Dezember 2017 | Die Welt | Geld

Ein gutes Auskommen

Das eigene Geld für sich arbeiten zu lassen, ist gar nicht so schwer. Auf „Income“ fokussierte Multi-Asset-Fonds mit dem Ziel, ein regelmäßiges Einkommen zu erzielen, übernehmen die Diversifikation für die Anleger.

Illustration: Agata Sasiuk
Julia Thiem / Redaktion

Es ist wohl der Traum eines jeden Anlegers: Das eigene Vermögen generiert ein regelmäßiges Einkommen, genug, dass man davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. „Income Investing“ nennt man das im Fachjargon. Allerdings kann sich an diese Devise wohl kaum ein Aktienhändler mehr erinnern.

Zu lange schon geht es an den Aktienmärkten scheinbar nur aufwärts. Daher wird als gutes Investment nur gewertet, was für zehn Euro eingekauft und für 20, 30 oder noch mehr Euro wieder verkauft werden kann. Und eben nicht eines, das regelmäßige Ausschüttungen bietet. Es mag aber auch daran liegen, dass der Weg zum Income Investing traditionell eher mit festverzinslichen Wertpapieren als mit Aktien bestritten wurde. Im Anleihesegment kann man derzeit aber nur davon träumen, den Lebensunterhalt mit der dort erwirtschafteten Rendite zu finanzieren.

„Das traditionelle Fixed Income ist abgebrannt“, bringt es Sameer Jain, Partner bei der digitalen Asset Allocation-Plattform ActiveAllocator, auf den Punkt. Das heißt nicht, dass ein regelmäßiges Einkommen als Anlageziel heute keine Option mehr ist. Man muss seine Income-Strategie nur viel breiter aufstellen. Es braucht verschiedene robuste Renditetreiber wie Zinsen, Währungen oder Creditspreads – die Risikoprämie, die beispielsweise für eine Unternehmensanleihe im Vergleich zur risikolosen, laufzeitgleichen Anleihe gezahlt wird – aber auch Aktiendividenden oder Einnahmen aus Immobilieninvestments.
 

Dividendentitel
 

Es gibt drei wesentliche Investmentbausteine, mit denen sich in Kombination auch heute eine solide Income-Strategie zusammenstellen lässt. Ganz oben auf der Liste – eben weil der Bullenmarkt bei Aktien anhält – sind Dividenden-Titel. Darunter fallen Aktien, die ihre Gewinne in Form von Dividendenzahlungen einmal im Jahr nach der Hauptversammlung an ihre Aktionäre ausschütten. Spitzenreiter im Dax wird 2017 wohl die Munich Re sein. Satte 8,60 Euro können Anleger dort pro Aktie als Dividende erwarten. Auf Platz zwei reiht sich die Allianz mit 7,90 Euro ein. Bei Continental gibt es immerhin noch 4,80 Euro je Aktie, 3,90 Euro sind es bei Linde, 3,70 Euro bei Siemens.

Bei der Dividendenrendite, dem Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs, führt ProSiebenSat1. Media SE die Rangliste mit 5,19 Prozent an – wobei man hier abwarten sollte, wie sich die Nachfolge des Vorstandschefs Thomas Ebeling entwickelt. Verlass ist dafür aber auch hier auf die Versicherungsbranche mit der Allianz und der Munich Re, die mit einer Dividendenrendite von 4,86 respektive 4,81 Prozent auf den Plätzen zwei und drei landen. Es lohnt sich einmal für sich selbst auszurechnen, wie viel des zur Verfügung stehenden Kapitals man in die Top-Dividenden-Titel des DAX investieren könnte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich mit dieser Strategie Einkommen generieren lässt.
 

