»Es gibt noch keine Chancengleichheit«

April 2019 | Capital | DIE KUNST

»Es gibt noch keine Chancengleichheit«

Sprüth Magers gehört zu den renommiertesten Galerien weltweit. Ein Großteil des Erfolgs geht dabei auf die konsequente Förderung von Künstlerinnen zurück. Monika Sprüth und Philomene Magers im Gespräch.

MONIKA SPRÜTH UND PHILOMENE MAGERS leiten seit 1998 gemeinsam die renommierte Galerie Sprüth Magers und vertreten heute mehr als 60 Künstler* innen, von denen viele zu den international erfolgreichsten gehören.
Interview: Anna-Lena Werner / Redaktion

Frau Sprüth, Frau Magers, was hat sie dazu bewogen, ihre Gruppenausstellung „Eau de Cologne“ aus den 1980er Jahren neu zu präsentieren. Sie zeigten damals ausschließlich Arbeiten von Frauen und beteiligten sich mit dem gleichnamigen Magazin aktiv an Feminismus-Debatten.
Monika Sprüth: Nun, es hat sich in den 30 Jahren danach einfach nicht viel geändert: wir leben noch immer in einer von Männern dominierten Welt – auch in der Kunst. Es gibt also weiterhin die Notwendigkeit, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Auf der anderen Seite zeigen die „Eau de Cologne“ Ausstellungen in Berlin, Los Angeles und aktuell in Hong Kong, wie sich aus damals jungen Positionen einige der einflussreichsten Künstlerinnen mit Ausstellungen in den wichtigsten Museen der Welt entwickelt haben. Wir zeigen also nicht nur, dass es weiterhin Unterschiede gibt, sondern auch, dass es Frauen gibt, die sich durchgesetzt haben.

 

Auf dem von Barbara Kruger gestalteten Cover des zweiten „Eau de Cologne“ hält sich eine Frau ihre Hände vor das Gesicht. Darunter steht: „Are we having fun yet?“ Wie haben sie die Frage damals beantwortet und wie würden sie es heute tun?
Monika Sprüth: Die Nahaufnahme des Gesichts ist ja eine Erfindung der Filmindustrie, um weibliche Schönheit und Glamour zu zeigen. Barbara Kruger zeigt ein ganz anderes Close-up von einer Frau, die ihre Hände vor das verstörte Gesicht hält und wahrscheinlich einen gequälten Gesichtsausdruck verbirgt. In Verbindung mit dem Text entsteht eine Botschaft von Gewalt und Trauma. Kruger stellt Stereotypen infrage. Es geht nicht um die Antwort, es geht darum, weiterhin Fragen zu stellen, um etwas zu verändern.

 

Sie haben ihre beiden rheinländischen Galerien 1998 zusammengeschlossen und führen die Galerie Sprüth Magers mittlerweile in Berlin, London und Los Angeles. Viele weibliche, aber noch mehr männliche Künstler werden von Ihnen sehr erfolgreich repräsentiert. Was halten Sie von Quoten- und Gleichstellungsdebatten?
Philomene Magers: Es ist sehr wichtig zu realisieren, dass es im Augenblick noch keine Chancengleichheit gibt. Es geht darum, das Thema grundsätzlich und in allen Facetten zu besprechen. Und natürlich darum, die Ungleichheiten historisch zu verstehen und sie in der Gegenwart wahrzunehmen, um sie für die Zukunft zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel sagen, dass wir mehr männliche als weibliche Künstler im Programm haben, dann liegt das auch daran, dass Künstlerinnen in den 1980er- und 1990er-Jahren wesentlich weniger sichtbar waren als ihre männlichen Kollegen und auch nicht die gleiche Unterstützung bekommen – und das ist bis heute so. Das ist ja genau der Grund, weshalb Monika Sprüth die Ausstellungen in den 1980ern gemacht hat und wir als Galeristinnen einen Schwerpunkt darauf legen, Künstlerinnen zu unterstützen.

 

Was hat sich an der Situation für Künstlerinnen im Kunstbetrieb heute im Vergleich zu den 1980er-Jahren verändert und was ist nach wie vor problematisch?
Philomene Magers: Mit Ausstellungen und Ankäufen leisten Museen einen wirklich großen Beitrag für die Gleichstellung. Und natürlich ist es heute unvorstellbar, dass Galerien keine Künstlerinnen im Programm haben. In dieser Hinsicht hat sich viel getan. Aber schauen Sie sich Auktionsergebnisse und Preise an: Künstlerinnen erzielen niemals die gleichen Preise wie Künstler. Im Kunstmarkt gibt es weiterhin große Unterschiede.