Den Zuckerspiegel kontinuierlich im Blick

Oktober 2017 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Den Zuckerspiegel kontinuierlich im Blick

Wer an Diabetes leidet, muss seinen Zuckerspiegel immer im Blick haben. Mit dem FreeStyle Libre gibt es nun eine innovative Methode den Zucker zu kontrollieren.

Nicht größer als eine 2-Euro-Münze misst der FreeStyle Libre Sensor kontinuierlich den Zuckerspiegel im Gewebe.
Abbott Diabetes Care / Unternehmensbeitrag

Herr Prof. Haak, wie unterscheiden sich Typ-1- und Typ-2-Diabetes?
Beim Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Die Ursache hierfür ist allerdings noch nicht im Detail bekannt. Beim Typ-2-Diabetes fehlen die insulinproduzierenden Zellen nicht – im Gegenteil: Sie sind im Überfluss vorhanden, allerdings sprechen die Zellen, die Zucker benötigen, auf das Hormon nicht mehr an. Für den Typ-2-Diabetes sind das Erbgut und der Lebenswandel – also zu wenig Bewegung und eine Überernährung verantwortlich.
 

Tritt der Typ-2-Diabetes entsprechend häufiger auf?
Ja. Während nur fünf bis zehn Prozent aller Diabetiker unter Typ 1 leiden, handelt es sich bei über 90 Prozent der Fälle um den Typ-2-Diabetes. Früher wurde der Typ 2 auch als Altersdiabetes bezeichnet, allerdings werden die Patienten heute immer jünger. Wir sprechen aktuell über 800 bis 1.000 Neuerkrankungen pro Tag. Das sind alarmierende Zahlen und es ist dringend nötig, mehr für die Prävention zu tun und auch massiv in die Ernährung einzugreifen. Denn während hochkalorisches Essen im Überfluss vorhanden ist, geht der durchschnittliche Deutsche heute gerade einmal 800 Meter am Tag.
 

Ist der Typ-2-Diabetes gut behandelbar?
Das ist er in der Tat – vor allem mit mehr Bewegung und über die Ernährung. Es gibt darüber hinaus mittlerweile aber auch eine große Auswahl an gut verträglichen Medikamenten, die die Therapie zusätzlich unterstützen. Sie sorgen vereinfacht ausgedrückt dafür, dass das Insulin im Körper wieder besser wirkt.
 

Wobei es sich dennoch um eine fortschreitende Krankheit handelt. Irgendwann werden Insulinspritzen nötig.
Das ist richtig und gilt für beide Typen gleichermaßen. Denn auch beim Diabetes Typ 2 werden mit den Jahren der Erkrankungsdauer die insulinproduzierenden Zellen abgebaut. Ohne das Hormon kann der Zucker dann nicht mehr in die Zellen gebracht werden und der Zuckerspiegel steigt an. Zu Beginn sind Insulinspritzen beim Typ-2-Diabetes unterstützend und werden beispielsweise nachts gesetzt. Irgendwann müssen aber auch Typ-2-Diabetiker zu den Mahlzeiten Insulin spritzen.
 

Warum ist es für Diabetiker so wichtig, ihren Zuckerspiegel zu messen?
Unter der Zuckerkrankheit leidet irgendwann der ganze Körper. Chronische Wunden, Schlaganfälle, Nierenschäden oder sogar Erblindung können die Spätfolgen des Diabetes mellitus sein – vor allem dann, wenn der Zuckerspiegel nicht gut eingestellt ist. Beide Extreme, also der zu hohe Zuckerspiegel und auch die Unterzuckerung, sind gefährlich. Daher müssen Diabetiker ihren Stoffwechsel permanent kontrollieren, vor dem Essen, beim Sport oder bevor sie sich ans Steuer setzen.
 

Und dafür braucht es jedes Mal einen Blutstropfen aus dem Finger?
Bisher war das so, ja. Allerdings gibt es mit dem FreeStyle Libre nun eine innovative Methode, den Stoffwechsel zu überwachen. Hierfür wird ein Sensor auf dem Oberarm der Patienten platziert, der den Zuckerwert des Gewebes misst1 – und zwar kontinuierlich, wenn er am Körper getragen wird. Zum Testen des Zuckerspiegels müssen die Patienten dann nur noch das Lesegerät an den Sensor halten und haben innerhalb von Sekunden ihr Ergebnis(2).


