Dezember 2017 | FOCUS | Meine Gesundheit
Kampf gegen Volkskrankheiten
Die Redaktion befragt Akteure zu Trends und Entwicklungen in der Medizinbranche.
Dezember 2017 | FOCUS | Meine Gesundheit

»Moderne Medizintechnologie rettet Leben.«

Joachim M. Schmitt / BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied

Im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, krankhaftes Übergewicht oder Herzschwäche spielen medizintechnologische Verfahren eine entscheidende Rolle. Beispiel Metabolische Chirurgie: Die Zahl der Menschen mit krankhaftem Übergewicht nimmt dramatisch zu. Das geht mit Folgeerkrankungen wie Diabetes, Asthma, Arthrose oder Bluthochdruck einher. Zudem ist das Risiko für Krebs erhöht.  Ein chirurgischer Eingriff wie Magenbypass oder Schlauchmagen kann Patienten mit einem BMI von über 40 helfen, bei denen konservative Maßnahmen nicht weiterhelfen. Ein weiteres Beispiel: Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. In Deutschland leiden 1,8 Millionen Menschen darunter. Aufgrund der Häufigkeit und dem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig. Hier hilft die Katheterablation als Alternative zur medikamentösen Dauertherapie. Moderne Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Medizintechnologie helfen Leben zu retten und Patienten Lebensqualität zurückzugeben.

www.bvmed.de

Dezember 2017 | FOCUS | Meine Gesundheit

»Frühe Behandlung senkt das Risiko für Komplikationen.«

Baptist Gallwitz / Past-Präsident und Mediensprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

In Deutschland sind ca. 6,7 Mio. Menschen von Diabetes betroffen, jährlich werden es ca. 500.000 mehr. Zirka 90 Prozent leiden an Typ 2 Diabetes, der durch Vererbung und einen Lebensstil mit Bewegungsmangel und überkalorischer Ernährung verursacht wird. Die Lebenszeit ist oft um viele Jahre verkürzt. Die jährlichen Diabetes-Kosten werden auf 35 Mrd. Euro geschätzt. Es gilt, die Lebenserwartung und Lebensqualität dieser Menschen zu normalisieren. Es müssen Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden, die diese bedrohliche Entwicklung stoppen und die Früherkennung der Krankheit muss verbessert werden. Durch frühe und gute Behandlung können Diabeteskomplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Dialysepflicht, Amputationen, Erblindung) deutlich gesenkt werden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) setzt sich dafür ein, dass diese Maßnahmen umgesetzt werden und dass Grundlagenforschung und klinische Forschung und Lehre zu einer besseren Versorgung in der ambulanten und stationären Versorgung bei Diabetes führen.

www.ddg.info

Dezember 2017 | FOCUS | Meine Gesundheit

»Daten sind ein Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft.«

Dr. Johannes Bruns / Generalsekretär; Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Dokumentieren ist keine aufregende Tätigkeit. Doch ein konsequentes Qualitätsmanagement in der Krebsversorgung benötigt eine standardisierte Erfassung und Auswertung von Versorgungsdaten. Deshalb sind die Bundesländer seit 2013 qua Gesetz zum Aufbau klinischer Krebsregister verpflichtet.

Aber wie steht es um die wissenschaftliche Nutzung von Krebsregisterdaten, etwa bei der Bewertung medizinischer Innovationen? Krebsregister erfassen zurzeit personenbezogene Basisdaten, für Forschungszwecke müssen zusätzliche Daten erhoben werden. Wie genau, ist noch offen. Patienten in einer klinischen Studie könnten zum Beispiel ihr Einverständnis geben, dass ihre Studiendaten mit ihren Basisdaten im Krebsregister gematcht, also zusammengebracht und abgeglichen werden, und der Wissenschaft anonymisiert zur Verfügung stehen. Studienergebnisse ließen sich so in Bezug zum gesamten Krankheitsverlauf setzen, Doppeldokumentationen würden vermieden. Für den Wissensgewinn in der Onkologie wäre das ein großer Fortschritt.

www.krebsgesellschaft.de