Hochzinsanleihen
 

Dividenden allein reichen allerdings nicht. Auch beim Income-Investing gilt das Mantra „breit streuen“. Daher lohnt für Investoren ein Blick auf andere Anlagesegmente, etwa auf Immobilien. Und zu guter Letzt: Totgesagte leben länger, weshalb Anleger festverzinsliche Wertpapiere bei einer erfolgreichen, einkommensorientierten Anlagestrategie nicht vollkommen außer Acht lassen sollten. Hochzinsanleihen – auch High Yield Bonds genannt – oder Schwellenländeranleihen sind nach wie vor attraktive Investments. Natürlich sind hier die Risiken höher.

Hochzins bedeutet nämlich tatsächlich nur, dass der Kupon höher ist, den die Unternehmen dem Anleger dafür zahlen, dass sie ihnen Geld leihen. Allerdings nicht ohne Grund. Denn das Ausfallrisiko – also die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen seine Schulden am Ende der Laufzeit nicht zurückzahlen kann – ist ebenfalls hoch. Im High Yield-Segment gibt es allerdings einen äußerst interessanten Bereich, den viele Anleger nicht auf dem Radar haben, der aber insbesondere bei institutionellen Anlegern begehrt ist, weil er einerseits eine hohe Rendite verspricht, andererseits aber auch eine gewisse Sicherheit aufweist. Die Rede ist von den sogenannten „Fallen Angels“. Gemeint sind Anleihen, die ursprünglich mit einem soliden Investmentgrade-Rating emittiert wurden, später von den Ratingagenturen jedoch herabgestuft wurden. In den Neunzigern zählten einige bekannte Namen zu den Fallen Angels – unter anderem Apple. Heute reihen sich US-Riesen wie der Bergbaukonzern Anglo-American oder der Computerhersteller Dell in diese „Tradition“ ein.

Soweit so gut. In der Theorie hört sich in der Investmentbranche vieles erst einmal logisch und praktikabel an. In der Praxis ist es allerdings denkbar schwierig, sich ein wirklich professionelles Portfolio unter Income-Aspekten zusammenzustellen. Denn sind wir ehrlich: Selbst die Glücklichen unter uns, die in der Lage sind, tatsächlich so viel Geld zur freien Verfügung zu haben, um von der daraus resultierenden Rendite zu leben, haben in der Regel einen Anlageberater. Doch auch wenn man nicht die Aufmerksamkeit eines Private-Banking-Beraters einer Großbank auf sich zieht, kann man Zugang zu einem gut diversifizierten, nach Income-Investing-Kriterien zusammengestellten Portfolio erhalten. Multi-Asset-Fonds bieten auch Privatanlegern die Möglichkeit, von dieser durchaus interessanten Strategie zu profitieren.
 

Multi-Asset-Fonds
 

Die meisten Multi-Asset-Fonds mit Income-Komponente setzen auf ein diversifiziertes Portfolio aus vielversprechenden, Einkommen generierenden Anlageklassen. Die Fonds bündeln diese regelmäßigen Ausschüttungen und geben sie anschließend zu festgelegten Zeitpunkten – etwa vierteljährlich oder jährlich – an die Anleger weiter. Das spannende daran: Die Ausschüttungen erfolgen vor allem bei einem gut diversifizierten Portfolio unabhängig vom aktuellen Kapitalmarktumfeld. Das heißt, sie wirken wie eine Art Puffer, sodass Anleger auch auf aktuelle Marktschwankungen viel gelassener reagieren können.

Natürlich sind solche ausschüttungsorientierten Fonds etwas für Investoren, die ein Zusatzeinkommen benötigen, etwa, weil sie schon im Ruhestand sind. Aber auch für Anleger in anderen Lebenssituationen kann eine Income-Strategie Sinn ergeben. Wer sich beispielsweise im Vermögensaufbau befindet, kann die regelmäßigen Erträge wieder anlegen und so stark vom Zinseszinseffekt profitieren. Und für Anleger mit Fokus auf Ansparen und Anlegen kann sogar ein regelmäßiger Sparplan Erfolg versprechend sein.