Unser Blut wird zur Datenquelle

Juni 2017 | Die Zeit | Leben mit Krebs

Unser Blut wird zur Datenquelle

Um Tumoren präzise zu charakterisieren und ihre molekularen Eigenschaften ergründen zu können, arbeiten Gesundheitsversorger, Forscher und Industrie heute weltweit eng zusammen.

Siemens Healthineers / Unternehmensbeitrag

Der Weg beginnt mit der Früherkennung
 

Bösartige Wucherungen in der Lunge können heute mit einer strahlungsarmen Computertomografie erkannt werden, noch bevor Krankheitsanzeichen auftreten. Studien beweisen, dass ein Screening die Sterblichkeit von Risikopatienten um rund 20 Prozent senken kann1. Darum werden diese Programme in den USA von Fachgesellschaften empfohlen und von den Krankenkassen erstattet. Kritiker führen hingegen an, dass wiederholte Diag-nostik mittels Röntgenstrahlung die Entstehung von Krebs sogar begünstigt. Prof. Dr. Wieland Voigt von Siemens Healthineers begegnet diesem Einwand mit überzeugenden Zahlen: „Wir können die Strahlendosis auf bis zu 0,1 Millisievert pro Untersuchung reduzieren. Das entspricht der Belastung während eines zehnstündigen Fluges.“
 

Wie können wir noch mehr, schneller, genauer erkennen?
 

Während über manche Screeningprogramme in Deutschland noch diskutiert wird, begeistert die Flüssigbiopsie als Verfahren für Patienten mit einer bereits diagnostizierten Tumorerkrankung die Fachwelt. Die Kölner NEO New Oncology GmbH hat ein Verfahren entwik-kelt, das den Nachweis von Tumor-DNA-Profilen im Blut ermöglicht. Für Patienten bringt das vor allem Sicherheit, denn es ermöglicht in Zukunft eine risikoarme Kontrolle ihres Behandlungsverlaufs. Eine kürzlich veröffentlichte Fallstudie bestätigt, wie wertvoll die aus dem Blut gewonnene Information sein kann: Die Flüssigbiopsie zeigte, dass der Tumor eines Lungenkrebs-patienten gegen ein bis dato wirksames Krebsmedikament resistent geworden war. Genau für diese Resistenzsituation stand aber bereits ein alternatives Medikament zur Verfügung – und tatsächlich ließ die Anpassung der Therapie den Tumor schrumpfen.2

Computergestützte Verfahren erhöhen die Präzision
 

Mithilfe von bildgebenden Systemen können Tumoren genauer beschrieben und dadurch die Therapie besser angepasst werden. Ein Beispiel: Weil Tumoren und Metastasen im Vergleich zu gesundem Gewebe eine erhöhte Stoffwechselaktivität aufweisen, können sie mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) betrachtet werden. Und Hybridmodalitäten, die Daten aus Magnetresonanztomografie und PET kombinieren, liefern nicht nur anatomische und funktionelle Informationen zum Tumor, sondern zeigen zusätzlich auch die Stoffwechselaktivität an. Wenn Ärzte und Forscher anatomische und funktionelle Information aus der Bildgebung computergestützt auswerten, lässt sich die Therapie noch präziser aussteuern. Bestrahlungen können noch individueller geplant und mit neuen biologischen Verfahren kombiniert werden. Ein ganz wichtiger Fortschritt, denn eingesetzt bei jedem zweiten Patienten mit bösartigen Tumoren ist die Behandlung mit Strahlen die am häufigsten gewählte und erfolgreichste Therapieform im Kampf gegen Krebs.3
 

1) National Lung Screening Trial Research Team, Aberle DR et al: Reduced lung-cancer mortality with low-dose computed tomographic screening. NEJM. 2011 Aug 4; 365(5):395-409.
2) Gautschi O et al (2015) Successful AZD9291 Therapy Based on Circulating T790M. J Thorac Oncol 10:e122-3
3) http://www.dkfz.de/de/strahlentherapie