Bildgebung neu gedacht

Juli 2019 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Bildgebung neu gedacht

Fujifilm konnte sich mit seinem Know-how und den Erfahrungen in der Medizintechnik und Pharmazie etablieren. Neue Innovationen sind bereits in der Pipeline.

Ronald Grieger, Marketing Manager, Medical Systems Germany Fujiifilm
Fujifilm / Unternehmensbeitrag

Herr Grieger, bei Fujifilm denken sicher viele zunächst noch an die grün beklebten analogen Farbfilmröllchen und nicht an Medizintechnik oder Pharmazie. Wie kam es zu diesem Wandel?
Der Wandel kam, wie in so vielen Branchen, mit der Digitalisierung. Erst begannen die Kunden mit Digitalkameras, später mit dem Smartphone, zu fotografieren. Unser CEO Shigetaka Komori hat es in einem Interview einmal treffend formuliert: „Stellen Sie sich vor, Toyota müsste in einer Welt überleben, in der keiner mehr Autos kauft.“ Genau in dieser Situation war Fujifilm Anfang der 2000er Jahre.

 

Gab es denn damals schon eine Verbindung zur Medizin?
Die gab es praktisch schon immer. Fujifilm wurde 1934 gegründet. Bereits zwei Jahre später begann das Unternehmen mit der Produktion von Röntgenfilmen. In den 1980er-Jahren haben wir dann als weltweit erstes Unternehmen eine Technologie entwickelt, mit der sich Röntgenbilder digital erstellen lassen. Zudem hat unser Unternehmen schon immer stark und konsequent in die Forschung und Entwicklung investiert, sodass wir über die Jahre ein immenses Know-how in Bereichen wie Optik, Bildverarbeitung, Chemie und Nanotechnologie entwickeln konnten. Ganz ohne Zukäufe lässt sich der Wandel von Fujifilm zu einem Konzern, bei dem Healthcare eine zunehmend wichtige Rolle spielt, jedoch nicht gestalten. Hier gab es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an strategischen Übernahmen und Beteiligungen. Bekannt ist sicherlich eine unserer neuen Töchter, Toyama Chemical, dessen Medikament zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika eingesetzt wurde.

 

In welchen medizinischen Bereichen ist Fujifilm heute aktiv?
Im Gesundheitssektor sind wir heute vor allem in der Medizintechnik und Pharmazie aktiv. Aber auch Kosmetik und Biotechnologie tragen zum Umsatz in diesem Unternehmensbereich bei.

 

Welche Lösungen bietet Fujifilm in der Medizintechnik?
Hier konzentrieren wir uns auf fünf Aspekte. Ein wichtiges Standbein ist schon aus unserer Historie heraus das Röntgen. Mit Systemen zum mobilen oder stationären Röntgen über die Computertomografie bis hin zur Mammografie bietet Fujifilm eine Vielzahl innovativer Lösungen. Darüber hinaus leisten wir auch mit unseren hochauflösenden Endoskopiesystemen einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Krebs – beispielsweise in der Gastroenterologie oder der Pneumologie. Ultraschallsysteme, Medizinische IT sowie die Labordiagnostik – etwa für Blutanalysen – runden unsere Produktpalette in der Medizintechnik ab.

 

Das heißt, Sie sind dem Bild im weitesten Sinn treu geblieben.
Das kann man für die Medizintechnik gut und gerne so formulieren. Wir haben natürlich eine Menge Erfahrung, sowohl bei der Bildqualität als auch bei der Bildverarbeitung – zwei insbesondere für die Früherkennung von Darmkrebs wichtige Aspekte.

 

Wie genau unterstützen Ihre Endoskope die Darmkrebsfrüherkennung?
Im Prinzip bedeutet eine Koloskopie nichts anderes, als sich mithilfe von Licht die Oberfläche des Darms anzuschauen. Dabei wird vor allem nach Polypen Ausschau gehalten. Die Krux dabei: Mögliche Polypen unterscheiden sich farblich kaum vom angrenzenden Gewebe. Vereinfacht ausgedrückt, ist alles mehr oder weniger rot. Hinzu kommt, dass das menschliche Auge im Rotbereich für Kontraste eher unempfindlich ist. Das heißt, die Technologie der Endoskope muss dieses Defizit ausgleichen, also für Kontraste sorgen, die das Auge nicht wahrnimmt.

 

Wie erzeugen die Endoskope von Fujifilm Kontraste während einer Koloskopie?
Hier kommen zwei von uns entwickelte, innovative Technologien zum Einsatz, die tatsächlich auch Alleinstellungsmerkmale unserer Geräte sind. Mit Hilfe der
Blue Light Imaging Technologie, kurz BLI, wird vereinfacht ausgedrückt eine bestimmte Wellenlänge des Lichts verstärkt.


Im Ergebnis sorgt das für eine bessere Visualisierung oberflächlicher Blutgefäße und der Schleimhaut.

 

Und die zweite Technologie, von der Sie sprachen?
Dabei handelt es sich um unsere Linked Colour Imaging Technologie, kurz LCI. Auch hier will ich nicht zu technisch werden. Im Prinzip gelingt es uns über verschiedene LEDs, das Lichtspektrum, das auf die Schleimhaut fällt, so zu modifizieren, dass das menschliche Auge die verschiedenen Rottöne besser voneinander unterscheiden kann – eben genau das, was wir nicht so gut können. Das muss man sich vorstellen, als ob ein dunkles Rot noch dunkler wird, während ein helles Rot fast weiß dargestellt werden kann.

 

So können also Veränderungen frühzeitig erkannt werden?
Im Idealfall unterstützen unsere Technologien den Mediziner auf diese Art und Weise bei der Darmkrebsfrüherkennung.

 

Sie sprachen bereits über die immer schon hohen Investitionen von Fujifilm in die Forschung und Entwicklung. Was können Kunden und Patienten in Zukunft an Neuerungen und Innovationen erwarten?
Derzeit beschäftigen uns vor allem die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) besonders intensiv. Hier forschen und entwickeln wir in zahlreiche Richtungen, haben aber beispielsweise auch schon erste fertige Lösungen, die im Rahmen von Kongressen wie dem deutschen und europäischen Röntgenkongress präsentiert wurden.

 

Können Sie über diese neuen KI-Lösungen bereits sprechen?
Wir arbeiten derzeit daran, unser Know-how mit dem des Start-up Lunit zu bündeln. In einem ersten Projekt geht es beispielsweise darum, verdächtige Läsionen, wie etwa Lungentumore, mit Hilfe eines Standard-Thorax-Röntgenbildes auf KI-Basis zu erkennen. Das könnte natürlich auch in diesem Bereich die Früh-erkennung deutlich verbessern.

 

Sind weitere Innovationen in der Pipeline?
Wir arbeiten mit Hilfe von KI ebenfalls sehr intensiv an der computer-gestützten Verbesserung von Arbeitsabläufen im Krankenhaus. Ziel dabei ist es, dass unser System den Diagnosebericht bei verdächtigen Befunden unabhängig priorisiert und auf der Grundlage vorhandener Daten und Erkenntnisse weitere diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen vorschlägt. Es ist absolut spannend, welche Möglichkeiten durch neue Technologien in der Medizintechnik entstehen. Patienten und Behandler dürfen sich in den kommenden Jahren insgesamt sicher über zahlreiche Erleichterungen in der Diagnostik und der Therapie freuen.

 

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