Dezember 2017 | Die Welt | Geld

Lust auf mehr

Geldanlage ist für viele Deutsche eine ungeliebte Last. Dabei gibt es wenig zu verlieren und viel zu gewinnen. Hier ein Überblick über die grundlegenden Möglichkeiten für eine langfristige Vermögensbildung.

Illustration: Agata Sasiuk
Mirko Heinemann / Redaktion

Das waren noch Zeiten, als Geld auf dem Sparbuch noch Erträge einbrachte. Das tut es heute fast nicht mehr – Banken zahlten im Jahr 2016 im Durchschnitt 0,3 Prozent Zinsen auf Sparbucheinlagen. Dennoch nutzt etwa die Hälfte der Deutschen das Sparbuch weiter als Gelddepot. 520 Milliarden Euro liegen auf Sparbüchern herum. Rund 40 Prozent lassen ihr Geld sogar auf dem Girokonto liegen, was in der Regel gar keine Zinsen bringt. Fast jeder Dritte nutzt ein Tagesgeldkonto zur Geldanlage, mehr als jeder Dritte einen Bausparvertrag. Dies sind die beliebtesten Anlageformen in Deutschland – und zugleich diejenigen, die wenig bis gar nichts einbringen.

Heute sprechen Ökonomen angesichts der Politik der Europäischen Zentralbank von der „heimlichen Enteignung“ der Sparer. Denn die Zinsen – wenn es überhaupt welche gibt – sind so niedrig, dass sie die Geldentwertung, die Inflation, nicht mehr ausgleichen. So verliert das Vermögen der Deutschen allmählich an Wert, ohne dass sie es bemerken. Der Betrag verändert sich nicht oder kaum – nur der Wert des Geldes schwindet.

Angesichts dessen fragt man sich, warum die Deutschen nicht auf lukrativere Anlageinstrumente setzen: Aktien, Fonds oder Anleihen. Ein gewichtiger Grund liegt offenbar darin, dass sie sich unzureichend informiert fühlen. So hat in einer repräsentativen Umfrage der ING-DiBa jeder zweite Deutsche angegeben, von Finanzen nichts zu verstehen. Damit liegt Deutschland bei der europaweit durchgeführten Studie unter Konsumenten in zwölf europäischen Ländern auf dem vorletzten Platz. Im Vergleich zur gleichen Umfrage aus dem Jahr 2013 hat sich das empfundene Finanzwissen der Bevölkerung hierzulande übrigens nur marginal verbessert. „Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist beim Thema Finanzen immer noch ungebildet. Obwohl mehr als 90 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, dass Finanzbildung heutzutage ein Must-have ist, scheint es ein grundlegendes Problem bei der Wissensvermittlung zu geben“, so Nick Jue, CEO der ING-DiBa AG. Vor allem die junge Generation hat wenig Bezug zu Finanzthemen. Im Vergleich zu 2013 schnitten junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren noch schlechter ab. „Vor allem an Schulen wird das Thema noch viel zu sehr vernachlässigt“, ergänzt Jue. Das gilt offenbar insbesondere für Hauptschulen und Realschulen. Befragte mit entsprechenden Schulabschlüssen gaben an, überhaupt keine Finanzbildung erhalten zu haben. Damit seien diese Bevölkerungsgruppen im doppelten Sinne schlechter gestellt, so die ING-DiBa-Experten: „Sie bekommen weniger Gehalt und können dieses aufgrund ihres fehlenden Finanzwissens schlechter anlegen.“

Als Basis jeder Geldanlage wird allgemein ein Mix aus Tagesgeld, Festgeld und günstigen Aktienfonds empfohlen. Doch welche Anlageklassen sind geeignet, und wo kann man sich informieren?


