Von Allergien bis Rückenschmerz

Dezember 2018 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Von Allergien bis Rückenschmerz

Hohe und/oder steigende Fallzahlen – das sind Eigenschaften, die eine Krankheit zur Volkskrankheit machen. Ein Überblick zu den wichtigsten Krankheitsbildern.

Illustration: Karen Obenauf
Katharina Münster / Redaktion

Allergien


Laut „Lungenärzte im Netz“ nimmt seit den 1970er- Jahren die Zahl an Allergikern stetig zu: jährlich um etwa 4,5 Prozent. Deutschlandweit sind zwischen 25 und 30 Prozent der Bevölkerung von einer Allergie betroffen – Heuschnupfen hat dabei fast jeder vierte Mensch in Deutschland. Besonders Umwelteinflüsse wie die Feinstaubbelastung in Städten, aber auch eine übertriebene Hygiene können das Risiko für eine Allergie erhöhen. Dabei lösen Proteine aus eigentlich harmlosen Stoffen wie Pollen, Hausstaubmilbenkot oder Lebensmitteln ein Alarmsignal im Körper aus. Dieser bildet daraufhin Antikörper gegen die Allergene. Treffen sie erneut auf das Immunsystem, setzt es Botenstoffe frei, die allergische Reaktionen hervorrufen. Wichtig ist, dass eine Allergie ärztlich behandelt wird, um Folgeerkrankungen wie Asthma vorzubeugen.

 

Depressionen

Jeder von uns kennt Momente, in denen wir traurig sind. Das ist ganz normal. Menschen, die jedoch an einer Depression leiden, kommen aus diesem emotionalen Loch alleine nicht mehr heraus. Dann ist die Stimmung dauerhaft gedrückt, Betroffene fühlen sich antriebslos, meiden soziale Kontakte und haben mit Schlaf- und Appetitstörungen zu kämpfen. Depressionen sind eine ernst zu nehmende Erkrankung, da sie in schweren Fällen zu suizidalen Gedanken führen können. Die gute Nachricht: Die Krankheit ist behandelbar. Über 80 Prozent der Betroffenen kann laut Neurologen und Psychiater im Netz dauerhaft geholfen werden. Schätzungen zufolge leidet jeder Fünfte in Deutschland im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer Depression – Tendenz steigend. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

 

Diabetes mellitus


Bei einem Diabetes mellitus kommt es zu erhöhten Blutzuckerwerten – weil Insulin im Körper fehlt oder nicht richtig wirkt. Von den 18- bis 79-jährigen Menschen in Deutschland leiden mehr als sieben Prozent an einem Diabetes. Der Typ-1 ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, bei dem die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin bildet. Betroffene müssen sich das Hormon spritzen, um die Blutzuckerwerte im Normalbereich zu halten. Ein Typ-2-Diabetes gilt hingegen als Wohlstandskrankheit. Ausgelöst wird er unter anderem durch eine ungesunde Ernährung und Übergewicht. Dabei sind meist die Zellen in der Bauchspeicheldrüse überlastet, weil sie nicht mehr genügend Insulin für den erhöhten Bedarf produzieren können. Hier helfen vor allem Bewegung, Gewichtsreduktion und eine ausgewogene Ernährung – sowie in einigen Fällen eine Insulinbehandlung.

 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen fallen verschiedene Krankheitsbilder. So haben etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland einen Bluthochdruck, eine sogenannte Hypertonie. Der Blutdruck liegt dann dauerhaft bei oder über 140/90 mmHg. Das Tückische daran ist, dass viele eine Hypertonie nicht bemerken, sie aber dazu führen kann, dass lebenswichtige Organe wie Herz, Nieren und Augen einen Schaden nehmen. Oft geht ein erhöhter Blutdruck auch mit einer koronaren Herzerkrankung einher. Dabei lagern sich Fett und Bindegewebe in den Herzkranzgefäßen ab. Diese verengen oder verschließen sich nach einiger Zeit, sodass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Eine Folge kann dann ein Herzinfarkt sein. Wer sich gesund ernährt, regelmäßig bewegt, auf sein Gewicht achtet, nicht raucht und wenig Alkohol trinkt, kann sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

 

Kopfschmerzen


Wenn der Schädel brummt, können dahinter viele verschiedene Ursachen stecken. Die aktuelle Klassifikation der internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) schätzt, dass es über 240 verschiedene Kopfschmerzarten gibt. Am häufigsten treten Spannungskopfschmerzen auf. Rund ein Drittel der Bevölkerung hat mindestens einmal im Monat damit zu kämpfen. Die Schmerzen sind meist drückend und dumpf und oft eine Folge von Stress oder muskulären Verspannungen. Migräne tritt bei etwa zehn Prozent der Menschen in Deutschland auf, wobei mehr Frauen als Männer betroffen sind. Sie äußert sich meist durch Attacken an nur einer Seite des Kopfes. Der Schmerz ist dann pulsierend, kann von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden und einige Stunden bis drei Tage andauern. Wer Stress vermeidet und Ausdauersport treibt, kann Spannungskopfschmerzen und Migräneattacken reduzieren. Schmerzmediziner und Neurologen helfen dabei, eine individuelle Therapie zu entwickeln.

 

Krebserkrankungen


Die Zahl der Neuerkrankungen an Krebs hat sich seit den 1970er-Jahren in Deutschland fast verdoppelt. Das liegt unter anderem daran, dass die Lebenserwartung steigt, aber auch an der frühzeitigeren Diagnostik. Insgesamt erkrankten laut des 2013 veröffentlichten Berichts zum Krebsgeschehen des Robert Koch-Instituts 252.600 Männer und 229.900 Frauen neu an Krebs. Die häufigsten Neuerkrankungen bei Frauen sind Brustkrebs (71.640) und bei Männern Prostatakrebs (59.620). Während die Zahl von schwarzem Hautkrebs beispielsweise von 15.830 in 2006 auf 21.410 in 2013 stieg, nimmt die Erkrankungshäufigkeit unter anderem bei Darmkrebs ab. Dafür sind die Überlebensraten bei Hautkrebs deutlich besser als bei Darmkrebs. Ärzte geben Auskunft darüber, welche Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen für Frauen und Männer in welchem Alter empfehlenswert sind.

 

Rückenschmerzen


Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind Rückenschmerzen harmlos. Laut der Deutschen Schmerzliga gehen nur vier bis sieben Prozent der Beschwerden auf Bandscheibenvorfälle und Einengungen des Wirbelkanals zurück. Zu 90 Prozent stecken unspezifische Rückenschmerzen dahinter. Das bedeutet, dass keine primäre Erkrankung ursächlich ist. Die Schmerzen entstehen, wenn Muskeln verspannen, verkürzen oder verhärten – aufgrund von Bewegungsmangel, Stress und Fehlhaltungen. Trotzdem sind Rückenschmerzen laut Erhebungen verschiedener Krankenkassen noch immer für die meisten Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Wer den Schmerzen vorbeugen möchte, sollte vor allem auf sein Gewicht achten, sich regelmäßig bewegen und die Rückenmuskulatur gezielt stärken.