Locker auslaufen!

März 2016 | Die Zeit | Frauengesundheit

Locker auslaufen!

Sobald das Frühjahr naht, stellt sich die Frage: Wie den Körper auf die warme Jahreszeit vorbereiten? Was bringen Heilfasten, Darmsanierung, Sport?

Illustration: Katja Budinger
Tina Angerer / Redaktion

Endlich wieder raus, endlich die trägen Pfunde der Weihnachts- und Winterschlemmerei loswerden! Endlich wieder fit werden und ohne Graus beim Vorbeigehen am Zeitschriftenkiosk so schreckliche Worte wie „Bikini-Figur“ lesen können.

 

Das Gute ist schon mal, dass alleine die Frühlingssonne die Menschen wieder fröhlicher und unternehmungslustiger macht, denn unser Körper bildet dann das Hormon Serotonin, das uns im dunklen Winter so gefehlt hat. Das Allheilmittel zu schneller und anhaltender Fitness, schöner Haut und gesundem Körper ist allerdings immer noch nicht erfunden.

 

Viele schwören gerade im Frühjahr aufs Heilfasten. Das Stichwort heißt seit Jahrzehnten „Entschlackung“. So wie ein Ofenrohr von Ablagerungen gereinigt werden muss, so solle durchs Fasten der Körper entgiftet werden. Schädliche Stoffe würden aus dem Körper, aus dem Darm, aus allen Zellen, gespült. Wissenschaftlich betrachtet  gibt es „Entschlackung“ allerdings nicht. Beim Fasten scheidet der Körper nicht mehr Gifte aus, als sie von Darm und Niere ohnehin ausgeschieden werden. Ärzte warnen sogar vor dem Heilfasten, es belaste den Organismus. Wenn überhaupt, solle es nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden.

 

WAS BEDEUTET ENTSCHLACKUNG?

 

Viele Fans der Fastenkuren berichten aber voller Überzeugung von der enormen Wirkung auf Körper und Geist. Ärzte erklären das so: Durch das Hungern verändert sich der Stoffwechsel, der Körper schaltet auf Notlage um: Die Wachheit und Euphorie entstehen durch Endorphine, die der Körper in seiner Notlage bildet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die dem Heilfasten seine gesundheitsfördernden Wirkungen abspricht, billigt der Methode aber immerhin zu, dass sie ein Einstieg sein könnte für eine Ernährungsumstellung: Heilfasten als Einschnitt, als Einstieg in ein neues, viel gesünderes Leben. Und – Placebo- Effekt hin oder her – psychologische Effekte sind enorm wichtig. Wer sich sauber und gesund fühlt, wer nicht übertreibt und nach einer solchen Kur stolz auf sich ist, der wird auch ohne „Entschlackung“ Positives für sich gewinnen.

 

Voll im Trend liegt derzeit das Thema Darm. Neue Forschungen über den Zusammenhang von Wohlbefinden und Darm haben Naturheilverfahren wie Darmspülung oder Darmsanierung durch spezielle Nahrungsergänzung zu neuer Popularität verholfen. Wissenschaftler sagen: Der Darm reinigt sich selbst, er braucht weder gespült werden noch anders gesäubert zu werden. Es gibt aber neue, verblüffende Erkenntnisse, die besagen, dass das Gehirn und der Darm über das Nervensystem und über den Blutkreislauf in ständigem Austausch sind. Auch die 10 bis 100 Billionen Bakterien, die sich in unserem Darm befinden, scheinen Auswirkungen auf unsere Stimmung zu haben. Bei vielen Krankheiten ist die Darmflora verändert, nur ist nicht bekannt, wo Ursache und wo die Wirkung liegen. Auch scheinen Fettleibige eine andere Bakterienmischung im Darm zu haben als Normalgewichtige. Es liegen große Hoffnungen auf dieser Forschung, zum Bespiel, was das Verhindern von Depressionen oder Übergewicht angeht.

 

GEHEIMNISVOLLER DARM

 

Noch ist das also Zukunftsmusik. Wie genau wir den Darm positiv beeinflussen können, ist noch nicht erforscht. Von probiotischen Präparaten und anderen teuren Darmoptimierungs-Mittelchen raten die Wissenschaftler ab. Bislang sind keine Wirkungen bewiesen. Oftmals werden die Bakterien schon von der Magensäure zerstört und landen gar nicht im Darm. Wer das möchte, kann Probiotika auch über die Nahrung aufnehmen: Sie stecken in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut, Kimchi – oder auch in Weißbier. Forscher vermuten allerdings, dass unser Darm mit den industriell verarbeiteten Lebensmitteln nicht gut zurecht kommt. Damit wären wir wieder bei den guten alten Ratschlägen: Man esse frische Kost, keine Fertigprodukte, keinen Industriezucker, lieber ein Stück Fleisch als die verarbeitete Wurst. 

 

Ein zuverlässiges Mittel für gute Laune und guten Körper gibt es aber: Sport. Da laufen alle Stränge fürs Wohlbefinden zusammen: Bewegung macht glücklich, weil Endorphine ausgeschüttet werden. Bewegung regt die Darmtätigkeit an und fördert eine gesunde Verdauung. Und Sport ist der beste Motor für Gewichtsverlust. 

 

Erstens verbraucht der Körper beim Sport Energie. Zweitens baut er Muskeln auf, und die verbrennen selbst im Ruhezustand deutlich mehr Fett. Auch bei Frühjahrsmüdigkeit ist leichte sportliche Betätigung an der frischen Luft die beste Empfehlung. Die Schlappheit entsteht, weil der Körper die Temperaturwechsel schlecht verarbeiten kann. Wer seinen Kreislauf in Schwung bringt und ans Licht geht, kann gegensteuern.

»Heilfasten kann Einstieg in ein gesünderes Leben sein.«

Generell gilt: Ideal ist eine Kombination  aus Ausdauersport und Muskelaufbau. Also: Schwimmen, Walken, Radfahren, Laufen, nicht zu schnell, denn das führt zu Stress. Kräftigend ist zum Beispiel Yoga, aber auch der Gang zu den Gewichten bringt viel. Sportmediziner weisen auf den typischen Frauenfehler hin: Frauen würden in Fitnessstudios länger, aber mit leichten Gewichten arbeiten, weil sie Angst vor Muskelbergen hätten. Effektiver aber seien schwere und kurze Einheiten. Und  zum Arnold Schwarzenegger wird eine Frau, die normal trainiert und keine verbotenen Mittelchen einnimmt, ohnehin nicht.

 

Die bei Frauen so beliebten Bauch-Beine-Po-Kurse haben einen Haken: Lokaler Fettabbau, also das direkte Fettschmelzen am Oberschenkel, das funktioniert nicht. Der Körper greift Fett-
reserven an, wenn er mehr Kalorien verbraucht als man ihm zuführt – und zwar da, wo eben Fettreserven sind. Deswegen: Training ist gut, aber gezielt am Oberschenkel unnötig. Besser ist ein ausgewogenes Training. Eiweißdrinks braucht der Hobbysportler für den Muskelaufbau nicht. Wer viel Sport macht, sollte seine Eiweißzufuhr leicht erhöhen – am besten abends proteinreich essen.

 

Glücklich, wer im Frühjahr Zeit hat, viel draußen zu sein und sich da fit zu machen. Für die anderen hält die Jahreszeit noch ein weiteres Training bereit: den Frühjahrsputz. Beim Bücken sollte man in die Knie gehen, zwischendurch stretchen, die Fenster immer schön gleichmäßig wischen, und beim Gang zur Mülltonne locker auslaufen.