Arbeit 4.0

November 2018 | Die Welt | Talente der Zukunft

Arbeit 4.0

Wer möchte, dass die Arbeitnehmer von heute auch fähig sind, die Arbeit von morgen zu bewältigen, sollte in soziale Kompetenzen investieren.

Illustration: Franziska Schütz
Klaus Lüber / Redaktion

Roboter und intelligente Computerprogramme werden in Deutschland und anderen Industrieländern Millionen Arbeitsplätze vernichten. Zuerst wird es viele Geringverdiener treffen, diejenigen mit einfachen, wenig komplexen Jobs, die sich leicht automatisieren lassen. Aber nach und nach kommen auch besser ausgebildete Fachkräfte in Bedrängnis – wie Banker, Versicherungsangestellte oder sogar Anwälte und Ärzte. Immer mehr Kompetenzen, von denen wir dachten, sie wären genuin menschlich, werden sich nach und nach als maschinenlesbar entpuppen.


Soweit die These vom Ende der Arbeit durch Automatisierung, die seit ein paar Jahren besonders in Deutschland öffentlich sehr präsent ist und mit dem Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht einen recht prominenten Vertreter hat. Doch obwohl der disruptive Effekt der Digitalen Transformation auf den Arbeitsmarkt von niemandem mehr angezweifelt wird, ist längst nicht ausgemacht, wie dramatisch sich dieser in der Masse tatsächlich auswirken wird. Droht tatsächlich eine Massenarbeitslosigkeit, wie Precht befürchtet? Oder wird die Digitalisierung am Ende mindestens genauso viele oder gar noch mehr neue Jobs entstehen lassen, wie viele Wirtschaftsverbände argumentieren?


Einer der wichtigsten Referenzpunkte für die Debatte ist nach wie vor ein vor inzwischen fünf Jahren veröffentlichtes Essay der beiden Oxford-Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael A.  Osborne. In ihrer Studie „The Future of Employment“ kamen sie zum Schluss: Annähernd die Hälfte aller Jobs (47 Prozent in den USA und 42 Prozent in Deutschland) drohen durch automatisierte Prozesse ersetzt zu werden.


Das klingt zwar alarmierend, nur werden die Zahlen inzwischen von vielen Experten kritisch hinterfragt. Hauptkritikpunkt: Die beiden Wissenschaftler gingen von der Grundannahme aus, dass alles, was theoretisch automatisiert werden kann, auch wirklich automatisiert wird, und dass alle Tätigkeiten, die in bestimmten Berufen verlangt werden, auch automatisierbar sind. Viel wahrscheinlicher sei es allerdings, dass nur einzelne konkrete Tätigkeiten, und nicht zwingend ganze Berufe, automatisiert werden. Auch können man durch die Vermittlung neuer, automatisierungsferner Kompetenzen die Perspektiven vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich verbessern.


Erst kürzlich präsentierte das Bundesgesundheitsministerium Zahlen, wonach mittelfristig sogar mit einem Überschuss an Jobs zu rechnen sei. In den nächsten sieben Jahren würden durch den technischen Fortschritt im Vergleich zu heute zwar 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, so Bundesminister Hubertus Heil. „Es entstehen aber auch 2,1 Millionen neue Jobs.“ Herausfordernder sei die langfristige Entwicklung. Im Zeitraum bis 2035 würden zwar 3,3 Millionen neuer Jobs entstehen, aber auch vier Millionen verschwinden. Jetzt ginge es darum, dafür zu sorgen, dass „die Arbeitnehmer von heute auch die Arbeit von morgen machen können“.