Oktober 2017 | Handelsblatt | Zukunft Deutschland

»Mobilität muss dem Bedarf der Kunden entsprechen«

Das Credo „Teilen statt Besitzen“ verändert nicht nur unser Leben, sondern auch die Mobilitätskonzepte der Zukunft, ist man bei der Deutschen Bahn-Tochter Deutsche Bahn Connect überzeugt.

Claus Grunow, Leiter Markt-, Geschäfts- und Produktentwicklung, Deutsche Bahn Connect GmbH
Deutsche Bahn Connect GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Grunow, Sharing Economy, autonomes Fahren, Smart Cities – steht die Mobilität der Zukunft vor einschneidenden Veränderungen?
Absolut – allerdings nicht erst seit heute. Wir sind beispielsweise bereits 2001 in Berlin als einer der ersten Anbieter mit Sharing-Fahrzeugen an den Start gegangen und haben seitdem unsere Angebote Flinkster und Call a Bike zu einem festen Bestandteil unseres Mobilitätsangebots weiterentwickelt.

Doch reine Sharing-Angebote reichen heute nicht mehr?
Nein, das tun sie nicht. Zwar hat sich das Mobilitätsverhalten in den letzten Jahren bereits stark gewandelt, neue Themen wie das autonome Fahren werden die Mobilität der Zukunft aber noch einmal deutlich verändern. Was wir deshalb brauchen, ist ein verbraucherorientiertes Mobilitätsverständnis, das die Bedürfnisse der Kunden in den Fokus stellt.

Und was wünschen sich die Kunden?
Die sogenannte „On-demand“ Mobilität wird eines der großen Themen der kommenden Jahre sein. Das heißt, der Kunde bestellt seine Mobilität entsprechend seines situativen Bedarfs. Die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens wird einer der Treiber hinter diesem Trend sein und dazu führen, dass Individual- und öffentlicher Verkehr nicht mehr miteinander konkurrieren, sondern eins werden.

Das sind zwei Themen, die stark in die Smart-City-Konzepte reinspielen.
Das stimmt. Wir erleben, dass im Kontext von Smart Cities neue, nachhaltige Verkehrskonzepte gesucht werden, die auch in wachsenden Ballungszentren und Metropolen die Lebensqualität der Bewohner erhalten. Hier wird die Integration von Sharing-Angeboten und autonomen Fahren in den öffentlichen Verkehr eine wichtige Rolle spielen.

Und wie reagiert Deutsche Bahn Connect auf die von Ihnen identifizierten Trends?
Bei allen Angeboten, die wir entwickeln, nehmen wir die Perspektive des Kunden ein. Und der will Mobilität einfach, günstig, sicher und schnell von Tür-zu-Tür – unabhängig vom Verkehrsmittel. Wir glauben allerdings auch, dass disruptive Veränderungen neue Wege fordern. Einen solchen haben wir beispielsweise bei der weiteren Digitalisierung unserer Angebote eingeschlagen, indem wir uns am DB Hackathon beteiligt haben. Dabei konnten offene Daten aus dem DB-Konzern – unter anderem von Call a Bike und Flinkster – mit anderen Informationen kombiniert und daraus neue Angebote abgleitet werden. Aber auch der direkte Austausch mit unseren Kunden ist uns wichtig, beispielsweise bei einem App-Abend zu Call a Bike, der uns wertvolle Einblicke in die User-Perspektive gibt und uns zeigt, wo wir schon gut sind und wo noch Potenzial für Verbesserungen ist.

Mündet das in konkreten neuen Angeboten?
Natürlich, genau deshalb engagieren wir uns ja so stark. Wir prüfen beispielsweise aktuell die Integration von Pedelecs und Lastenrädern in unsere Call a Bike-Flotte. Außerdem sind wir gemeinsam mit anderen DB-Gesellschaften auch auf dem Zukunftsmarkt des autonomen Fahrens unterwegs. Unter anderem erproben wir auf dem Gelände des EUREF-Campus in Berlin gemeinsam mit dem Forschungszentrum InnoZ einen auto-nomen Buslinienbetrieb. Noch 2017 wird in Bad Birnbach ein Pilotprojekt im öffentlichen Raum durchgeführt.
 

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