»KI braucht mehr als nur Technologie«

August 2018 | Capital | Finance 4.0

»KI braucht mehr als nur Technologie«

Künstliche Intelligenz und Blockchain bieten der Finanzwelt jede Menge Möglichkeiten – die es allerdings zu nutzen gilt.

Stefan Hasler, Partner und Bankenexperte bei Q_PERIOR | Sebastian Umlauf, Manager und Versicherungsexperte bei Q_PERIOR | Christoph Hahn, Associate Partner und Experte für Digital Innovation bei Q_PERIOR
Q_PERIOR / Unternehmensbeitrag

Herr Hasler, warum setzen immer mehr Banken auf sogenannte Robo Advisor?
Der Kostendruck auf Banken nimmt zu – vor allem in den personalintensiven Bereichen. Daher gilt es, Kosten zu senken, aber auch neue Zielgruppen zu erschließen. Dafür sind Robo Advisor natürlich ideal, weil mit ihrer Hilfe eine Beratungsdienstleistung einem viel breiteren Publikum angeboten werden kann. Für Banken heißt das: Sie können sich zusätzliches Geschäft erschließen.

Trotz Robo Advice: Der Einsatz künstlicher Intelligenz, kurz KI, in der Bankenwelt steht erst ganz am Anfang.
Das stimmt. Insgesamt ist die Branche eher reaktiv bei Digitalisierungsthemen, die Einfluss auf das Geschäftsmodell haben. Was wir derzeit am Markt sehen, ist eine regelbasierte Umsetzung. Wirklich ‚intelligente’ Robo Advisor müssten in der Lage sein, auch zukunftsgerichtete Performance-Erwartungen zu ermitteln – analog zum heutigen Aktien-Research. Das ist derzeit allerdings noch Zukunftsmusik, wäre theoretisch aber möglich.

Herr Umlauf, wie weit ist die Versicherungsbranche bei KI-Themen?
Die Versicherungsbranche ist schon etwas weiter beim Einsatz von KI als manche Banken, insgesamt aber auch noch nicht sehr weit. An dieser Stelle sei betont: KI hebt nicht ausschließlich klassische Prozesskostenvorteile aus der Automatisierung, sondern erlaubt der Technologie vielmehr, auch in neuen Feldern Nutzen zu erzielen, etwa im Vertrieb oder beim Verständnis des Kundens. Die große Herausforderung sind allerdings die Daten als Grundzutat für KI. Zwar haben Versicherer jede Menge davon, die Vorarbeit fehlt jedoch. Das Stichwort ist Big Data: Welche Daten habe ich? Wie gehe ich mit ihnen um? Wie kann ich sie so aufbereiten, dass sie einen Mehrwert ergeben?

Das klingt nach Fragen, die die gesamte Branche und nicht nur einen Versicherer betreffen.
Absolut. Daher ist es aus unserer Sicht auch empfehlenswert sich wann immer möglich zusammenzuschließen. Denn KI-Lösungen würden von gemeinsamen Daten immens profitieren. Das heißt nicht, dass man sich in die Karten gucken lassen muss. Für Kunden sind die meisten Dinge im inneren der Versicherer ohnehin nicht entscheidend, für sie zählt das Ergebnis. Wie solche Kooperationen funktionieren können, zeigt die Automobilindustrie. Beim Datenaustausch ist allerdings immer wichtig, das Kartell- und Datenschutzrecht zu berücksichtigen.

Herr Hahn, was macht die Finanzbranche mit Blick auf KI-Lösungen aus technischer Sicht bereits richtig?
Viele Unternehmen haben erkannt, dass man im digitalen Zeitalter mehr ausprobieren muss und nicht immer alles perfekt in die komplexe Backend-Welt integriert. Das ist die Grundlage der bimodalen IT: Einerseits gibt es die sicheren und stabilen Kernsysteme, andererseits die agilen, den Kunden zugewandten Lösungen, die durchaus einen experimentellen Charakter haben dürfen. Ein Beispiel für eine solch agile Lösung ist der digitale Versicherungsassistent, den wir entwickelt haben und der mit Hilfe von KI Schäden analysiert. Die Software entscheidet anhand eines Bildes, ob es zu einer automatisierten Regulierung kommt oder der Fall an einen Mitarbeiter weitergegeben wird. Solche Lösungen haben insbesondere bei unvorhersehbaren Ereignissen für die Kunden einen Mehrwert – etwa, wenn nach einem Sturm die Telefone bei den Versicherern heiß laufen.

Was kommt außer KI noch?
Eine weitere Komponente, die in Zukunft starken Einfluss auf die Geschäftsprozesse haben wird, ist die Blockchain. In der Versicherungsbranche sind das derzeit Lösungen zur Betrugserkennung. Bei unserem digitalen Versicherungsassistenten werden Schäden zusätzlich in einer Blockchain abgelegt. Somit können alle angebundenen Gesellschaften sehen, ob ein Schaden schon einmal anderweitig reguliert wurde.
 

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