März 2017 | Die Welt | Geld

Noch näher dran

Wer direkt investiert, spart den Umweg über die Börse. Harte Arbeit ist der Lohn. Aber auch die Aussicht auf gute Gewinne.

Illustration: Dorothea Pluta
Mirko Heinemann / Redaktion

Ja, vom „Klumpenrisiko“ habe er schon gehört, bejaht Alexander Flossbach*. Dennoch: Er sei sich sicher, das richtige Investement getätigt zu haben. Flossbach hat alles auf eine Karte gesetzt: Er hat sein Erbe investiert und gemeinsam mit einem Mitstreiter ein Mietshaus mit sechs Parteien am Stadtrand von Berlin gekauft. Das Haus ist ziemlich in die Jahre gekommen, Flossbach spricht außerdem von „Renovierungsstau“. Flossbach hofft, die Arbeiten im Haus peu à peu durchführen zu können. Finanzieren möchte er die Umbauarbeiten mit einem Bankkredit. Und mit viel Eigenleistung.

Immobilien sind derzeit stark nachgefragt, ob zur Eigennutzung oder als Geldanlage. Das hat vor allem mit den extrem niedrigen Bauzinsen zu tun. Schon ab 1,3 Prozent effektiv vergeben Geldinstitute Kredite über 100.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung, als Sicherheit dient das gekaufte Objekt. Das Problem ist derzeit, dass geeignete Objekte immer rarer werden. Und, dass man sein gesamtes Vermögen in ein einziges Objekt steckt. Experten raten zur Diversifizierung von Geldanlagen, um die Risiken zu verteilen und ein „Klumpenrisiko“ zu vermeiden. Denn häufig steckt das gesamte Vermögen im Objekt. Immobilien gelten zwar als werthaltige Anlageform, doch ohne Risiko sind sie nicht: Was, wenn die Lage an Wert verliert? Wenn zum Beispiel eine Autobahn oder ein Windpark in der Nähe gebaut wird?

Dennoch: Wer in Sachwerte, also Immobilien, Kunstwerke, Oldtimer, Briefmarken oder wertvolle Uhren investiert, erhält – im Gegensatz zu einer Investition an der Börse – für sein Geld etwas Handfestes. Aber, und das ist die andere Seite der Medaille: Sachwerte stellen auch mehr oder weniger hohe Ansprüche an ihren Besitzer. Wer nicht nur Goldbarren in einem Schließfach bei der Bank lagern möchte, sondern etwa ein altes Auto erwirbt, muss dafür sorgen, dass es gut untergebracht und gepflegt wird, sonst droht statt Wertsteigerung am Ende die Entsorgung auf dem Schrottplatz. Außerdem muss man den Markt und die Besonderheiten des Sachwerts kennen: Wer einen Wein kauft, um ihn zur Wertsteigerung einzulagern, sollte einschätzen können, welcher Wein geeignet ist. Wer ein Weingut erwirbt, sollte nicht nur Ahnung von Wein, sondern auch von seinem Anbau und seiner Vermarktung haben.

Einen interessanten Weg zur Direktinvestition zeigen Cuno Pümpin und Marius Fuchs auf. In ihrem soeben erschienenen Buch „Vom Manager zum Investor“ (Campus) zeigen die beiden Wirtschaftsexperten und Unternehmer einen sehr kurzen Weg der Geldanlage auf: direkte Investitionen in Unternehmen. Wer in Unternehmen investiere, so die Autoren, könne nicht nur „signifikantes Vermögen“ erzielen, sondern erhalte zudem unbezahlbare Erlebnisse und Bekanntschaften.

Zielgruppe sind Menschen, die in einem gut bezahlten Angestelltenverhältnis verharren, statt ihre „wahren Potenziale“ zu erschließen. „Sie geben dem Arbeitgeber 50 bis 80 Stunden pro Woche und wissen, dass sie als Angestellte so nie zu einem signifikanten Vermögen kommen werden.“ Die Alternative: ein eigenes Unternehmen erwerben oder Anteilseigner werden. Wie man das angeht, wie man also Unternehmen findet, Kontakt aufnimmt, welche Fallgruben lauern und wie man ein Unternehmen in den Erfolg führt, davon handelt dieses Buch.
*Name geändert