Kampf um das Augenlicht

Dezember 2015 | Die Zeit | Volkskrankheiten

Kampf um das Augenlicht

Eine frühe Erkennung von Augenerkrankungen und eine konsequente Behandlung können oftmals verhindern, dass der Patient erblindet.

Illustration: Sabina Keric
Dr. Ulrike Schupp / Redaktion

Millionen von Menschen leiden an Erkrankungen am Auge, die unbehandelt zu schweren Sehbehinderungen und sogar zur Erblindung führen können. Nicht immer werden die Symptome rechtzeitig erkannt. Weit verbreitet sind der Graue Star, der Grüne Star, die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die diabetische Retinopathie und das diabetische Makulaödem. 

 

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, zwischen 65 und 75 Jahren. Bei den unter 50-Jährigen leidet beispielsweise weniger als ein Prozent unter einem Glaukom, dem gefürchteten grünen Star. Bei den über 80-Jährigen sind es dagegen bereits fünf Prozent. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland ist mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen zu rechnen. 

 

Allerdings ist das Risiko zu erblinden durch den medizinischen Fortschritt heute wesentlich geringer als früher. Die Häufigkeit von Blindheit und schwereren Sehbehinderungen ist, wenn man den höheren Anteil älterer Menschen entsprechend berücksichtigt, zwischen 1993 und 2009 sogar um rund zehn Prozent gesunken.

 

Früh erkannt, lassen sich die meisten Augenerkrankungen ganz oder teilweise heilen. Einige sind sogar gänzlich vermeidbar. Trotzdem schlagen die Kosten, die dem Gesundheitssystem durch die Folgen der Erkrankungen entstehen, mit bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr zu Buche. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Augenheilkunde, kritisieren hier vor allem mangelndes Problembewusstsein. „Die meisten Menschen verbinden den Begriff Volkskrankheit mit Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Gelenkverschleiß oder Diabetes, an Augenleiden denken die wenigsten“, sagt Christian Ohrloff von der DOG. Dabei sei allein schon der operative Austausch der Augenlinse beim grauen Star einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe überhaupt.

 

Dem Versorgungsforscher Steffen Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München zufolge betragen die Kosten für die Behandlung des grauen Stars jährlich über 600 Millionen Euro. 

 

Bei der diabetischen Retinopathie, der altersbedingten Makuladegeneration oder auch beim Glaukom sind es die Medikamente, welche die meisten Kosten verursachen. Neubauer erechnete in seiner Studie von 2014 zu den volkswirtschaftlichen Kosten von Augenerkrankungen eine Gesamtsumme von 2,6 Milliarden an direkten Kosten. Hinzu kommen so genannte indirekte Kosten, die durch Erwerbsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit oder den Verlust an Produktivität entstehen. Und Augenerkrankungen bedeuten für die  Betroffenen zudem oft einen beträchtlichen Verlust an Lebensqualität. 

 

Umso wichtiger ist es, entsprechend vorzubeugen. Dies gelingt durch das Vermeiden von Risikofaktoren sowie auch durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Was wenige wissen: Augenerkrankungen können durch das Rauchen und seine gefäßschädigende Wirkung verschlimmert werden. Nikotingenuss gilt besonders für die altersbedingte Makuladegeneration als Risikofaktor, aber auch für das Auftreten des Grauen Stars, des Glaukoms und das Leiden an trockenen Augen. Zu den vermeidbaren Risiken zählen außerdem Verbrennungen durch Sonnenlicht und UV-Strahlen, die ebenfalls Grauen Star und Makuladegeneration begünstigen. Eine gute Sonnenbrille kann hier jedoch zuverlässig schützen. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte wissen, dass diese die Sauerstoffversorgung der Hornhaut beeinträchtigen können und damit die Tränenflüssigkeit blockieren. Letzteres führt zu trockenen Augen, während eine unsachgemäße Pflege der Linsen Infektionen und Reizungen durch Bakterien hervorrufen kann. Und was die Vorsorge betrifft: Patienten mit Diabetes und Bluthochdruck sollten regelmäßig einmal im Jahr ihre Augen kontrollieren lassen, da diese beiden Erkrankungen oft auch die Gefäße, welche die Netzhaut versorgen, beschädigen. Bei Diabetikern ist zudem das Risiko erhöht, an einem Grauen Star zu erkranken

 

Doch auch wer sich rundum gesund fühlt, sollte einige Termine beim Augenarzt dringend einplanen. Wichtig ist die jährliche Vorsorgeuntersuchung. Denn schließlich lässt sich der Verlauf von Makuladegeneration und Glaukom verlangsamen, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird. Spätestens ab dem 40. Lebensjahr, bei familiärer Vorbelastung sogar ab 30, empfehlen Augenärzte alle vier Jahre eine Kontrolle auf Grünen Star, die allerdings privat bezahlt werden muss.