Cobots in die Produktion

März 2019 | Wirtschaftswoche | Technologien der Zukunft

Cobots in die Produktion

In der Smart Factory arbeiten Roboter eng mit Menschen zusammen – und es werden immer mehr. Dass dabei auch Empathie aufkommt, bleibt nicht aus.

Illustration: Agata Sasiuk
Axel Novak / Redaktion

Die intelligente Fabrik von morgen: das sind modulare Produktionseinheiten, modernste IT und automatisierte, hochflexible Fertigung. Bei großen Datenmengen und komplexen, technologischen Anforderungen werden Künstliche Intelligenz und Robotics immer wichtiger:  Roboter gehören zum Standard, um routinierte, gefährliche oder schwere Tätigkeiten zu übernehmen. Schon heute kommen in der deutschen Industrie nach Angaben der International Federation of Robotics 290 multifunktionelle Roboter auf 10.000 Beschäftigte – und es werden immer mehr.

Bisher sind die Roboter meist auf eine Aufgabe spezialisiert und physisch von ihren menschlichen Kollegen getrennt. Kollaborative Roboter – Cobots – heißt jedoch die neue Generation von Maschinen, die mit den Menschen direkt in Kontakt stehen. Viele Sensoren sorgen dafür, dass sie Bewegungen und Positionen von Personen wahrnehmen, das senkt das Verletzungsrisiko. Gleichzeitig sind sie flexibel einsetzbar, leicht zu programmieren und zu bewegen. Weil sie teils nur wenige Kilogramm wiegen, können kleine Cobots vielfältig eingesetzt werden. Vor allem in der Autoindustrie sind solche kollaborativen Roboter schon heute gang und gäbe: Sie arbeiten direkt an der Seite ihrer menschlichen Kollegen, um Dichtungen an Autotüren anzubringen oder Werkzeug anzureichen.  

Ein Bereich in der Fertigung, der sich besonders gut automatisieren lässt, ist die Logistik. Bei logistischen Prozessen im Werk, aber auch an Umschlagplätzen und in Warehouses, unterstützen immer mehr Maschinen die Mitarbeiter, als fahrerlose Staplersysteme oder Lagerroboter. Amazon beispielsweise setzte im vergangenen Jahr rund 25.000 Roboter für die Kommissionierung ein.

Bei manuellen Tätigkeiten, die trotz aller Digitalisierung in Menschenhand bleiben sollen, unterstützen maschinelle Features die Mitarbeiter. Scanhandschuhe zum Beispiel helfen, Barcodes bei der Kommissionierung zu lesen. Sie sorgen dafür, dass der Mitarbeiter die Hände frei hat und schicken zugleich Daten an das Lagerverwaltungssystem. Das spart im Vergleich zu konventionellen Handscannern bis zu 40 Prozent der Zeit ein, die für die Zusammenstellung von Stücken notwendig ist. Auch Datenbrillen unterstützen durch die digitale Vernetzung: Sie leiten den Mitarbeiter über das Display durch die einzelnen Prozesse. Smarte Kleidung mit der entsprechenden Sensorik hilft, die Arbeitsbelastungen von Menschen zu dokumentieren. Dadurch könnte im Zweifelsfall bei zu großer physischer Belastung eine Automatisierung von Arbeitsschritten sinnvoll werden: Kollege Roboter übernimmt, wenn es schwer und gefährlich wird.

Doch selbst dann kommt es darauf an, dass die Menschen ihre Gefühle im Griff behalten. Roboter, die menschlich oder menschenähnlich agieren, werden wie Menschen behandelt, zeigt eine Studie der Universität Duisburg-Essen. Für eine Untersuchung konfrontierten die Forscher Probanden mit einem ängstlichen Roboter. Das Ergebnis: Viele Probanden ließen sich vom menschenähnlichen Verhalten beeindrucken. Sie entwickelten Mitleid mit der Maschine.