Innovativ sparen

Juli 2018 | Handelsblatt | Innovation 4.0

Innovativ sparen

Wer Energie im Unternehmen einspart, gewinnt doppelt: Effizienzmaßnahmen werden öffentlich gefördert

Illustration: Mario Parra
Juliane Moghimi / Redaktion

Das Hamburger Stadtviertel Hafencity Ost wird fast vollständig mit Abwärme beheizt. Sie kommt von der Aurubis AG, einem der größten Kupferhersteller der Welt. Die dort unter anderem bei der Umwandlung von Schwefeldioxid in Schwefelsäure entstehende Hitze wird abtransportiert und steht so mehreren Tausend Haushalten in der Hafencity als Fernwärme zur Verfügung. Dadurch werden jährlich rund 20.000 Tonnen CO² gespart. Um das zu ermöglichen, waren umfangreiche prozesstechnische Änderungen und der Bau einer neuen Fernwärmetrasse notwendig. Von den insgesamt 17 Millionen Euro, die das Projekt kostete, übernahm die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 5 Millionen.

Viele gute Gründe

Für Aurubis bedeutet das Abwärme-Projekt einen starken Imagegewinn als sauberes Unternehmen. Dass es darauf ankommt, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Statista-Umfrage: 49 Prozent der Befragten nannten die Erderwärmung bzw. den Klimawandel als wichtigstes Umweltproblem. Das Bewusstsein der Konsumenten wächst – und mit ihm die Ansprüche, die sie an die Industrie stellen. Abgesehen davon wird Aurubis etwa ein Viertel der umgeleiteten Abwärme selbst nutzen und damit auch die eigenen Betriebskosten senken können.

Neben Klimaschutz und dem positiven Außenbild sind die direkten innerbetrieblichen Kostenersparnisse das wichtigste Argument für Investitionen in mehr Energieeffizienz. Wer weniger Energie verbraucht, spart bares Geld – und macht sich zudem weniger abhängig von fossilen Ressourcen und ihren schwankenden Preisen.

Schritt für Schritt zu mehr Effizienz

Erfahrungen zeigen, dass mittelständische Unternehmen im Schnitt bis zu 30 Prozent ihres Energieverbrauchs sparen können. Ein sinnvoller erster Schritt dorthin ist die fachmännische Beratung: Experten von außen analysieren Einsparmöglichkeiten und entwickeln dann konkrete Konzepte. Die Energieberater helfen bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit verschiedener Maßnahmen und kennen sich zudem mit den Fördermöglichkeiten aus. Für kleine und mittlere Unternehmen übernimmt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bis zu 80 Prozent der Beratungskosten.

Ist einmal ermittelt, an welchen Stellen angesetzt werden kann, werden die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt. Dabei geht es nicht nur um den Neubau energieeffizienter Gebäude: Auch vorhandene Bauten und Prozesse können optimiert werden. Möglich sind unter anderem eine energetische Sanierung, beispielsweise von Fassaden zur Wärmedämmung, oder der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen. Digitale Technologien können helfen, Räume effizient zu lüften, zu temperieren und zu beleuchten. Abwärme kann umgeleitet und weiter genutzt werden, statt mit zusätzlichem Energieaufwand zu kühlen.

Beim Weg zu mehr Energieeffizienz greifen verschiedene Förderprogramme. So fördert die KfW unter anderem das Abwärmemanagement, energetische Sanierungen, die Optimierung von Produktionsanlagen und -prozessen sowie die Nutzung erneuerbarer Energien wie Geothermie oder Windkraft.