Spaziergang zum Kaffeekränzchen

Juni 2019 | stern | Glücklich im Alter

Spaziergang zum Kaffeekränzchen

Gesund bleiben bis ins hohe Alter, wer möchte das nicht? Einiges davon ist Schicksal, anderes haben Sie selbst in der Hand. Worauf Sie achten können, um möglichst lange gesund, fit und aktiv zu bleiben.

Illustrationen: Sylvia Bespaluk by Marsha Heyer Illustratoren
J.W. Heidtmann / Redaktion

Unser Lebensstil beeinflusst in hohem Maß unsere Gesundheit, unser seelisches und körperliches Wohlbefinden – und auch, wie wir altern. Vor allem die Zunahme der so genannten Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Herz- und Kreislaufkrankheiten wie auch einiger Krebsarten ist auf veränderte Lebensgewohnheiten zurückzuführen. Industriell hergestellte Nahrungsmittel mit Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern, viel Salz und Zucker erhöhen die Risikofaktoren für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Zu wenig Bewegung, durch Bildschirmarbeit oder durch die gedankenlose Nutzung des Automobils für kurze Strecken, führen zu erhöhten Risiken für Bluthochdruck, Übergewicht, Herz und Kreislaufkrankheiten. Dazu kommen die schlechten Gewohnheiten, deren Folgen bekannt sind: Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum erhöhen das Risiko zahlreicher Erkrankungen wie Bluthochdruck, Lungen-, Herzerkrankungen und Krebs.

 

Gesund bewegen

 

Grundsätzlich gilt: Regelmäßige Bewegung, am besten Ausdauertraining, senkt den Blutdruck, macht das Herz leistungsfähiger und baut Stresshormone ab. Außerdem verbessert sie den Fettstoffwechsel. Das Risiko sinkt, dass sich Plaques an den Gefäßen ablagern, sie verengen und zu Atherosklerose führen – was im schlimmsten Fall zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen kann. Bauen Sie also in Ihren Alltag Spaziergänge ein. Nehmen Sie häufiger das Fahrrad statt das Auto. Das erleichtert, das Gewicht zu halten und beugt vielen Krankheiten vor.


Gesund trinken

 

Und damit sind nicht Bier, Limo, Cola oder Eistee gemeint. Am besten ist reines Wasser. Es enthält keine Kalorien und ist ein lebenswichtiger Bestandteil des Körpers. Unter anderem durch Schwitzen und Verdunstung verliert der Organismus Flüssigkeit. Rund 1,5 Liter sollten Gesunde deswegen pro Tag trinken. Daneben eignen sich ungesüßte Tees. Grundsätzlich gilt: Flüssigkeiten machen nicht satt, darum sind kalorienhaltige Getränke keine Sattmacher, sondern eher Dickmacher. Viele Kalorien enthalten übrigens auch alkoholische Getränke. Dass Kaffee, in Maßen genossen, ein ungesundes Getränk sei, diese These ist mittlerweile überholt. Er fördert weder den Bluthochdruck noch wirkt er dehydrierend. Es ist sogar wissenschaftlich bestätigt, dass Kaffee das Diabetesrisiko senkt. Also: Achten Sie auf die persönliche Wirkung, die Kaffee bei Ihnen auslöst. Wenn Kaffee Ihnen guttut, laden Sie zum Kaffeekränzchen ein! Verzichten Sie lieber auf die Torte.

 

Gesund ernähren

 

Ausgewogen soll man sich ernähren, heißt es immer wieder. Doch was bedeutet das? Sind Schnitzel und Pommes tabu? Durchaus nicht. Gesund essen bedeutet nicht, dass man nur Gemüse und Salat zu sich nehmen darf, im Gegenteil: Vielfalt ist wichtig. Allerdings sollte man dabei Fleisch möglichst reduzieren, regelmäßig Fisch essen und pflanzlichen, möglichst frischen Nahrungsmitteln den Vorrang geben. Obst und Gemüse enthalten wenig Kalorien, dafür reichlich Vitamine und Mineralstoffe. Zudem stecken darin so genannte sekundäre Pflanzenstoffe, denen Experten zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte zusprechen.


Außerdem: Schonend gegart, also gekocht, ist besser als gebraten. Und: nicht immer das Gleiche essen, sondern Zutaten wechseln. Damit werden dem Körper die wichtigsten Nährstoffe in ausreichender Menge zugeführt. Ballaststoffe sind ebenfalls wichtig, also bei Brot und Nudeln lieber auf Vollkorn zurückgreifen. Milch und Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Quark enthalten Kalzium und Eiweiß. Vor allem rotes Fleisch in größeren Mengen gilt als risikoreich, also Wurst, Schweinebraten, Rindersteak. Maximal 300 bis 600 Gramm Wurst und Fleisch pro Woche empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Beim Braten und im Salat sollte man möglichst pflanzliche Öle verwenden. Die Deutsche Herzstiftung etwa empfiehlt die Mittelmeerküche, da sie Bluthochdruck und Diabetes vorbeugen und bestehende Erkrankungen positiv beeinflussen kann. Sie zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Gemüse, Fisch, Raps- und Olivenöl aus.

 

Gesund denken

 

Die Angst vor der Demenz treibt viele Ältere um. Noch ist ihre häufigste Form, die Alzheimer-Krankheit, nicht heilbar. Noch ist die Forschung ein Flickenteppich – es gibt keinen Gesamtüberblick. Gemeinhin werden Faktoren benannt, die den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest verzögern können. So scheint etwa regelmäßiger Konsum von Obst und Gemüse dazu beizutragen, die geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten, wie eine Studie aus dem Jahr 2005 zu belegen scheint. Auch noch ältere Studien berichteten über einen positiven Einfluss von Obst und Gemüse auf die Gehirnleistung älterer Menschen. Eine Studie der TU München unter Klosterschwestern ergab zudem Hinweise darauf, dass der Bildungsgrad mit dem Auftreten einer Demenz einherging. Schwestern, die schlechtere Bildung genossen hatten und eine niedrige Position im Kloster innehatten, erkrankten danach häufiger an Demenz als ihre Mitschwestern.


Klar ist: Geistige Fitness kann vor Alzheimer schützen. Mentale Herausforderungen, Kommunikation mit anderen und Geselligkeit halten geistig fit. Wer viel allein ist, hat ein doppelt so großes Alzheimer-Risiko wie jemand mit viel sozialem Austausch. Regelmäßige Treffen mit Freunden, Bekannten und der Familien; offen bleiben für neue Begegnungen und neue Erfahrungen; gemeinsames Kochen, Kartenspielen, Musizieren oder Sporttreiben, privat, im Verein oder in der Volkshochschule – all das beugt Alzheimer vor.

 

Gesund schlafen

 

Guter Schlaf ist wichtig für das Allgemeinbefinden, er fördert wichtige Regenerationsprozesse, reguliert den Stoffwechsel und stärkt das Immunsystem. Ein Mittagsschlaf könnte sogar das Risiko von Herzerkrankungen senken. So fanden Forscher der Universität von Athen und der Harvard Universität in Boston bei einer Beobachtungsstudie heraus, dass das Risiko für einen Tod durch Herzerkrankungen bei Mittagsschläfern um etwa ein Drittel geringer war, bei berufstätigen Männern sogar um 64 Prozent. Die Vermutung: Mittagsschlaf könnte Stress abbauen.