»Hilfe zur Selbsthilfe« bei Krebs: Immunonkologie

Juli 2016 | Handelsblatt | Fokus Krebs

»Hilfe zur Selbsthilfe« bei Krebs: Immunonkologie

Innovation in der Krebs-Therapie: Antikörper reaktivieren die Gesundheitspolizei des Körpers gegen Krebszellen.

Die reaktivierte T-Zelle kann die Krebszelle erkennen und vernichten.
MSD SHARP & DOHME GMBH / Unternehmensbeitrag

Unser Immunsystem und die Tücken im Kampf gegen den Krebs

 

In der Regel erkennt unser Immunsystem krankhaft veränderte Zellen im Körper, aus denen sich ein Tumor bilden kann, bekämpft sie und macht sie unschädlich. Dies erfolgt vor allem durch die T-Zellen, die vergleichbar mit einem „Streifenpolizisten“ sind und eine zentrale Rolle bei der Immun-abwehr spielen. Krebszellen haben diverse Mechanismen entwickelt, um der Zerstörung durch das Immunsys-tem zu entgehen. So können Krebszellen beispielsweise die körpereigenen T-Zellen lahmlegen und regelrecht ausbremsen: Hierfür nutzen die Krebszellen Rezeptoren, die sich auf der Oberfläche der T-Zelle befinden und die als „Schlösser“ fungieren. Über diese "Schlösser", sogenannte Immun-Checkpoints, reguliert das Immunsys-tem normalerweise  die  T-Zellen, damit deren Aktivität im Gleichgewicht bleibt und nicht droht überhand zu nehmen. Die Krebszellen können jedoch ebenfalls Moleküle auf ihrer Zell-oberfläche ausbilden, die wie passende „Schlüssel“ funktionieren und nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an der T-Zelle andocken. Dem Körper wird signalisiert, die Aktivität der T-Zelle zu drosseln und die Immunantwort gegen Krebszellen wird regelrecht außer Kraft gesetzt. Hier setzen immunonkologische Therapien an: Sie verhindern das Andocken der Krebszelle an der T-Zelle und damit deren Inaktivierung. 

 

Die Immunonkologie eine echte Innovation in der Krebstherapie 

 

Die Immunonkologie wird als Innovation im Rahmen der Krebstherapie betrachtet. Hierbei werden beispielsweise sogenannte anti-PD-1-Antikörper medikamentös verabreicht, um das körpereigene Immunsystem für den Kampf gegen den Krebs stark zu machen und zu reaktivieren. Die medikamentös verabreichten Antikörper binden an den Immun-Checkpoints der T-Zellen, wodurch die Krebszelle keine Möglichkeit hat, anzudocken. Die T-Zelle wird nicht mehr „ausgebremst“ und kann ihre Funktion des „Streifenpolizisten“ wieder aufnehmen. Das körpereigene Immunsystem wird durch Reaktivierung zur Krebsbekämpfung wirkungsvoll eingesetzt. Fazit: Dieser Mechanismus beruht auf dem Schlüssel-Schloss-Prinzip und verhindert das Binden der Krebszellen an die Immun-Checkpoints auf der Oberfläche der T-Zelle und wirkt somit deren Inaktivierung entgegen.

 

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