Mobilität der Zukunft

Dezember 2015 | Handelsblatt | Energien der Zukunft

Mobilität der Zukunft

Eine der größten Herausforderungen der Energiewende ist der Verkehrssektor.

Illustration: Ivonne Schulze
Ole Schulz / Redaktion

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben: Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40 Prozent gesenkt werden, bis 2050 sogar um mindestens 80 Prozent. Doch nach derzeitigem Stand wird Deutschland sein selbstgestecktes Ziel trotz Erfolgen bei der Energiewende nicht erreichen. „Erheblich gefährdet“ sei die Zielsetzung, urteilte die Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring-Bericht der Bundesregierung im November. So sind die Emissionen im Vorjahr zwar um 1,7 Prozent gesunken, sie müssten sich im Schnitt aber jährlich um gut drei Prozent verringern.

 

Einen erheblichen Anteil daran, dass es im Fahrplan der Energiewende hakt, hat der Verkehrssektor – hier ist der Energieverbrauch in Deutschland 2014 sogar gestiegen. Insgesamt verursacht der Verkehr – vor allem auf der Straße – rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen. In erster Linie sind dieselbetriebene Transporter und Lastwagen die großen Dreckschleudern. 

 

Auch global betrachtet kommt dem Verkehr entscheidende Bedeutung zu, wenn wir das Ziel von maximal Zwei-Grad-Erderwärmung noch erreichen wollen. Nach einer neuen Studie des Mercator Research Institute müsse dafür der Kraftstoffverbrauch von Verbrennungs-
motoren sinken – und deren Nutzung deutlich abnehmen. Laut der Berliner Forscher könnte es nur durch einen großflächigen Wechsel zu Elektroautos und eine Förderung des öffentlichen Nahverkehrs in den Städten gelingen, die CO2-Emissionen im Verkehr bis 2050 zu halbieren.

 

Auch Erdgas kann auf dem Weg in eine schadstoffarme automobile Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten – als Übergangstechnologie. Erdgasautos stoßen rund ein Viertel weniger klimaschädliches CO2 aus als Benziner, und deutlicher weniger gesundheitsschädliche Rußpartikel und Stickoxide als Dieselfahrzeuge. Zudem laufen sie wesentlich leiser. 

 

Doch bei den Verbrauchern fristen Erdgasautos weiterhin ein Schattendasein, die Zulassungen bewegen sich in Deutschland bei weit unter 10.000 Einheiten pro Jahr. Dabei wird die Palette von mit Erdgas angetriebenen Serienfahrzeugen immer größer und der preisliche Abstand zu Dieselfahrzeugen beim Erwerb immer kleiner. Einzige Einschränkung ist die Infrastruktur – mit knapp 1.000 Tankstellen in ganz Deutschland. 

 

Erdgas und sein Netz könnte insbesondere als Speichermedium zum Gelingen der Energiewende beitragen. Das Zauberwort heißt Power-to-Gas: Abfallstoffe oder überflüssiger Ökostrom aus Windkraft- und Solaranlagen werden dabei in Methan umgewandelt. Der entscheidende Vorteil daran ist, dass das Gas, im Gegensatz zum Stromnetz, eine ausreichende Speicherkapazität bietet. Das ist wichtig, weil der Ökostrom unregelmäßig anfällt – nur wenn die Sonne scheint oder es windet.

 

Audi testet das vielversprechende Verfahren seit 2013 in Werlte nahe der holländischen Grenze. Hier hat der Ingolstädter Autobauer die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage errichtet. Doch noch hat sie einen geringen Wirkungsgrad und das so gewonnene Methan ist in der Herstellung teuer. Um die Entwicklung zur Marktreife voranzutreiben, bedarf es koordinierter Maßnahmen aller Akteure.

 

Das gilt auch, um das Potenzial von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) auszuschöpfen. LNG-Fahrzeuge stoßen fast 20 Prozent weniger CO2 als dieselbetriebene aus,
und importiertes LNG ist zudem rund ein Viertel billiger als Rohöl. Gerade für Lastfahrzeuge ist LNG eine umweltfreundlichere und billigere Alternative zum herkömmlichen Dieselantrieb. Dafür wird Erdgas verflüssigt, in dem es auf -162 Grad Celsius heruntergekühlt wird, wodurch sich das Volumen des Kraftstoffs um das 600-fache verringert und die Reichweite entsprechend vergrößert. Allerdings liegt die KW-Leistung von Erdgas-LKW noch unter denen von dieselbetriebenen Lastfahrzeugen.

 

Um LNG im Schwerlastverkehr durchzusetzen, wurde nun Ende November von der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (dena), der Unternehmens-Initiative Zukunft Erdgas und dem Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) eine „LNG-Taskforce“ gegründet. Sie will Markthindernisse abbauen und Handlungsempfehlungen ausarbeiten. Vorbild sind die Niederlande. Dort haben strategische Initiativen der beteiligten Stakeholder dem Flüssig-Erdgas zum Marktdurchbruch verholfen.