Digitale Transformation

März 2016 | Wirtschaftswoche | Technologien der Zukunft

Digitale Transformation

Warum interessiert sich Google für Autos, Thermostate und medizinische Messgeräte? Wer verstehen will, was es mit dem revolutionären Potenzial der digitalen Transformation auf sich hat, sollte mehr im Blick haben als nur intelligente Fabriken.

Illustration: Friederike Olsson
Dagny Moormann / Redaktion

AUTMOATISIERUNG

Maschinen kommunizieren und agieren autonomer, seit klassische Technologien und Computer in ihnen verschmelzen. Mit Funketiketten und Sensoren steuern sie die Fertigung weitgehend selbst. Darüber hinaus erhalten sie im Zuge der digitalen Transformation jedoch einen neuen Stellenwert, da sie nicht mehr nur der Produktion dienen. Google kauft zum Beispiel mit Hochdruck Robotikfirmen. Um Daten zu sammeln und zu Geld zu machen. Wenn Google die Software dieser Roboter in Kombination mit den übrigen datenbasierten Angeboten als Standard etabliert, wird es wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette sämtlicher Branchen, die solche Roboter einsetzen als völlig branchenfremdes Unternehmen.

 

DIGITALER KUNDENZUGANG

Die digitale Schnittstelle zum Kunden ermöglicht nicht nur schnellere, sondern auch gänzlich neue Angebote. Dabei setzen sich gern einfache und individuelle Dienste durch – und zwar ziemlich rasch, wie Uber oder Airbnb zeigen. Oft auch dank niedriger Transaktionskosten können sich solche Internetfirmen gezielt an die richtige Stelle einer Wertschöpfungskette setzen und dort zum regelrechten Schreck der Branche werden. Die hatte eigene Ineffizienzen und damit Potenziale für Konkurrenten vorher womöglich nicht mal bemerkt. Hochqualifizierte Ingenieure und technisches Know-how allein sichern Deutschland also keinen Spitzenplatz mehr –auch Weltklassefirmen können in die Rolle von Zulieferern der digitalen Player rutschen, die Standards an den Schnittstellen etabliert haben. Das Produkt selbst ist da zweitrangig.

 

DIGITALE DATEN

Längst produzieren Maschinen nicht mehr nur Produkte, sondern auch Daten wie am Fließband. So sammeln sie Informationen, um Störfälle anhand gewisser Parameter vorherzusehen und zu vermeiden, und leiten die Daten weiter – an Maschinen, Menschen, die Herstellerfirma, die nach der Auswertung die nächste Maschinengeneration optimieren kann. Die Frage, wem diese Daten gehören, wird auch interessant, wenn es weg von der reinen Produktion oder Logistik hin zum Kunden geht. An dieser Schnittstelle fallen ebenfalls massenweise Daten an. Nicht mehr nur klassisch im Computer, sondern auch in Handys, Autos oder dem neuen Smart Home. Schnell haben diejenigen, die diese auszuwerten und zu nutzen wissen, einen Riesenvorsprung.

 

VERNETZUNG

Schon 2008 gab es mehr vernetzte Dinge als Menschen auf der Welt. Dieses Internet der Dinge ist eine der Technologien, auf denen die digitale Transformation basiert und die sie zum Evolutionsbeschleuniger machen. Maschinen und Menschen tauschen sich permanent miteinander und untereinander aus. Getrennte, intransparente Abläufe der gesamten Wertschöpfungskette werden dadurch synchronisiert und effizienter. So kann die Smart Factory den optimalen Produktionsweg und -zeitpunkt sowie die Rohstoffzufuhr regeln und das bis zu kleinsten Losgrößen. Vorausgesetzt, es gelten einheitliche Standards für Informationssysteme. Bei deren Etablierung gewinnt oft derjenige, der schnell am Start ist. Das erste und damit größte Netzwerk profitiert nämlich exponentiell – und setzt sich nach der „Winner takes all“-Logik digitaler Märkte als einziges durch.

 

 

Quelle: Die Digitale Transformation der Industrie. Studie von Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag des BDI (2015)