Dem Bedarf der Menschen gerecht werden

Juli 2019 | Wirtschaftswoche | Smart Cities

Dem Bedarf der Menschen gerecht werden

Unsere Mobilitätsanforderungen verändern sich, der Mix wird bunter. Ganz ohne Auto werden wir uns in Zukunft dennoch nicht fortbewegen, glauben die Experten von IAV.

(l.) Björn Steffen Senior Vice President Connectivity & Analytics bei IAV, (r.) Dr. Stefan König Senior Vice President Architecture & Integration bei IAV
IAV / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. König, das Auto ist dank intelligenter Vernetzung längst mehr als ein Fortbewegungsmittel. Wo stehen wir heute in der Entwicklung?
Vieles von dem, was uns auf vergangenen Kongressen als Zukunftsmusik präsentiert wurde, kommt aktuell in die Umsetzung. Wenn Sie so wollen, verschmelzen die Automobil- und die IT-Welt derzeit – mit vielen Vorteilen für die Nutzer. Denn neue Features wie „Updates over the Air“ sorgen dafür, dass Fahrzeuge bei rollenden Reifen auf dem neusten Stand gehalten werden können.

 

Wobei ja insbesondere in den Städten das Autofahren aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens keine wirkliche Freude mehr ist. Werden neue, vernetzte Services das Fahrerlebnis aufwerten können?
Davon sind wir überzeugt. Die Verschmelzung von Fahrzeugen mit der Infrastruktur wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel intelligente und vernetzte Ampelschaltungen, die für einen flüssigeren Verkehr sorgen oder Hinweise auf freie Parkplätze im Umkreis meines Navigationsziels. Denkbar ist durch die Vernetzung der Fahrzeuge aber auch, dass mich mein Wagen abends künftig vor der Haustür absetzt und sich selbstständig einen Parkplatz sucht. Sicherlich wird sich der Mobilitätsmix in den Städten künftig verändern, das Auto wird aber auch weiterhin seinen Platz in dieser intelligenten Kombination aus verschiedenen Fortbewegungsmitteln haben.

 

Herr Steffen, welche Rolle spielen Daten und ihre Analysen, um ein Szenario wie das eigenständige Parken überhaupt möglich zu machen?
Eine entscheidende. Allerdings müssen auf dem Weg dahin noch einige Erfahrungen gesammelt werden. Dennoch sind wir heute technisch dazu in der Lage, die dafür nötigen Daten aus den unterschiedlichen Quellen nicht nur zu sammeln, sondern auch entsprechend auszuwerten und den Fahrzeugen sowie der umliegenden Infrastruktur zur Verfügung zu stellen – mit einem deutlich positiven Effekt auf den Individualverkehr in den Städten. Denn es würde das Defizit unserer heutigen Navigation ausmerzen, die bei einem Stau alle auf dieselben Routen ausweichen lässt, und den Verkehr intelligent und individuell regeln können.

 

Reden wir hier über eine Auswertung in Echtzeit?
Dafür müssen wir den Begriff „Echtzeit“ zunächst definieren. Neue Mobilfunkstandards wie 5G ermöglichen eine nahezu lückenlose Kommunikation mit dem Fahrzeug – mit Prioritäten. Der Notbremsassistent muss natürlich sofort funktionieren. Die Umleitung für den Stau in 20 Kilometern hat hingegen etwas mehr Zeit. In der Automobilwelt heißt Echtzeit tatsächlich jetzt. In der IT war mit Echtzeit hingegen schon immer ein Zeitfenster von etwa 20 Minuten gemeint – wobei auch das schon einen immensen Mehrwert für die Mobilität der Zukunft in vernetzten Fahrzeugen bedeutet.

 

Die Vorteile liegen auf der Hand. Vernetzte Fahrzeuge sind jedoch auch angreifbar. Wie sicher ist das Fahren der Zukunft?
Da es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt, muss die Fahrzeugarchitektur so gestaltet sein, dass es zu keinen kritischen Durchgriffen kommen kann. Das ist vergleichbar mit den Sicherheitsvorkehrungen großer Rechenzentren, wo Angreifer in der Regel nicht über die Peripherie der Architektur hinauskommen und dort mit falschen Daten gefüttert werden, bevor die Kavallerie anrückt. Die Risiken sind also beherrschbar.

 

Herr Dr. König, welches Bild zeigt sich auf dieser Grundlage in Zukunft auf unseren Straßen?
Ich glaube, wir werden ein sehr heterogenes Bild auf unseren Straßen mit einem bunten Mobilitätsmix sehen. Die Nutzer werden künftig an vielen Stellen die Wahl haben. Und letztendlich wird sich durchsetzen, was dem Bedarf der Menschen in den Städten am besten gerecht wird.

 

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