The (mega) trend is your friend

April 2018 | Die Welt | Geld

The (mega) trend is your friend

Aktienkurse werden von neuen Produkten oder technologischem Fortschritt getrieben – nicht von vergangenen Erfolgen. Für Anleger lohnt daher der Blick auf die großen Megatrends und auf jene Unternehmen, die wissen, wie man sie nutzt.

Illustration: Josephine Warfelmann
Julia Thiem / Redaktion

Nachhaltigkeit

Bevölkerungswachstum, Klimawandel und die daraus resultierende Rohstoffknappheit stellen uns schon heute vor viele Herausforderungen. Einem aktuellen Bericht der Weltbank zufolge könnten bis 2050 alleine in Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika und Südostasien rund 143 Millionen Menschen durch Dürren, Missernten, Sturmfluten und steigende Meeresspiegel ihr Zuhause verlieren. Kristalina Georgiewa, Geschäftsführerin der Weltbank, betont: „Wir haben jetzt ein schmales Zeitfenster, uns auf diese neue Realität vorzubereiten, bevor sich die Folgen des Klimawandels verstärken.“

Genau deshalb ist Nachhaltigkeit auch ein so großes Thema für das Portfolio. Denn Unternehmen, die entweder an Lösungen für die Ressourcenknappheit arbeiten oder schon heute besonders sorgsam mit den für die Produktion benötigten Ressourcen umgehen, haben künftig einen starken Wettbewerbsvorteil. Und das wird sich langfristig positiv auf ihren Aktienkurs auswirken. Es gibt gleich eine ganze Reihe von Möglichkeiten, das Thema im eigenen Portfolio umzusetzen. Entweder macht man sich selbst auf die Suche nach jenen Unternehmen, die schon heute die Herausforderungen von morgen adressieren, oder aber man setzt auf spezielle Themenfonds, die sich beispielsweise auf einen Aspekt der Nachhaltigkeit wie Wasser, saubere Energie oder Agrarthemen spezialisiert haben. Natürlich kann man auch ETFs kaufen, die einen nachhaltigen Index wie den Dow Jones Sustainability Europe Index nachbilden.

Robotik

Insbesondere in den Industrienationen werden die Menschen immer älter. Das verändert den Arbeitsmarkt schon heute gravierend. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Produktivität steigern – und das unter Berücksichtigung eines schonenden Einsatzes von Ressourcen. Dieser Spagat kann nur gelingen, wenn Produktionsprozesse noch stärker automatisiert werden und Roboter flächendeckend zum Einsatz kommen. Schon heute ist Robotik omnipräsent und wird immer selbstverständlicher ein Teil unseres Alltags. Neue Generationen von Robotern können bereits Hand in Hand mit der Belegschaft arbeiten und von ihr lernen. Und auch im Haushalt und in der Gesundheitsversorgung halten sie Einzug.

Kurz: Getrieben von den großen Megatrends entsteht hier gerade ein riesiger Markt – einer, von dem auch Investoren profitieren können. Unternehmen, die Logistik-Lösungen für den Online-Handel anbieten, Hersteller von Sensoren oder Smart-Home-Lösungen, Produzenten von Drohnen oder Robotern für den OP sowie für Fertigungsstraßen – sie alle reiten auf der Megatrendwelle Robotik mit. Daher gibt es auch hier mittlerweile spezialisierte Themenfonds und auch ETF-Anbieter haben Lösungen in ihrem Repertoire, die auf die großen Trends Automatisierung, künstliche Intelligenz und Robotics setzen.

Infrastruktur

Der Auf- und Ausbau der Infrastruktur ist auf der ganzen Welt ein Thema und daher ebenfalls einer der großen Megatrends unserer Zeit. In den Schwellenländern geht es insbesondere um den Aufbau neuer Infrastruktur. Hier werden Brücken, Häfen, Zugstrecken aber auch neue Elektrizität-, Gas- und Wassernetze dringen benötigt. In den Industrienationen wurde hingegen die Modernisierung und der Ausbau vorhandener Infrastruktur viel zu lange verschlafen, weshalb man dort nun mit teilweise maroden Leitungssystemen oder Flughäfen kämpfen muss, die dem gestiegenen Passagieraufkommen nicht gewachsen sind.

Für Anleger ist das Thema Infrastruktur gleich aus mehreren Blickwinkeln interessant. Aufgrund der guten Wachstumsperspektiven profitieren derzeit vor allem konjunktursensible Infrastrukturpapiere. Das sind beispielsweise Mautstraßenbetreiber oder Eisenbahngesellschaften. US-Präsident Trump hat seinen Wählern ebenfalls große Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes versprochen. So wie es derzeit aussieht, sollen die meisten Ausgaben allerdings Bundesstaaten, Kommunen und private Investoren übernehmen. Wer hingegen auf Schwellenländer setzt, hat fast immer auch Unternehmen aus dem Infrastruktursektor im Portfolio. Es muss also nicht zwangsläufig ein spezialisierter Themenfonds oder ETF sein, um von diesem Megatrend zu profitieren.

Urbanisierung

Die großen Megatrends beeinflussen sich gegenseitig. So auch bei der Urbanisierung. Demografischer Wandel und technologischer Fortschritt sorgen dafür, dass es mehr Menschen in die Städte zieht. Bis 2050, das prognostizieren die Vereinten Nationen, leben schon fast 70 Prozent der Weltbevölkerung im urbanisierten Raum.

In den Schwellenländern entstehen derzeit eine Reihe neuer Millionenmetropolen und mit ihnen zahlreiche Herausforderungen, was die Versorgung der Menschen, ihre Integration oder auch neue Mobiltätskonzepte angeht. Die großen Städte der Industrienationen wie New York oder London zeigen bereits, wie knapp die Kapazitäten in der Rush-Hour sind. Der Zugang zur Elektromobilität verringert hier zwar Emissionen und damit die Belastung für Umwelt und Mensch, Engpässe können so allerdings nicht gelöst werden. Um den Megatrend Urbanisierung zu adressieren, braucht es also vor allem Technik, künstliche Intelligenz und Big Data, um vielleicht mit selbstfahrenden Zügen und ohne Ausfälle durch exakte Vorhersagen das Mobilitätsproblem lösen zu können. Aber auch über Versorger, innovative Sharing-Konzepte oder umweltfreundliche Technologien können Anleger in die wachsende Urbanisierung investieren.