Effizienter werden

Dezember 2018 | Handelsblatt | Perspektiven 2019

Effizienter werden

Mit der Energiewende soll nicht nur auf Erneuerbare umgestellt, sondern Energie auch eingespart werden. Dafür gibt es staatliche Förderung.

Illustration: Zully Kostka
Olaf Strohm / Redaktion

Wer für 2019 eine Sanierung plant, kann mit den richtigen Weichenstellungen bares Geld sparen. Denn Energie ist ein enormer Kostenfaktor – und ein entscheidender Baustein der deutschen Energiewende. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren – jeweils gegenüber 2008. Um die im „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ verankerten Einsparziele zu erreichen, will die Bundesregierung unter anderem das Bewusstsein aller Akteure erhöhen, wo Energieeffizienzpotenziale bestehen und wie diese lukrativ nutzbar sind.


Mit knapp 30 Prozent liegen die privaten Haushalte an der Spitze der Energieverbraucher. In Privathaushalten wird die meiste Energie für die Heizung aufgewendet. Rund 87 Prozent der von Haushalten insgesamt benötigten Endenergie entfallen auf die Erzeugung von Wärme. Wer also dauerhaft sparen will, muss seine Heizkosten konsequent senken. In den letzten zehn Jahren haben sich die Preise für Heizenergie im Durchschnitt mehr als verdoppelt, Öl ist sogar mehr als drei Mal so teuer. Es lohnt sich also, in Dämmung, Wärmeschutzfenster und eine moderne Heizung zu investieren.


Zunächst aber sollte man einen Energieberater zu Rate ziehen, der einen Energieausweis für das Gebäude ausstellt. Für die Finanzierung einer energetischen Sanierung stehen zinsgünstige Förderkredite der staatlichen KfW-Förderbank zur Verfügung. Zudem offeriert der Staat Zuschüsse für viele Maßnahmen, beispielsweise für den Einbau von Solarwärmeanlagen, Wärmepumpen oder Holzpelletheizungen.


Der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ist ebenfalls vom Heizverhalten abhängig. Raumwärme macht hier immerhin die Hälfte des Endenergieverbrauchs aus. Gleichzeitig ist hier der Stromanteil relativ am höchsten, was auf den verstärkten Einsatz für Beleuchtung und mechanische Energie zurückzuführen ist. Mittelständler können Energiesparmaßnahmen fördern lassen, etwa die Beratung durch Energieexperten. Der Staat setzt zudem Anreize für die Entwicklung und den Einsatz effizienter Technologien, für die Vermeidung oder Nutzung von Abwärme sowie für die Einführung von Energie- und Umweltmanagementsystemen.


Energieverbraucher Nummer Eins in der Industrie ist die Prozesswärme, sie benötigt etwa zwei Drittel des Endenergieverbrauchs. Mechanische Energie, etwa zum Betrieb von Motoren oder Maschinen, sorgt für etwa ein Viertel des Verbrauchs, Raumwärme hat nur einen kleinen Anteil.


In der Industrie ist das Einsparpotenzial laut KfW enorm: Bis zu 80 Prozent Energie sollen hier eingespart werden können. So soll allein eine verbesserte Wärmerückgewinnung in der Fertigungstechnik bis zu ein Fünftel an Energie einsparen. Dazurechnen müsse man, dass nach einer Modernisierung die Kosten für Wartung und Instandhaltung sinken. Schon ab einer Einsparung des Energieverbrauchs von zehn Prozent können produzierende Betriebe Fördermaßnahmen der KfW  in Anspruch nehmen.


Die KfW erzählt hierzu das Beispiel der Flensburger Brauerei, die in einer Produktionshalle das Dach hochwertig gedämmt und eine moderne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut hatte. Das habe sich ausgezahlt. Allein durch die Sanierung der Halle, für die Flensburger einen günstigen KfW-Kredit in Höhe von 714.000 Euro nutzte, werden um die 30 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Eine neue Förderanlage, ebenfalls mit KfW-Mitteln errichtet, spart Flensburger jährlich etwa 30 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs ein.
Am 1. Januar 2019 tritt die neue Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau in Kraft. Auch hier wird Energieberatung durch Sachverständige gefördert, außerdem Investitionen für langlebige Wirtschaftsgüter, die die Energieeffizienz des Produktionsprozesses landwirtschaftlicher Primärerzeugnisse maßgeblich steigern. Darunter zählen etwa E-Motoren, Pumpen, Ventilatoren, Kälteanlagen, Wärmespeicher, effiziente Gewächshaushüllen und die Umrüstung von Beleuchtungssystemen auf LED-Technik.