Keine Gewinne ohne Risiko

Mai 2019 | Die Welt | Geld

Keine Gewinne ohne Risiko

Anleihen oder Investitionen in Währungen von Schwellenländern versprechen derzeit Chancen.

Illustration: Luisa Jung by Masha Heyer
Mirko Heinemann / Unternehmensbeitrag

„Reich in wenigen Tagen.“ „Diese fünf Aktien werden 2019 um 1.000 Prozent haussieren.“ Ja, es gibt sie immer noch: Anbieter von Geldanlageprodukten, die eine hohe Rendite versprechen und dabei das Risiko völlig ausblenden. Zuletzt leidvoll erlebt haben Anleger das im Rahmen des Bitcoin-Höhenflugs. Je stärker das Thema in den Medien war, je mehr Investoren auf den Zug aufsprangen und Kryptowährungen kauften, desto mehr unseriöse Anbieter lockten mit Versprechungen hoher Renditen. Das Ende vom Lied: teils herbe Kursverluste, bis hin zum Absturz.


Da hilft nur die Binsenweisheit: Wer eine hohe Rendite erzielen möchte, hat auch ein hohes Risiko zu tragen. Das zeigt sich schon bei konservativen Geldanlagen, etwa bei Anleihen. Dabei gilt: Wird der Emittent zahlungsunfähig, verliert der Anleger sein Geld. Bei deutschen Bundesanleihen ist dieses Risiko minimal. Deshalb ist auch die Rendite gering. Sie beträgt derzeit null Prozent. Nada. Nichts.


Stattdessen, raten Analysten, sollte man in die Ferne schweifen: Anleihen in bestimmten Schwellenländern etwa empfiehlt Thomas Kirchmair, Portfolio Manager bei der Swisscanto Invest. Investitionen in Indonesien und Brasilien findet er interessant, da sie ein sehr gutes Risiko-Rendite-Verhältnis aufwiesen. Nach Einschätzung von Analysten sind die Unternehmen vieler Schwellenländer derzeit im Verhältnis zum Weltmarkt unterbewertet – hier bestünde demnach Nachholbedarf.


Wichtig in diesem Zusammenhang wäre eine Einigung im Handelskonflikt zwischen China und den USA, die Beobachter als wahrscheinlich ansehen. So schreibt etwa Tim Love, Investment Director bei GAM Investments: „Auch wenn sich die Verhandlungen 2019 noch länger hinziehen dürften, halten wir eine Entschärfung für wahrscheinlich.“ Und weiter: „Jeder Fortschritt bei den Gesprächen könnte sich in diesem Jahr als starker Impulsgeber für Schwellenländeraktien erweisen.“


Auch Währungen sind ein spannendes Anlagethema. Wer mit Währungsschwankungen Gewinne erzielen möchte, kann auf Derivate zurückgreifen. Oder er investiert in einen Anleihefonds, der in Lokalwährungen von Schwellenländern veranlagt ist. Dazu zählen zum Beispiel Staatsanleihen aus zentral- und osteuropäischen Ländern wie Ungarn oder Polen, asiatische Emittenten wie Thailand oder Malaysia, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Emittenten aus Afrika.


Die Anleihen notieren in der jeweiligen Landeswährung: in mexikanischem Peso, brasilianischem Real, polnischem Zloty oder südafrikanischem Rand. Das Fremdwährungsrisiko wird dabei bewusst nicht abgesichert. Der Vorteil für den Euro-Investor liegt darin, dass die Zinsniveaus in diesen Ländern teilweise deutlich höher sind. Auf der anderen Seite kann es höhere Kursschwankungen geben – ein Risiko, das sich bei einer Euroschwäche in eine Chance verkehren würde.


Eine Möglichkeit, Risiken zu streuen und von mehreren Anlageklassen zu profitieren, sind sogenannte Multi-Asset-Fonds. Diese investieren zu einem festgelegten Teil in Aktien, darüber hinaus können je nach Markteinschätzung des Fondsmanagements aber auch Anlagen in Anleihen, Fremdwährungen und Geldmarktinstrumente getätigt werden. Die hohe Flexibilität soll helfen, größere Verluste am Markt abzumildern.