Der Faktor Mensch

August 2018 | Capital | Finance 4.0

Der Faktor Mensch

Eher ein Hand-in-Hand von Mensch und Maschine als ein klassischer Robo Advisor – so präsentiert sich der Warburg Navigator.

Bente Lorenzen, Analystin Investment Office bei M.M.Warburg & CO
M.M.Warburg & CO / Unternehmensbeitrag

Frau Lorenzen, digitale Vermögensberatung von einer Privatbank – warum haben Sie mit dem Warburg Navigator einen Robo Advisor in Ihr Angebot aufgenommen?
Weil wir davon überzeugt sind, dass der Ansatz, den wir mit dem Warburg Navigator verfolgen, unseren Kunden einen Mehrwert bietet. Einerseits bekommen Kunden einen einfachen und bequemen Zugang zu unserer Vermögensverwaltung, andererseits haben sie ihr Vermögen jederzeit und transparent im Blick. Und natürlich können wir dank dieser Digitalisierung die Vermögensverwaltung auch für kleinere Anlagebeträge zugänglich machen, sodass nun auch andere Kundengruppen Zugang zu passenden Anlagestrategien erhalten, die bisher vor allem institutionellen Kunden vorbehalten waren.

Wobei eine Mindestanlagesumme von 20.000 Euro noch immer eher vermögende Kunden anspricht.
Eine klassische Vermögensverwaltung mit dem individuellen Zuschnitt lohnt sich unter anderem aufgrund der umfangreichen regulatorischen Vorgaben heutzutage erst ab einer höheren sechsstelligen Summe. Als Privatbank verfügen wir in diesem Bereich über eine jahrzehntelange Erfahrung sowie ausgewiesene Experten. Diese wollen wir mit dem Warburg Navigator einem breiteren Kundenkreis zugänglich machen. Wir ändern damit nicht die Strategie oder Ausrichtung der Bank, wir sind auch kein klassisches FinTech, sondern nutzen die technischen Möglichkeiten von heute gezielt für unsere Kunden. Sie profitieren in dieser Hinsicht von den Vorteilen aus beiden Welten.

Der Warburg Navigator unterscheidet sich also vom Angebot anderer Robo Advisor. Was ist der Hintergrund?
Die klassischen Robo Advisor der ersten Stunde sind regelbasiert, nutzen Algorithmen und quantitative Strategien für die Vermögensverwaltung. Das hat viele Vorteile, ein Nachteil ist jedoch, dass man quasi durch den Rückspiegel investiert. Denn nur aus der Rückbetrachtung der Märkte lassen sich natürlich auch valide Daten generieren. Unser Ansatz ist es jedoch, unsere Kernkompetenzen aus der Vermögensverwaltung mit in den Warburg Navigator zu integrieren. Das heißt beispielsweise, dass Markteinschätzungen aus unserem Investmentrat mit einfließen und unser Navigator damit eine aktive Komponente bekommt, die nur wenige andere Lösungen bieten können.

Das heißt, der Faktor Mensch spielt eine große Rolle für den Navigator?
Absolut. Zum einen aufgrund der eben angesprochenen taktischen Einschätzungen, die mit in die Portfoliokonstruktion einfließen. Zum anderen auch aufgrund der Tatsache, dass unsere Algorithmen von Kollegen programmiert werden, die seit vielen Jahren die Anlage großer Summen verantworten und somit viele Hochs, aber auch Tiefs an den Börsen durchlebt haben.

Tätigt der Algorithmus dann überhaupt eigenständig Transaktionen?
Unser Algorithmus analysiert täglich auf Basis tausender Daten die Struktur der Portfolios und leitet daraus die unter Risikogesichtspunkten optimale Allokation ab. Bevor Transaktionen getätigt werden, erfolgt aber immer eine weitere Plausibilitätsprüfung. Im Zweifel greift unser Chefstratege sogar manuell ein. Denn nicht immer ist ein mathematischer Transaktionsvorschlag die ideale Entscheidung. Im Januar etwa hat der Algorithmus aufgrund geringer Schwankungen an den Märkten eine Anhebung der Aktienquote vorgeschlagen. Das war mathematisch nachvollziehbar, für unseren Chefstrategen waren beide Kennzahlen jedoch so gering, dass für ihn eine Korrektur mehr als in der Luft lag. Und der Vola-Crash im Februar hat ihm Recht gegeben.

Auf welche Produkte setzen Sie bei der Portfoliokonstruktion?
Wir bieten unseren Kunden je nach Risikoneigung sieben verschiedene Strategien an. Für die Diversifikation setzen wir sowohl auf ETFs als auch auf aktiv gemanagte Fonds, die wir als Bank günstiger erwerben können – insbesondere in speziellen Märkten. Marktrisiken haben wir über die Kennziffer Value at Risk im Blick, die je nach Strategie zwischen vier und 16 Prozent liegen kann.


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