Yoga oder Bootcamp?

Dezember 2015 | Handelsblatt | Gesundheit & Arbeit

Yoga oder Bootcamp?

Gesund zu bleiben liegt immer auch in der Verantwortung jedes Einzelnen. Doch worauf soll man achten? Wir haben ein paar Tipps für Sie zusammengestellt. Heinke Kegler / Redaktion

Illustration: Irene Sackmann
Heinke Kegler / Redaktion

Gesundheits-Apps –Sport und Entspannung für zwischendurch

„Start the workout.“ Ein Klick, und schon beginnt ein etwas hämisch dreinblickender Kater mit Jumping Jacks, gefolgt von Push Ups und weiteren Einheiten. Die App „Fat Cat Workout“ hilft dabei, mit wohl dosierten Übungseinheiten Bewegung in den Joballtag zu bringen. Fortgeschrittene können „Freeletics“ ausprobieren: Hier besteht die Wahl zwischen einfachen Workouts bis hin zu sehr anspruchsvollen Trainingseinheiten, wobei erstere in jedem Fall ausreichend für den Bürosport sind. Für die geistige Fitness und eine kurze, aber effektive Auszeit von E-Mails, Telefon und Co. ist die App „Stop, Breathe and Think“ geeignet. Einigermaßen entfernt von Esoterik-Klischees verhelfen unterschiedliche Meditations- und Atemübungen zu mehr Gelassenheit. Die App gibt es nur auf Englisch, sie ist allerdings gut verständlich und leicht umsetzbar. Noch etwas differenzierter funktioniert  „7Mind“: Hier werden nicht nur Grundlagen der Meditation gezeigt, sondern auch verschiedene Themenkurse angeleitet. Sieben Minuten sollen dabei ausreichen, um dem Alltagsstress mit mehr Achtsamkeit entgegen zu wirken.


Risiko Burnout – Warnsignale und Vorbeugung

Erschöpfung, Schlafstörungen, Rückenschmerzen – dies sind nur einige der Signale, die auf einen Burnout hindeuten können. Wer darunter leidet, fühlt sich körperlich, emotional und geistig völlig ausgebrannt. Für Betroffene werden berufliche und private Tätigkeiten zur Pflicht, die früher als positiv empfunden wurden; einige ziehen sich immer mehr aus ihrem Sozialleben zurück. Gegenwärtig erforschen Wissenschaftler im Rahmen der „Dresnder Burnout Studie“ die Ursachen des Syndroms: Sie vermuten, dass vor allem chronischer Stress bei der Arbeit in eine Ausbrenn-Spirale führen kann, nämlich wenn „negative Arbeitsgedanken in andere Lebensbereiche eindringen“. Davon ausgehend raten die Forscher neben ausreichend Schlaf und Erholung zu einem „bewussten gedanklichen Abschalten in arbeitsfreien Zeiten“: Hilfreich sind hierbei Aktivitäten wie Sport, Entspannung oder Kulturerlebnisse, ebenso die Pflege sozialer Kontakte. Sehr wichtig sei es außerdem, ein „an die eigenen Bedürfnisse angepasstes, realistisches Arbeitspensum“ anzustreben, um Stress durch überzogene Erwartungen an sich selbst vorzubeugen.


Sport und Psyche – den Sorgen davonlaufen

Es stimmt, dieses bekannte Sprichwort vom gesunden Geist, der in einem gesunden Körper steckt: „Durch körperliche Aktivität werden Prozesse ausgelöst, die zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit beitragen“, heißt es in einer Broschüre des Bundesgesundheitsministeriums. Sport sei demnach „eine wirkungsvolle Unterstützung bei den vielfältigen Herausforderungen in jeder Lebensphase“. Generell werden drei Trainingseinheiten pro Woche empfohlen. Auch, wenn es weniger sind – ausschlaggebend ist Regelmäßigkeit. „Man muss lernen, dranzubleiben und das Training in seinem Terminkalender klar zu fixieren“, meint Oliver Stoll, Professor für Sportpsychologie an der Universität Halle-Wittenberg. Wichtig dabei ist, konkrete Ziele vor Augen zu haben und „dass diese von persönlicher Bedeutung und realistisch erreichbar sind“. So kann auch der gemeinste Schweinehund überlistet werden. Yoga oder Bootcamp-Training – die passende Sportart kann über Ausprobieren schnell gefunden werden. Man muss nur anfangen.


Ernährung – Energie im Job

Manchmal können flatternde Nerven nur noch durch ein kleines oder auch größeres Stück Schokolade beruhigt werden. Doch gerade bei der Arbeit sollte ansonsten auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden, um Blutzucker und Konzentration auf einem konstanten Level zu halten. Die Ernährungstrainerin Sabine Grohn fasst zusammen, wie man mithilfe der richtigen Lebensmittel auch im stressigsten Joballtag bei Laune bleibt: Wer keine Zeit zum Frühstücken hat, dem empfiehlt sie einen grünen Smoothie für unterwegs oder einen Saft aus frischen Möhren, Ingwer, Apfel, Orange und Zitrone mit etwas Leinöl. Für zwischendurch sind Mandeln oder Nüsse hervorragend geeignet, als „Notfallapotheke“ gegen Heißhunger dienen Karotten und Äpfel. Über den Tag verteilt sollten außerdem 2,5 Liter Wasser getrunken werden. Für das Mittagessen gilt: Gesund und abwechslungsreich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt vor allem Getreide, Gemüse und Obst, aber auch Fisch, Fleisch oder Milchprodukte. Werden alle empfohlenen Ernährungsweisen abgedeckt, bleibt ab und zu auch Platz für Schokolade.


Entspannt im Büro – viel Bewegung, gutes Arbeitsklima

„Entspannung“ und „Büro“ – für viele ein Widerspruch in sich. In einer Studie der Techniker Krankenkasse gaben 70 Prozent der Befragten an, manchmal oder sogar häufig von ihrer Arbeit gestresst zu sein. Dagegen hilft: Bewegung. Sie lindert Stress und Verspannungen und steigert die Konzentrationsfähigkeit. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Augen gewidmet werden. Wer Stunden vor einem Display verbringt, sollte ab und zu bewusst blinzeln oder einfach mal aus dem Fenster schauen. Zu mehr Entspannung verhilft außerdem eine positive Sichtweise. Die Psychologin Ilona Bürgel rät dazu, den Blick verstärkt auf Aspekte wie Anerkennung, Bestätigung und Kollegialität zu lenken. Ihr Tipp: Das sogenannte „Job Crafting“. Dabei sollen Perspektivenwechsel zu mehr Erfüllung im Joballtag verhelfen, indem aktiv der Umfang oder die Art der Arbeitsbewältigung verändert oder die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten verbessert werden.