Die Förderung der Zukunft

Dezember 2018 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Die Förderung der Zukunft

Das Förderprogramm EXIST unterstützt seit zehn Jahren Nachwuchstalente in den Hochschulen auf dem Weg in die Wirtschaft. Welche Erfolge daraus erwachsen können, zeigt das Beispiel von Sicoya.

Dr. Hanjo Rhee, Gruppenleiter, Photonic IC Design, Sicoya GmbH
Exist / Unternehmensbeitrag

Als die Gründer der Sicoya GmbH aus Berlin vor einem Jahr gemeinsam mit der IHP Solutions GmbH aus Frankfurt (Oder) den Innovationspreis der Region Berlin-Brandenburg entgegennahmen, war dies nicht die erste Auszeichnung für das noch junge Unternehmen. Innerhalb von nur zwei Jahren hatte Sicoya vier weitere erste und einen zweiten Platz bei namhaften Startup- und Technologiewettbewerben abgeräumt.
 

Lichtgeschwindigkeit auf kleinstem Raum
 

Sicoya entwickelt und fertigt optoelektronische Produkte wie Transceiver-Chips und -Module, die Daten in deutlich höherer Geschwindigkeit übertragen können, als das bisher der Fall ist. Dr. Hanjo Rhee, Mitgründer des Unternehmens, erklärt das Prinzip der Siliziumphotonik: „Die Idee ist, in einem Mikrochip elektrische Signale in optische Signale umzuwandeln und umgekehrt. Auf diese Weise steigt die Übertragungsgeschwindigkeit rapide. Gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch. Zudem ist die Technologie in der Anwendung vergleichsweise preiswert, und man kann große Volumen produzieren.“ An der Siliziumphotonik, so erklärt Dr. Hanjo Rhee, wird auch anderswo auf der Welt geforscht. Das Innovative an den Sicoya-Produkten ist, dass sie elektrische und optische Elemente auf nur einem Mikrochip vereinen – und damit nochmals die Performance der Transceiver erhöhen.

Zum Einsatz kommt die neue Technik in den großen Datencentern, zum Beispiel von Google, Amazon, Microsoft & Co. „Dort stehen in riesigen, fabrikhallenartigen Gebäuden hunderttausende Server, die alle miteinander verbunden sein müssen“, weiß Dr. Hanjo Rhee. „Bisher geschieht das meistens auf der Grundlage von Kupferkabeln, die nur kurze Distanzen erlauben. Mithilfe der Siliziumphotonik könnte eine komplette Serverebene eingespart werden.“ Gleichzeitig würde die Übertragungsgeschwindigkeit auf einer Glasfaser auf bis zu 100 Gigabit pro Sekunde angehoben. Zum Vergleich: Die herkömmlichen DSL-Leitungen arbeiten bislang mit maximal 100 Megabit pro Sekunde, also tausendmal langsamer. Auch in den Datencentern sind bisher zumeist nur 25 Gbit/s im Einsatz.
 

Von der Uni auf den Markt
 

Die von Sicoya entwickelten Transceiver werden Deutschlands Weg in die digitale Zukunft ebnen. Dass sie sich heute bereits im Einsatz bei den großen Datencenter-Betreibern befinden, wo sie im laufenden Betrieb evaluiert werden, verdanken die Entwickler nicht zuletzt dem Förderprogramm EXIST. Die vom Bundeswirtschaftsministerium und vom Europäischen Sozialfonds geförderte Maßnahme unterstützt junge Talente an den Universitäten dabei, den Weg aus der Forschung in die freie Wirtschaft zu gehen.

Neben einem Gründerstipendium gibt es den EXIST-Forschungstransfer, den Sicoya, eine Ausgründung aus der TU Berlin, in Anspruch genommen hat. Damit werden herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben gefördert. Die Förderung findet in zwei Phasen statt. Am Ende der ersten Phase steht die Unternehmensgründung, während es in Phase 2 darum geht, Maßnahmen zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit im neu gegründeten Technologieunternehmen umzusetzen und die Voraussetzungen für eine externe Unternehmensfinanzierung zu schaffen.

Am 29. November 2018 ist außerdem die Gründungsoffensive des Bundeswirtschaftsministeriums gestartet, in deren Zuge auch ein neues EXIST-Programm ins Leben gerufen wurde. „EXIST-Potentiale“ soll Ausgründungen aus Hochschulen künftig noch besser fördern, international sichtbare Leuchttürme in der deutschen Hochschullandschaft schaffen und gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Initiativen durch eine regionale Verankerung sichern.


www.sicoya.com
www.exist.de