Wie lange hält der Sensor auf der Haut?
Er wird alle 14 Tage ausgetauscht. In dieser Zeit können Sie jedoch alles machen: Baden, Duschen, Schwimmen(3), Sport, Sauna, es gibt hier keine Einschränkungen.
 

Wo liegt der Vorteil gegenüber der herkömmlichen Blutzuckermessung?
Ich würde sagen, es ist die reibungslose Integration in den Alltag. Zumindest spiegeln mir das meine Patienten wider. Sie brauchen keine Lanzette, müssen sich nicht in den Finger stechen, nicht daran denken, genügend Teststreifen dabei zu haben (1,2). Die Messungen erfolgen mit dem FreeStyle Libre automatisch, sie müssen den Sensor nur auslesen.
 

Und die Wirksamkeit des FreeStyle Libre wurde klinisch getestet?
Natürlich – sowohl beim Typ-1- als auch beim Typ-2-Diabetes. Interessant ist, dass beide Studien gezeigt haben, dass es keine Verschlechterung des Stoffwechsels bei den Patienten gab, die den FreeStyle Libre zur Überwachung des Zuckers eingesetzt haben. Allerdings kam es seltener zu einer gefährlichen Unter- zuckerung und auch die Zufriedenheit der Patienten war größer (4,5).
 

Und die Kosten?
Mit Blick auf die reine Überwachung ist der FreeStyle Libre tatsächlich fast kostenneutral, was sicher auch ein Grund dafür ist, dass so viele Krankenkassen diese mittlerweile auch tragen. Wenn allerdings nur einmal im Jahr der Einsatz eines Notarztes aufgrund einer Unterzuckerung eines Patienten vermieden werden kann, dann spricht das eindeutig für den Einsatz des Sensors.
 

1    Das Setzen eines Sensors erfordert ein Einführen des Sensorfilaments unter die Haut. Der Sensor kann bis zu 14 Tage lang getragen werden.
2    Eine zusätzliche Prüfung der Glukosewerte mittels eines Blutzucker-Messgeräts ist erforderlich bei sich schnell ändernden Glukosespiegeln,
    weil die Glukosewerte in der Gewebeflüssigkeit die Blutzuckerwerte eventuell nicht genau widerspiegeln, oder wenn das System eine Hypo-
    glykämie oder  eine anstehende Hypoglykämie anzeigt, oder wenn die Symptome nicht mit den Messwerten des Systems übereinstimmen.
3    Der Sensor ist in bis zu 1 m Wassertiefe für die Dauer von bis zu 30 Minuten wasserfest.
4    Haak, Thomas, et al. Flash Glucose-Sensing Technology as a Replacement for Blood Glucose Monitoring for the Management of Insulin-
    Treated Type 2 Diabetes: a Multicenter, Open-Label Randomized Controlled Trial. Diabetes Therapy. 2017; 8 (1): 55–73.
5    Bolinder, Jan, et al. Novel glucose-sensing technology and hypoglycaemia in type 1 diabetes: a multicentre, non-masked, randomised
    controlled trial. The Lancet. 2016; 388 (10057): 2254-2263.

 

Ja zum fortschrittlichen Diabetesmanagement
 

Dr. Ansgar Resch, General Manager der Firma Abbott Diabetes Care, zeigt sich äußerst erfreut, dass die meisten gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen die Chancen des fortschrittlichen Diabetesmanagements mit Freestyle Libre für Menschen mit einem insulinpflichtigen Diabetes erkannt haben. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen einschließlich vieler AOKs die Kosten dafür vollständig übernehmen. Voraussetzung hierfür ist eine ärztliche Verordnung, die eine intensivierte Insulinbehandlung bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes bestätigt.

Die  privaten Krankenversicherungen und die Beilhilfestellen des Bundes und der Länder erstatten ebenfalls die Kosten von FreeStyle Libre abhängig von dem jeweiligen individuellen Tarif.


www.abbott.de       www.freestylelibre.de