mit dem Wissen, dass das Geld an den Kapitalmärkten wesentlich aktiver arbeitet.