Geld anlegen in Aktien

Pünktlich zum Weltspartag forderte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) die Bundesbürger wieder einmal zu mehr Mut bei der Geldanlage auf. Der neu gewählte Präsident Dr. Hans-Ulrich Engel forderte die Politik auf, in der nächsten Legislaturperiode ein deutliches Zeichen pro Aktie und Kapitalmarkt zu setzen. „Aktien eignen sich ideal für den langfristigen Aufbau einer privaten Zusatzvorsorge, denn sie spielen ihre überlegene Rendite gerade in der langen Frist aus. Das belegen unzählige Untersuchungen. Statt aber den Einsatz von Aktien ganz gezielt zu fördern, dominiert vielerorts die Sorge vor vermeintlichen Risiken. Hier sind eindeutig mehr Realitätssinn und weniger Beharren auf falschen Vorurteilen zum Chance-Risiko-Profil der Aktienanlage gefragt.“

Vor dem Hintergrund immer neuer Börsenrekorde stellt sich vielen Anlegern derzeit die Frage, ob ein Einstieg noch lohnt oder ein Crash droht. Schaut man jedoch auf das Renditedreieck des DAI, wird klar: Wer über einen längeren Zeitraum investiert, fährt mit Aktien besser als mit den meisten anderen Geldanlagen. Wer etwa Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, erzielte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,8 Prozent.

Das DAI hat das so genannte DAX-Rendite-Dreieck entwickelt. Damit möchte es Anlegern zeigen, dass sie auch bei geringem Zeitaufwand in der Regel einen hohen Ertrag erwirtschaften können, wenn sie auf eine ausreichende Streuung und eine langfristige Ausrichtung achten. Eine ausreichende Streuung verringert auch spürbar das Risiko eines Totalverlustes, der bei einem Investment in eine einzelne Aktie nie ausgeschlossen werden kann. Laut DAI bietet die Aktie hohe Renditechancen in Form von Dividenden und Kursgewinnen. Sie kann damit beim langfristigen Vermögensaufbau und der privaten Altersvorsorge helfen. Die Grundregeln der Aktienanlage müssen beachtet werden: „Verteilen Sie Ihre Anlage unbedingt auf ausreichend viele Aktien, investieren Sie langfristig und kontinuierlich und setzen Sie nicht ausschließlich auf Aktien, damit Sie auch mal ein Börsentief aussitzen können“, so das Deutsche Aktieninstitut. Infos: www.dai.de
 

Fonds & ETFs

Wer sein Risiko verteilen möchte, setzt auf aktiv gemanagte Fonds oder so genannte Exchange Traded Funds, also ETFs. Erstere bestehen in der Regel aus einer Sammlung von verschiedenen Aktien einer Gruppe, zum Beispiel Aktien von deutschen Industrieunternehmen, Schwellenländern oder Technologieaktien. Sie werden von einem Vermögensverwalter beobachtet und je nach Marktlage in ihrer Gewichtung verändert. Ob Aktienfonds, Mischfonds, Dachfonds, Immobilienfonds oder auch Rentenfonds, die in Anleihen investieren – die Vielfalt ist riesig. Laut dem deutschen Fondsverband BVI verwalten Fondsgesellschaften knapp 3.000 Milliarden Euro direkt und indirekt für rund 50 Millionen Menschen in Deutschland. Der größte Vorteil von Fonds ist der Streueffekt: Fondssparer legen beim Vermögensaufbau „nicht alle Eier in einen Korb“. Stattdessen investieren sie mit nur einem Anlageprodukt in viele verschiedene Werte, aus unterschiedlichen Branchen oder in alle möglichen Wertpapierarten, wie Aktien oder Anleihen, oder auch in Immobilien.

Verliert ein Papier an Wert, können das die anderen vielfach wieder ausgleichen. Diese Risikostreuung ist gesetzlich vorgeschrieben und kann mit dem Kauf einzelner Wertpapiere oder Immobilien kaum erreicht werden. Der einfachste Weg ist ein so genannter Fondssparplan, den man im Grunde bei jeder Bank abschließen kann. Voraussetzung ist ein Depot bei einer Bank, das in der Regel kostenfrei ist. In der Regel beträgt die niedrigste Anlagesumme 25 Euro pro Monat. Bei der Auswahl des oder der Fonds können sich Anleger von einem Anlageberater ihrer Bank unterstützen lassen.

Bei den Kriterien sollte man die Gebühren vergleichen und grob wissen, in welche Art von Unternehmen der Fonds investiert. Viele Deutsche möchten gerne in nachhaltige Kapitalanlagen investieren: Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) interessieren sich 40 Prozent der Deutschen dafür, das Marktpotenzial wird jedoch kaum ausgeschöpft. Das Problem: Es mangelt an Informationen, wie man Geld nachhaltig anlegen kann.

