Dezember 2017 | FOCUS | Talente der Zukunft

Wachstumsbranche Life Sciences

Biotechnologie, Medizintechnik, Analytik, aber auch Bereiche wie Pharma, Ernährung und Umweltschutz entwickeln sich zu dynamischen Jobmotoren.

Illustration: Dorothea Pluta
Lars Klaaßen / Redaktion

„Mit jedem Jahr steigt die Lebenserwartung um 2,5 Monate“, sagte Ursula Müller-Werdan, Direktorin der Charité-Klinik für Geriatrie und Altersmedizin, in ihrer Eröffnungsrede des Life Science Day am 8. September 2017 in Berlin. Diese gewonnene Lebenszeit werde jedoch durch Alterungsprozesse belastet. „Wir wollen diese Prozesse anhalten, weil sie Krankheiten auslösen können.“
 

Die Erfolge sind bereits jetzt beeindruckend, aber es gibt auch künftig noch viel zu tun. Kein Wunder also, dass Life Science zu den starken Wachstumsbranchen gehört. Segmente wie Biotechnologie, Medizintechnik, Analytik, aber auch Bereiche wie Pharma, Ernährung und Umweltschutz entwickeln sich zu dynamischen Jobmotoren.

Doch gibt es genügend Fachkräfte angesichts der großen Nachfrage? Auf Jobbörsen, Internetportalen und in sozialen Netzwerken sondiert die Branche hochtourig. Unternehmen suchen Kontakte zu Hochschulen und Instituten, bieten Praktika und Begleitung von Abschlussarbeiten an. Auch die langfristige Personalplanung, die Ausbildung eigener Fach- und Führungskräfte und die Optimierung des Arbeitgeberimages spielen eine Rolle. Gerade bei Profilen, die unterschiedliche Qualifikationen zusammenbringen, wie etwa Medizininformatiker, kann die Suche bisweilen länger dauern.

Dass es schwierig sein kann, die passenden Fachkräfte zu finden, bemerkt man unter anderem bei BioLAGO. Dieses grenzüberschreitende Netzwerk für Life Sciences in der Vierländerregion Bodensee verknüpft Wirtschaft und Wissenschaft, fördert den Wissenstransfer und die Gründung neuer Unternehmen. Es vereint rund 6.500 Arbeitsplätze in Forschung, Produktion und Dienstleistung. Die BioLAGO-Unternehmen haben in den letzten Jahren 1.200 neue Arbeitsplätze im Bodenseeraum geschaffen – aber: „Es fehlen vor allem Laborkräfte, die in der Region kaum noch ausgebildet werden“, sagt Netzwerk-Mitarbeiter Uwe Gundrum. Es gibt dort auch Bedarf für technische und naturwissenschaftliche Fachkräfte wie Informatiker, Ingenieure, Chemiker und Biologen. Die Unternehmen kooperieren gezielt mit Schulen und Hochschulen.

Wie viele andere Bereiche werden auch Life Sciences durch Digitalisierung revolutioniert. Die Studie „Pharma im digitalen Wandel“ des Personaldienstleisters Hays stellt fest: „Digitale Trends rund um Big Data, Cloud oder mobile Technologien eröffnen Pharmaunternehmen zahlreiche neue Möglichkeiten, um beispielsweise über eine computergestützte Wirkstoffsuche Produkte zu entwickeln, diese im Sinne einer personalisierten Medizin individueller auf die Patienten abzustimmen sowie deren Sicherheit zu erhöhen.“ Im Zuge dieser Prozessdigitalisierung sind Mitarbeiter zunehmend gefordert, Entscheidungen (softwaregestützt) selbstständig zu treffen. Mehr noch: Die Digitalisierung befördert auch die Auslagerung und Umstrukturierung von Unternehmensbereichen. Dadurch steigt der Druck auf die Mitarbeiter, sich fortlaufend in neue Arbeitsumgebungen und Themenstellungen einzuarbeiten.