Genexpressionsdiagnostik: Entscheidungshilfe im Kampf gegen Brustkrebs

Dezember 2017 | FOCUS | Meine Gesundheit

Genexpressionsdiagnostik: Entscheidungshilfe im Kampf gegen Brustkrebs

Nicht immer ist die stark belastende Chemotherapie bei der Brustkrebsbehandlung notwendig: ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Karl-Friedrich Bürrig, Präsident des Bundesverbands Deutscher Pathologen.

Prof. Dr. med. Karl-Friedrich Bürrig, Präsident des Bundesverbands Deutscher Pathologen
Myriad Service GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Professor Bürrig, was genau sagt die Genexpressionsdiagnostik aus?

Die Genexpressionsdiagnostik dient zur Risikoeinschätzung bei Tumoren in der Brust. Sie ermöglicht es, nach der Tumorentfernung anhand verschiedener molekularbiologischer Verfahren Aussagen über die Wahrscheinlichkeit zu treffen, dass der Tumor wieder auftritt oder sich Metastasen bilden. Dieses Wissen ist enorm wichtig, wenn entschieden werden muss, ob die Patientin eine Chemotherapie erhält oder nicht.

 

Wann kommt sie zum Einsatz?

Es gibt verschiedene Eigenschaften, anhand derer die Ärzte entscheiden, ob der Brustkrebs mit einer Chemotherapie behandelt wird oder ob eine Bestrahlung ausreicht. Wir betrachten zum Beispiel die Größe des Tumors, ob er schon gestreut hat und wie stark sich das Tumorgewebe vom gesunden Gewebe unterscheidet. Oft können wir anhand dieser Parameter schon eine Behandlungsempfehlung aussprechen. Es gibt jedoch Patientinnen, bei denen das Risiko schlecht definierbar ist. Um ihnen eine möglicherweise unnötige Chemotherapie zu ersparen, führen wir die Genexpressionsdiagnostik durch.

 

Wer kann das Verfahren in Anspruch nehmen?

Grundsätzlich steht das Verfahren allen Frauen offen, aber nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten. Bei den privaten Kassen ist das in der Regel kein Problem. Die gesetzlichen Krankenkassen warten derzeit noch auf die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses, dessen Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung bestimmen. Allerdings gibt es bereits einen ersten Selektivvertrag zwischen unserem Verband und der BKK VBU, dem sich rund 30 weitere BKKs angeschlossen haben. Dadurch können insgesamt schon vier   Millionen gesetzlich versicherte Frauen von der Genexpressionsdiagnostik profitieren. Patientinnen, die nicht bei einer dieser Kassen versichert sind, können bei ihrem Versicherer einen Antrag auf individuelle Erstattung der Kosten stellen. Diese liegen zurzeit bei etwa 1.800 Euro.

 

Wie ist das Prozedere im Bedarfsfall?

Nach der Entfernung des Tumors werden alle Daten gesammelt. Dazu gehören auch Eigenschaften des Krebses, auf Wachstumsreize oder hormonelle Einflüsse zu reagieren. Spätestens zwei Wochen nach der OP entscheiden in einer interdisziplinären Konferenz Onkologen, Pathologen, Radiologen und Chirurgen gemeinsam, wie die weitere Behandlung erfolgt. Wenn die Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie schwerfällt, veranlasst diese Fachkonferenz die Durchführung der Genexpressionsdiagnostik – selbstverständlich immer in Absprache mit der Patientin.

 

Welche Genexpressions-Tests werden von den Krankenkassen anerkannt?

Es gibt mehrere solcher Tests auf dem Markt. Grundsätzlich herrscht auch hier Methodenfreiheit, das heißt, die Ärzte haben die freie Wahl. Allerdings verlangen in unserem Vertrag die gesetzlichen Krankenkassen für eine eventuelle Kostenübernahme, dass der Test CE-zertifiziert ist. Dies ist meines Wissens aktuell bei drei Tests der Fall, unter anderem bei EndoPredict® von Myriad.

 

www.myriad-genetics.de