»Wir müssen unterschiedliche Arbeitsweisen wertschätzen«

Juni 2018 | Wirtschaftswoche | Frau. Macht. Zukunft.
Vorbilder gesucht!
Die Redaktion befragt Akteurinnen zur Rolle von Frauen in der Wirtschaft.
Juni 2018 | Wirtschaftswoche | Frau. Macht. Zukunft.

»Wir müssen unterschiedliche Arbeitsweisen wertschätzen«

Aletta Gräfin von Hardenberg / Geschäftsführerin; Charta der Vielfalt e.V.

Diversity Management und das Thema Frauen sind stark miteinander verknüpft. Für manche ist es sogar identisch. Dabei ist die Kategorie Gender nur eine von mehreren und sollte immer auch mit den anderen Dimensionen von Vielfalt gedacht werden. Fakt ist, dass vor allem weiße, heterosexuelle Männer mittleren Alters im Diversity Management bisher fast gar nicht vorkamen oder zumindest nicht mit angesprochen wurden. Nun sind wir an einem Punkt, an dem wir merken, dass Diversity Management nicht nachhaltig funktioniert, wenn die Mehrheit nicht angesprochen wird. Durch einzelne Maßnahmen und Programme wurden Frauen über viele Jahre hinweg gefördert, das Bild in den oberen Etagen der Unternehmen und Institutionen hat sich dennoch nicht signifikant geändert. Frauen sind weiterhin in der Unterzahl. Daran können wir nur etwas ändern, wenn wir die Organisationskultur angehen - ganzheitlich. Wenn unterschiedliche Arbeitsweisen und Ideen wertgeschätzt werden, haben ALLE Chancen den Aufstieg zu meistern.

www.charta-der-vielfalt.de

Juni 2018 | Wirtschaftswoche | Frau. Macht. Zukunft.

»Wir brauchen erfolgreiche Vorbilder«

Catharina van Delden / Mitglied im Präsidium Bitkom

Viele Berufe gelten noch immer als klassische Männerdomäne. Gerade im technischen Bereich halten sich diese Vorurteile hartnäckig. Dabei haben Frauen hier beste Karrierechancen. Viele Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche suchen gezielt nach weiblichen Mitarbeitern, da sie sich von gemischten Teams bessere Ergebnisse versprechen. Passend dazu steigt der Frauenanteil in der Bitkom-Branche – langsam, aber kontinuierlich. Mittlerweile ist mit 28 Prozent etwa jeder vierte Mitarbeiter weiblich. 2015 waren es noch 24 Prozent. Unter den IT-Spezialisten finden sich heute 17 Prozent Frauen (2015: 15 Prozent). Den größten Nachholbedarf gibt es in Führungspositionen: Im mittleren Management stieg der Anteil um einen bescheidenen Prozentpunkt auf weiterhin niedrige 8 Prozent, im Top-Management um 2 Prozentpunkte auf 7 Prozent. Um den Frauenanteil weiter zu steigern, braucht es erfolgreiche Vorbilder, eine gezielte Förderung schon in jungen Jahren und eine Unternehmenskultur, in der Frauen gezielt gefördert und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht werden. Es bleibt viel zu tun – aber die Richtung stimmt.

www.bitkom.org

Juni 2018 | Wirtschaftswoche | Frau. Macht. Zukunft.

»Wir brauchen kreative Ideen zur Veränderung«

Prof. Barbara Schwarze / Vorsitzende; Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

Viele Unternehmen haben erkannt, dass sich die Vielfalt ihrer Belegschaft positiv auf den Erfolg auswirkt. Eine der wichtigen Maßnahmen hierzu ist die Steigerung des Anteils an Frauen in Führung. Doch ein Selbstläufer ist das nicht – wer mehr weibliche Führungskräfte gewinnen und dauerhaft im Unternehmen halten will, muss explizit die Erwartungen an die Unternehmens- und Führungskultur bei männlichen und weiblichen Beschäftigten erheben, sich mit der Bewertung bereits eingeführter Maßnahmen auseinandersetzen und kreative Ideen zur Veränderung anregen. Dies kann exemplarisch in spezifischen Abteilungen, oder auch kaskadenförmig im gesamten Unternehmen durchgeführt werden. Stereotype und Vorurteile über vermeintlich geschlechterspezifische Kompetenzen können so überprüft und beseitigt werden. Die Kommunikation über die Ergebnisse und deren umgehende Umsetzung – beispielsweise als Zielvorgabe für die Auswahl junger Führungsnachwuchskräfte, – verdeutlichen den Stellenwert, den mehr weibliche Führungskräfte und mehr Vielfalt für das Unternehmen haben.

www.kompetenzz.de