»Wir gestalten Stadt mit«

Mai 2019 | Wirtschaftswoche | Bauen & Wohnen der Zukunft

»Wir gestalten Stadt mit«

Ein Gespräch mit Sandra Wehrmann, Vorstandsmitglied der degewo AG, über sozialen Wohnungsbau, nachhaltiges Wohnen und Berliner Zukunftsvisionen.

Sandra Wehrmann, Vorstandsmitglied, degewo AG
degewo AG / Unternehmensbeitrag

Frau Wehrmann, Sie leiten eine der größten Wohnungsbaugesellschaften Deutschlands. Gerade die Situation in Berlin ist jedoch immer wieder Thema. Ist der Berliner Wohnungsmarkt noch zu retten?
Absolut! Neuer Wohnraum entsteht, wenn Quartiere verdichtet, Bestände optimiert und Flächen effizient genutzt werden. Da gibt es in Berlin noch viel Potenzial, wenn die Bürger und die Politik es wollen.
 

Was sollte die Politik verändern?
Es geht darum, das Bau- und Vergaberecht zu vereinfachen. So muss der Weg bis zur Erteilung von Baugenehmigungen optimiert werden. Auch muss sichergestellt sein, dass die Behörden ausreichend Mitarbeiter haben, um die Arbeit zu bewältigen.
 

Was verstehen Sie unter zukunftsfähigem Wohnungsbau?
Ein alter Grundsatz lautet: Gut geplant ist gut gebaut. Die Planung ist tatsächlich etwas, wofür wir uns bewusst Zeit nehmen. Im Bereich der Baustoffe achten wir auf Nachhaltigkeit. Die Materialien sollen möglichst natürlich und langlebig sein. Energieeffizienz ist ebenfalls ein wichtiges Thema, hier orientieren wir uns am KfW-Standard. Das ist natürlich immer auch eine Herausforderung, denn wir betreiben sozialen Wohnungsbau, der bezahlbar bleiben muss. Unsere Prozesse und Verfahren haben wir darauf ausgerichtet.
 

Wie setzt sich degewo für faires Mieten ein?
Kostengünstigen Wohnraum zu schaffen ist für uns nicht nur politische Verpflichtung, sondern ein Grundanliegen. Dazu gehört, dass wir die Mieter bestmöglich einbeziehen, in Gesprächen, über Umfragen und vor allem durch unseren Mieterrat und unser Quartiersmanagement.
 

Das heißt, Sie kümmern sich auch aktiv um ganze Quartiere?
Ganz genau. In manchen Anlagen gibt es Mieter-Gemeinschaftsräume als wohnortnahen Treffpunkt. Wir legen viel Wert auf die Qualität der Spielplätze und Außenanlagen. Wir denken über den bloßen Wohnungsbau hinaus in städtebaulichen Kontexten. Das bedeutet etwa, dass wir das Gewerbe in unsere Standortplanungen mit einbeziehen. Cafés, Kioske, Bäcker, Ärzte und Apotheken usw. gehören zu einem qualitätvollen Wohnumfeld dazu – das ist die wichtige städtische Mischung.
 

Welche Rolle spielt bei Ihnen die Bestandspflege?
degewo verwaltet rund 70.000 Wohnungen, die laufend instandgehalten oder modernisiert werden. Das ist ein großer, aber wichtiger Auftrag. Auch holen wir unsere Mieter mit ins Boot, wenn es beispielsweise um Erweiterungsmaßnahmen geht. Durch klug geplante Maßnahmen im Bestand kann die Wohnqualität häufig erheblich gesteigert werden.
 

Wo in Berlin leben Ihre Mieter?
Unsere Schwerpunkte sind in Vierteln wie Köpenick, Marzahn, Neukölln, Wedding oder Marienfelde. Auch die 600 Meter lange „Schlange“ in Wilmersdorf gehört zu unserem Bestand. Viele Menschen dort sind glückliche Mieter. Solche Quartiere haben sehr viel Lebensqualität zu bieten. Ein bisschen sind wir deshalb auch Botschafter in der eigenen Stadt.


 

Die degewo in Zahlen
 

Gegründet    1924
Eigener Wohnungsbestand    69.500
Durchschnittliche Nettokaltmiete    6,14 Euro
Jahresumsatz    450 Mio. Euro
Mitarbeiter    1270
Frauenanteil in Führungspositionen    53%
Geplante neue Wohnungen pro Jahr    1.500
 

www.degewo.de