Grundbegriffe für Anleger

Oktober 2015 | Die Welt | Fokus Geld

Grundbegriffe für Anleger

Wer mit Aktien handeln möchte, sollte ein paar wichtige Regeln beachten. Ein Überblick.

Illustration: Nanna Prieler
Lars Klaaßen / Redaktion

Das Depot

Um eine Aktie zu erwerben und damit Trader zu werden, benötigt man ein Depot. Dies kann einerseits bei klassischen Vor-Ort-Banken wie etwa der Sparkasse angelegt werden. Wer das Geschäft mit mehr Eigenverantwortung betreiben möchte, wendet sich in der Regel an einen Broker. Für die Führung des Depots und die Übermittlung einzelner Aufträge kassieren Banken wie Broker Gebühren. „Um den richtigen Broker zu finden, muss ich zunächst wissen, wie ich jetzt und künftig agieren möchte“, erläutert Alexander Asante, Relationship Manager und Trading Support beim Broker LYNX, „denn nicht jeder Broker bietet alle gewünschten Handelsmöglichkeiten“. So spielt für den selbstständigen Trader etwa eine Rolle, ob er mit internationalen oder etwa nur mit deutschen Papieren handeln will. Die Portfolios und Gebührenstrukturen von Brokern können auf diversen Portalen miteinander verglichen werden, etwa bei der Stiftung Warentest (www.test.de).


Die Order

Um mit Wertpapieren zu handeln, wird eine Order aufgegeben. Das geschah früher telefonisch, heute meist über Webportale oder per App auf dem Smartphone. Damit wird definiert, welche Aktie in welcher Stückzahl gekauft oder verkauft werden soll. Weitere Bedingungen sind unter anderem Limits, Fristen und der Handelsplatz: „Der Trader kann zum Beispiel festlegen, zu welchem Kurs Aktien gekauft werden sollen, wie viel Geld maximal investiert werden soll und wie lange die Order gelten soll“, so Asante. „Insgesamt können sie bei uns mit 60 verschiedenen Order-Typen arbeiten.“ Wer nun bei Aktienhandel an die Börse in Frankfurt denkt, liegt zwar nicht falsch. Dort wird ein Großteil der Wertpapiere in Deutschland gehandelt. Doch das klassische Parkett, wo aufgeregte Broker „kaufen“ schreien, gehört der Vergangenheit an. Die Digitalisierung hat einen globalen Hochfrequenzhandel hervorgebracht. „Preisunterschiede an verschiedenen Handelsplätzen werden dadurch weitgehend nivelliert“, erklärt Asante. Hierzulande dominiert Xetra (Exchange Electronic Trading) das Geschäft, das elektronische Handelssystem der Deutsche Börse AG für den Kassamarkt, dessen Zentralrechner in Frankfurt am Main stehen. An diese Zentralrechner können sich Client-Rechner weltweit über das Internet oder Standleitungen verbinden. Um etwa in den USA zu handeln, werden in der Regel spezielle Broker in den Staaten kontaktiert, die die Geschäfte dort abwickeln.



Die Abgeltungssteuer

Auch heute ist es nicht unerheblich, an welchem Ort das Depot zu Hause ist. „Liegt das Depot in Deutschland, wird die Abgeltungsteuer auf realisierte Kursgewinne direkt von der Bank bzw. dem Broker an das deutsche Finanzamt abgeführt“, erläutert Asante. „Befindet sich das Depot im Ausland, etwa in England, wird die Abgeltungsteuer nicht direkt abgeführt, und der Inhaber des Depots hat die Pflicht, seine erzielten Kapitalerträge in seiner Steuererklärung anzugeben.“ Diese andere Berechnungsgrundlage kann für den Trader deutlich günstiger sein. Seit dem 1. Januar 2009 müssen alle Veräußerungsgewinne in Deutschland vollständig versteuert werden – egal, wo das Depot sich befindet. Der Besteuerungsgrad ist entweder vom Einkommenssteuersatz bzw. im Maximum von der Abgeltungssteuer abhängig. Somit werden Gewinne mit maximal 26,375 Prozent (Abgeltungssteuer zuzüglich Soli) versteuert, die Kirchensteuer kommt gegebenenfalls auch noch hinzu. Auch der Sparerfreibetrag (801 Euro pro Person) darf Berücksichtigung finden. Für Geschäfte, die vor 2009 geschlossen wurden, gilt noch „altes Recht“. Hier konnte nach einer Spekulationsfrist von zwölf Monaten ohne die Versteuerung von so genannten Veräußerungsgewinnen gearbeitet werden. „Die Frage nach der steuerlichen Komponente sollte nie im Vordergrund stehen“, betont Adrian Englschalk. Der unabhängige Finanzexperte ist als Honorarberater der Verbraucherzentrale Niedersachsen tätig. „Steuern kosten im Aktienanteil lediglich einen Teil dessen, den man so oder so bereits gewonnen hat.“
 


Das Risiko

Eine Gewinngarantie gibt es an der Börse für niemanden. Auch wer auf Sicherheit setzt und seine Investments streut, wird hin und wieder Geld verlieren. Das geschieht selbst erfahrenen Akteuren. „Das größte Risiko ist es, die Risiken zu unterschätzen“, sagt Englschalk. „Viele gehen à la Kostolany davon aus, dass lange Laufzeiten ‚alle Wunden heilen‘. Dies ist einer der größten Trugschlüsse und gleichzeitig eine der am weitesten verbreiteten Börsenweisheiten in Deutschland.“ Anfänger können sich ein Musterdepot anlegen, darüber wird zur Einübung nur mit virtuellen Werten gehandelt. Danach empfiehlt es sich, mit einem kleinen Betrag anzufangen. Ohnehin gilt: An der Börse sollte nicht mit Geld gehandelt werden, das existenzielle Bedeutung hat. „Sich an die eigenen Regeln zu halten, egal wie groß die Verlockung wird“, so Asante, „gehört zu den wichtigsten Regeln.“ Ein klassischer Fehler vieler Anleger sei, Verluste laufen zu lassen und kleine Gewinne zu schnell zu realisieren. Nicht nur harte
ökonomische Fakten beeinflussen den Markt, sondern auch die Psychologie der Akteure. Wird ein großer Hype ausgerufen, ist immer Vorsicht geboten.



Die Strategie

Wie intensiv Trader sich mit ihren Geschäften befassen sollten, wird von ihrer Anlagestrategie mitbestimmt. Wer sich mit Unternehmensbilanzen auseinandersetzt, um langfristig zu investieren, muss nicht unbedingt jeden Tag intensiv den Markt studieren. Aber auch hier muss manchmal schnell eine Entscheidung getroffen werden, weil unerwartet Dramatisches passiert – siehe Volkswagen. Daytrader beobachten die Charts ohnehin permanent sehr genau, sie analysieren kurz- und mittelfristige Entwicklungen. Aus wiederkehrenden Mustern werden dann Prognosen erstellt. So oder so: Man kann sich rationale Entscheidungsgrundlagen erschließen – ein Restrisiko bleibt immer, genau wie umgekehrt die Chance auf Gewinn. Ertragsausicht und Risiko sind meist auf Augenhöhe.