Viele Anleger investieren daher in einen Querschnitt der deutschen, europäischen oder globalen Wirtschaft mit den so genannten ETFs. Diese nennen sich auch Indexfonds, weil sie nicht aktiv gemanagt werden, sondern einfach einen Aktenindex nachbilden. Deshalb kosten sie auch weniger Gebühren. Beliebte ETFs bilden etwa den deutschen Industrieindex DAX ab und profitieren damit vom Wachstum der deutschen Wirtschaft. Andere setzen auf den MSCI Europa oder den MSCI World, der die Entwicklung der Weltwirtschaft nachbildet. Das MSCI steht hier für den Finanzdienstleister Morgan Stanley Capital International, der zahlreiche Indizes berechnet.

Der BVI rechnet, dass Anleger, die 100 Euro pro Monat in einen Fonds anlegen, der vier Prozent pro Jahr an Wert gewinnt, nach 32 Jahren über doppelt soviel Kapital verfügen, wie sie eingezahlt haben. Von den insgesamt rund 73.200 Euro stammen nur 36.600 Euro aus der eigenen Tasche. Den Rest hat der Fonds erwirtschaftet.
 

Tagesgeld & Festgeld

Wer sein Geld kurzeitig parken möchte, für den sind Anlagen in Fonds oder Aktien nicht ratsam. Die Alternative zum Sparbuch ist das Tagesgeldkonto. Auf Geldanlagen werden immerhin Minizinsen gezahlt. Doch hier lohnt sich der Vergleich: Die Sparkassen zahlen oftmals überhaupt keine Zinsen auf das Tagesgeld mehr, wer bei seiner Bank 0,5 Prozent erhält, hat ein Schnäppchen gemacht.

Alternative zur vorübergehenden Einlage ist ein Festgeldkonto, auf dem man Geld von einem bis zu fünf Jahren anlegen kann. Im Vergleich der europäischen Banken werden mancherorts derzeit Zinssätze bis zu einem Prozent gezahlt, wenn man sein Geld für bis zu drei Jahre festlegt. In der Regel gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen.
 

Anleihen

Sie spielen in der Finanzberichterstattung kaum eine Rolle, können jedoch auch als Anlageinstrument für den Privatanleger geeignet sein. Der Unterschied zur Aktie ist der, dass der Anleger keine Beteiligung kauft, sondern einem Unternehmen oder einem Staat einen Kredit gewährt. Damit wird ihm ein fester Zinssatz versprochen. Risikofrei sind Anleihen jedoch nicht – das Unternehmen kann in die Insolvenz gehen, der Staat kann seine Zahlungsfähigkeit verlieren. Das entsprechende Risiko drückt sich in dem versprochenen Zins aus: Die zu erwartende Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe beträgt derzeit 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr. Eine im verganenen Sommer ausgegebene fünfjährige Staatsanleihe Griechenlands kam hingegen auf eine Rendite von 4,6 Prozent. Alternativ kann man auch so genannte Rentenfonds kaufen. Sie investieren meist in mehren Anleihen, streuen also das Risiko. Dafür werden aber auch Gebühren fällig.    
 

Digitale Vermögensverwaltung

Das Modell der Vermögensverwaltung durch Algorithmen ist nicht neu, aber bis vor kurzem konnten nur professionelle Anleger davon profitieren. Jetzt drängen immer mehr so genannte Fintechs auf den Markt, die auch Privatanlegern die Vorzüge des digitalen Geldmanagements nahebringen. Manche bieten ihren Anlagekunden nur Informationen und Analysen per Internet. Andere fungieren wie ein Bank, bei der man sein Geld direkt anlegen kann. Kunden erhalten ein Wertpapierdepot, das Fintech kümmert sich um die Anlage in den einzelnen Fonds.

Bisher nutzen nur wenige diese Angebote. Laut einer Studie der Agentur bbw Marketing können sich erst fünf Prozent der Befragten eine Nutzung der „Robo-Advisors“ vorstellen, wie die digitalen Angebote auch genannt werden. Die Aussagen stehen dabei im Zusammenhang mit dem Einkommen. 42 Prozent der Befragten mit einem Einkommen von 4.000 Euro und mehr können sich eine Online-Kreditaufnahme ohne persönlichen Kontakt vorstellen, Nutzer mit einem niedrigeren Einkommen sind deutlich skeptischer. Hingegen können sich 29 Prozent der Befragten eine Online-Kreditaufnahme vorstellen, die vollständig ohne persönlichen Kontakt erfolgt.