Erster Gentest bei Brustkrebs wird Kassenleistung 

Juli 2019 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Erster Gentest bei Brustkrebs wird Kassenleistung 

Was gesetzlich Krankenversicherte wissen sollten

Die Mammografie zeigt den Tumor, ob eine Chemotherapie für die Brustkrebspatientin angezeigt ist, verrät ein Genexpressionstest.
Myriad Service GmbH / Unternehmensbeitrag

Frauen, die eine Brustkrebsdiagnose im Frühstadium erhalten, können per Gentest herausfinden, ob eine Chemotherapie verzichtbar ist. Ein erster Test wird jetzt offiziell Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Doch das reicht nicht aus.


 Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entscheidet über Leistungsansprüche von gesetzlich Krankenversicherten. Nach langwierigen Bewertungsverfahren hat das Expertengremium grünes Licht für einen ersten sogenannten Biomarkertest erteilt. Sechs Jahre (!) hat das in Anspruch genommen, und da weitere Entscheidungen der Selbstverwaltung der GKV anstehen, wird der Test in diesem Jahr nicht mehr in der sogenannten Regelversorgung verfügbar sein. Mittlerweile sind längst Tests der 2. Generation im Einsatz. Einer dieser Tests nutzt bei der Entscheidungsfindung zusätzliche klinische Parameter. Weil dieser Fortschritt nur im Schneckentempo in den Leistungskatalog findet, decken einige Krankenkassen schon heute diese Innovationslücke, indem sie eigene Verträge mit dem Hersteller schließen. Diese Versicherten haben Glück, ihnen wird auch dieser Biomarkertest erstattet. Weil die Entscheidung, zunächst nur einen Test der 1. Generation in die Regelversorgung aufzunehmen, unzureichend für die Versorgungssituation ist, dürften andere Krankenkassen mit Verträgen nachziehen. Wer wissen will, ob der individuelle Versicherungsschutz das abdeckt, sollte bei seiner Krankenkasse nachfragen.


Jährlich erkranken rund 72.000 Frauen neu an Brustkrebs. Bei den meisten kann der Tumor vollständig entfernt werden. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Krebszellen zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Tumor erzeugen. Dieses Rezidiv-Risiko kann durch eine angepasste Chemotherapie um etwa ein Drittel verringert werden, wobei zu beachten ist, dass Chemotherapien selbst nicht ohne Risiko sind. Bei etwa 20.000 Patientinnen können die Ärzte bisher keine eindeutige Therapieempfehlung für oder gegen eine Chemotherapie geben. Hier kommen Biomarker-Tests ins Spiel: Sie untersuchen, ob die Aktivität von verschiedenen Genen in den Krebszellen – und damit das Risiko für ein Rezidiv – besonders hoch ist. Durch diese moderne Gendiagnostik können schädigende Nebenwirkungen durch unnötige Chemotherapien weitgehend vermieden werden. Die Direktorin der Universitäts-Frauenklinik München, Prof. Marion Kiechle: "Wir können gemeinsam mit unseren Patientinnen abgewogene Entscheidungen nach individueller Prognose treffen."


Die Patientenvertretung im G-BA moniert, dass der jetzt positiv bewertete Test nur den kleineren Teil der in Deutschland eingesetzten Verfahren abdeckt. Dies gefährde die Versorgungssicherheit. Auch Krankenkassen drängen darauf, alle methodisch standardisierten und klinisch validierten Multigentests in der Regelversorgung zu erstatten. Das entspräche auch der gültigen S-3-Leitlinie Mammakarzinom und der Praxis in vielen unserer Nachbarländer. Bis dahin bleibt Versicherten nur die Wahl der Krankenkasse.


 
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